Magath schreibt exklusiv in der tz

Hart aber Felix: Magath kritisiert TV-Berichterstattung

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Felix Magath schreibt für die tz.

München - Für die tz analysiert unser Kolumnist Felix Magath (62) wöchentlich die Lage im deutschen ­Fußball. Dieses Mal geht es um die Berichterstattung im Fernsehen und die fehlende Stabilität bei Bayer Leverkusen.

Wenn man die Nachberichte zum Bundesliga-Spieltag in Augenschein nimmt, gewinnt man den Eindruck, dass jener Szene, in der Rudi Völler im Interview nach dem Spiel Sky-Moderatorin Jessica Kastrop die Hand tätschelt, mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde als den sportlichen Aspekten des Derbys zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln selbst. Ein Beleg dafür, wie sich die Dinge im Geschäft Fußball entwickelt haben. Schon längst steht vielfach nicht mehr der eigentliche Sport im Mittelpunkt.

Völler und Kastrop: „Der Sport steht nicht im Mittelpunkt".

Vermarktung und mediale Präsentation stehen im Vordergrund. Eine fundierte fußballerische Analyse bleibt meist auf der Strecke oder wird zu oberflächlich abgehandelt – von allen Beteiligten. Man bewertet kaum das sportlich Wesentliche, sondern nur das Ergebnis sowie das Drumherum. Jessica Kastrop aber hat einmal nachgehakt, ob die vielen Gegentore in den letzten Wochen einer mangelnden Stabilität der Leverkusener Defensive zuzuordnen seien. Natürlich will Rudi Völler keine Trainer-Diskussion, er muss aber akzeptieren, dass die Leistung der Mannschaft kritisch gesehen werden darf.

Die Spiele gegen Rom (4:4 und 2:3) oder gegen Stuttgart (4:3) waren zwar spektakulär, aber die zahlreichen Gegentore zeigen doch, dass viel zu viele Fehler gemacht werden. Rom ist international gesehen keine Top-Adresse, Stuttgart ein Abstiegskandidat. Leverkusen hat sich nach den Spielen in den Toren und der Spektakel-Berichterstattung gesonnt. Man darf aber nicht übersehen, wie anfällig die Mannschaft hinten ist.

Dass nun der 1. FC Köln, der offensiv nicht gerade zu den gefährlichsten Mannschaften der Liga gehört, das Derby gewinnt, gibt Anlass für kritische Fragen. Platz acht, fünf Saisonniederlagen und 16 Gegentore sind für Bayer mit seinen finanziellen Möglichkeiten nicht zufriedenstellend.

Aber wenn es um das genaue Hinterfragen von Leistungen geht, fällt es vielen Verantwortlichen der Liga schwer, Klartext zu sprechen. In erster Linie liegt das auch an einem gesunkenen Anspruchsdenken. Das Ergebnis heiligt oft die Mittel. Ein ermauerter Punkt, ein glücklicher Sieg – alles wird gefeiert.

Aber mit diesem Denken läuft die Bundesliga auch Gefahr, international weiter in die zweite Reihe zu rutschen.

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