tz-Kolumne

Heinrich heute: Der Sommermärchen-Kitsch

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich betrachtet in der Rubrik "Heinrich heute" die Sportwelt. Diesmal schreibt er über die Verkitschung der WM 2006.

Was irrsinnig nervt, ist die gnadenlose Verkitschung der WM 2006. „Unser Sommermärchen bleibt trotzdem wunderschön“, grienen alle, von Bruchhagen bis Sammer. Beim Zuhören hat man das Gefühl: Deutschland basiert auf den Grundpfeilern Hambacher Fest, Wunder von Bern, Wirtschaftswunder, Einheit, Sommermärchen, Helene Fischer und „Draußen nur Kännchen“. Dabei hatte das Sommermärchen viele finstere Seiten: Klinsmann war Bundestrainer, wir wurden nur Dritter, Naidoo und Pocher haben gesungen, und Umweltminister Schnappauf hat Problembär Bruno erschießen lassen. Und nur der liebe Gott weiß, was passiert wäre, wenn Schnappauf das hosenlose Maskottchen Goleo vor die Flinte bekommen hätte. Wir fassen zusammen: Klinsmann, Korruption, Pocher und Tiermord. Es war schon schön, das Sommermärchen. Aber so schön war’s auch wieder nicht.

Jörg Heinrich

Rubriklistenbild: © dpa

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