Der Traditionsverein im Aufbruch

Hertha BSC Berlin: Gründung, Erfolge, Stadion – alle Infos zur Alten Dame

Michael Preetz führt Hertha BSC seit 2009
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Michael Preetz führt Hertha BSC seit 2009

Hertha BSC galt lange als mittelmäßig. Nun will der Verein mit Investor Lars Windhorst den Angriff auf die Top-Clubs wagen.

  • Hertha BSC hat eine bewegte Geschichte mit vielen Tief- und Höhepunkten.
  • Die „graue Maus“ war lange kein Top-Klub mit Strahlkraft, sondern Fahrstuhlmannschaft.
  • Investor Lars Windhorst legt die finanziellen Grundlagen für den Erfolg.

Berlin – Der Bundesligist Hertha BSC gilt als eines der spannendsten Projekte im deutschen Fußball. Investor Lars Windhorst stieg 2019/2020 mit 224 Millionen Euro ein und will die „Alte Dame“ Hertha zu einem „Big City Club“ mit internationalem Glanz formen. Viele junge Top-Transfers, ein neues Stadion und mit Bruno Labbadia ein neuer Trainer sollen den Anstoß geben, Hertha in den nächsten Jahren komplett umzubauen. Was auf jeden Fall bleiben wird: Die blau-weißen Vereinsfarben, die Heimat in der Hauptstadt Berlin und die lange Tradition des Vereins. Hertha ist einer der ersten reinen Fußballklubs in Deutschland und die Gründung des Vereins erfolgte schon am 25. Juli 1892.

Möglich ist der Neuanfang auch durch die Struktur des Fußballklubs: Im November 2000 beschloss die Mitgliederversammlung die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine GmbH & Co KGaA und legte somit den Grundstein für zukünftige Finanzspritzen von Investoren. 2009 übernahm der ehemalige Herthaner Michael Preetz die Geschäftsführung.

Hertha BSC: Goldenes Zeitalter liegt weit zurück

Die größten Erfolge von Hertha BSC liegen so weit zurück, dass die meisten der heutigen Fans sich nicht mehr daran erinnern können: In den 1920er Jahren zählte die Hertha zu den absoluten Top-Klubs in Deutschland. Der Verein standsechsmal in Folge im Finalspiel um die deutsche Meisterschaft und konnte sie 1930 und 1931 für sich entscheiden. Es sollten die einzigen Titel von nationaler Bedeutung bleiben.

Obwohl der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg nicht an die alten Erfolge anknüpfen konnte, gehörte Hertha BSC 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Weil der Verein Spieler mit verbotenen Handgeldern umworben hatte, wurde die ohnehin dauerhaft abstiegsgefährdete Hertha 1965 in die Regionalliga versetzt. Kaum war der Verein nach drei Jahren wieder aufgestiegen, folgte 1971 der nächste Skandal: Hertha-Spieler hatten sich von Arminia-Funktionären bestechen lassen. Um die Strafe zu finanzieren, musste das alte Stadion verkauft werden.

Dennoch waren die 1970er eines der erfolgreichsten Jahrzehnte für die Hertha. So scheiterte der Klub 1970 erst im Viertelfinale im UEFA-Pokal, 1979 verlor der Verein das Halbfinale nur knapp. 1975 gelang den Herthanern mit der Vize-Meisterschaft der größte Erfolg in der Bundesliga-Geschichte.

Hertha BSC als Fahrstuhlmannschaft

Entsprechend überraschend kam der Abstieg: 1980 wurde Berlin zweitklassig. Die Hertha wurde zu einer Fahrstuhlmannschaft, stieg nach zwei Jahren wieder auf, nur um direkt danach wieder abzusteigen. 1986 erfolgte sogar der Abstieg in die Amateur-Oberliga. Erst nach zwei Saisons gelang die Rückkehr in die zweite Liga. 1990 war Berlin endlich wieder erstklassig – für eine Saison. 1996 drohte erneut die Drittklassigkeit: Bis Jürgen Röber übernahm. Ihm gelang in der Folgesaison sogar der Aufstieg in die erste Liga. Berlin spielte nun konstant in der ersten Bundesliga und feierte sogar einige Auftritte auf internationalem Parkett.

Doch der Erfolg blieb nicht dauerhaft und Hertha-BSC-Fans mussten starke Nerven haben. Berlin stieg 2009 wieder ab und im Folgejahr auf. 2012 erfolgte der Wiederabstieg. Seit 2013 ist der Hauptstadtclub wieder erstklassig und konnte sich unter Trainer Pál Dárdai wieder in der Bundesliga etablieren.

Zur Saison 2019 stieg Lars Windhorst mit seiner Peil Investment mit 224 Millionen Euro in den Verein ein. Er will, dass Hertha zu einem der Top-Klubs in Deutschland wird und sich auch international behaupten kann.

Hertha BSC: Stadionneubau geplant

Die Hertha hatte in ihrer Geschichte bislang zwei bedeutende Stadien. 1923 wurde das Stadion am Gesundbrunnen eingeweiht, das auch als „Plumpe“ bekannt war. Es soll nicht zuletzt wegen seines Fassungsvermögens von mehr als 35.000 Zuschauern maßgeblichen Anteil an den goldenen Jahren des Berliner Klubs gehabt haben. Die Plumpe wurde 1974 abgerissen. Bereits 1963/1964 zog die Hertha in das Berliner Olympiastadion um. Die neue olympische Spielstätte hat eine Kapazität von fast 75.000 Zuschauern.

Der Blick auf Google Maps zeigt außerdem, dass zwischen der alten Spielstätte der Hertha und dem Olympiastadion etwa 13 Kilometer Entfernung liegen. Mit einer kurzen Unterbrechung von 1965 bis 1968, als Hertha als Regionalliga-Mannschaft erneut die Plumpe nutzte, ist das Olympiastadion seitdem die Heimat der blauweißen Hertha. Doch das Olympiastadion ist unter den Fans schon immer umstritten und war mit dreistelligen Zuschauerzahlen gerade in den 1980ern häufig Anlass für Frotzeleien der Gästefans. Im Gegensatz zu reinen Fußballstadien ist es deutlicher schwieriger, über die Tartanbahn hinweg Stimmung und Atmosphäre zu erzeugen.

Die Auslastung liegt in den letzten Jahren meist unter 65 %. Eine nachhaltige Fußballarena mit 55.000 Plätzen soll Heimspiele der Herthaner attraktiver machen und ist ab 2025 geplant. Die Pläne werden im Berliner Senat jedoch kritisch gesehen, weil dadurch das Olympiastadion ungenutzt bliebe.

Hertha BSC: Die beliebtesten Spieler

  • Pál Dárdai: mit 373 Spielen Rekordspieler für Hertha, trug 15 Jahre lang die Vereinsfarben; trainierte die A-Mannschaft von 2015-2019 und die U21 ab 2020/2021
  • Michael Preetz: Bester Torschütze der Hertha, Mitglied des Aufsichtsrats und seit 2009 Manager und Geschäftsführer von Hertha.
  • Arne Friedrich: 231 Spiele in acht Jahren für Hertha BSC, sechs davon als Kapitän. Seit November 2019 in der Geschäftsführung.
  • Erich Beer: Gilt als Vereinslegende und ist immer noch Platz 2 der ewigen Torjägerliste für die Hertha
  • Hanne Sobek (* 18. März 1900, †17 Februar 1989): Gilt ebenfalls als Vereinslegende. Erreichte sechsmal hintereinander das Finale um die deutsche Meisterschaft und gewann sie zweimal. War von 1959-1963 Trainer und blieb dem Verein zeitlebens eng verbunden.
  • Marcelinho: Aufgrund seiner technischen Fähigkeiten und Extravaganz Publikumsliebling und Mitglied der Jahrhundertelf der Hertha.
  • Gábor Király: Ungarische Torwartlegende, lief fast 200-mal in der Bundesliga für die Hertha auf.

Hertha BSC: Trainerhistoire - Diese Trainer haben Hertha BSC am längsten trainiert:

  • Jürgen Röber Trainer von 1996-2002 für 254 Spiele
  • Helmut Kronsbein (*25. Dezember 1914, †27. März 1991) Trainer von 1966-1974 für 233 Spiele
  • Pál Dárdai Trainer von 2015-2019 für 172 Spiele
  • Georg Keßler Trainer von 1974-1977 für 123 Spiele
  • Falko Götz Trainer von 2004-2007 für 121 Spiele

Hertha BSC: Top-Transfers - Zugänge

  • Lucas Tousart für 25 Millionen Euro von Olympique Lyon (Saison 19/20)
  • Krzysztof Piatek für 24 Millionen Euro von AC Mailand (Saison 19/20)
  • Dodi Lukebakio für 20 Millionen Euro vom FC Watford (Saison 19/20)
  • Matheus Cunha für 18 Millionen Euro von RB Leipzig (Saison 19/20)
  • Valentino Lazaro für 10,5 Millionen Euro von RB Salzburg (Saison 18/19)

Hertha BSC: Top-Transfers - Abgänge

  • Valentino Lazaro für 22,4 Millionen Euro zu Inter Mailand (Saison 19/20)
  • John Anthony Brooks für 17 Millionen Euro zu Vfl Wolfsburg (Saison 17/18)
  • Mitchell Weiser für 12 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen (Saison 18/19)
  • Adrián Ramos für 9,7 Millionen Euro zu Borussia Dortmund (Saison 14/15)
  • Raffael für 9 Millionen Euro zu Dynamo Kiew (Saison 12/13)

Hertha BSC und das kurze Kapitel Jürgen Klinsmann

Hertha BSC läuft Gefahr, sich erneut zum Skandalklub zu entwickeln. So sorgte Trainer Jürgen Klinsmann mit seiner plötzlichen Kündigung nach nur zwölf Wochen für Aufsehen. Der ehemalige Nationalspieler sollte langfristig am Wiederaufbau des Klubs beteiligt sein und einen Vertrag über die Saison 2019/2020 erhalten. Er soll auch maßgeblich mitentschieden haben, welche Top-Talente zukünftig die Trikots des Vereins tragen.

Doch damit nicht genug: Klinsmann veröffentlichte ein 22-seitiges Protokoll über die Vorgänge im Klub über Facebook. Darin greift er die Geschäftsführung um Michael Preetz an und kommt zu dem Schluss, dass die gesamte Führung des Hauptstadtvereins ausgetauscht werden müsse, um sich tatsächlich als Verein an der Spitze etablieren zu können.

Preetz kritisierte daraufhin, dass Klinsmann dieVorwürfe intern zu keinem Zeitpunkt geäußert habe. Beobachter vermissen zudem in dem Dokument eine Selbstreflektion Klinsmanns. Windhorst berief Klinsmann nicht erneut in den Aufsichtsrat, wie dieser gewünscht hatte, und nannte das Verhalten „inakzeptabel“. Der Klub und der ehemalige Nationaltrainer gehen also seitdem wieder getrennte Wege.

Hertha BSC: Dank Windhorst Gewinner der Corona-Krise

Der Hauptstadtklub könnte einer der Vereine sein, die aus der Corona-Krise sogar gestärkt hervorgehen. Das Geld, das Investor Windhorst erst 2019 in den Verein gepumpt hat, verhindert finanzielle Sorgen beim Bundesligisten. Windhorst kündigte zudem an, die Herthaner bei Bedarf mit noch größeren finanziellen Mitteln zu unterstützen.

In Zeiten, in denen einigen der Bundesligisten und Vereinen in Europa die Insolvenz droht, ist das natürlich eine sehr komfortable Lage. Viele der Stars, auf die Hertha ein Auge geworfen hat, könnten zudem günstiger zu bekommen sein als noch vor der Krise. Außerdem können die Berliner an ihren Plänen für das neue Stadion festhalten.

Mit Bruno Labbadia hat der Verein zudem einen Trainer gefunden, der die Mannschaft nach Klinsmanns plötzlichem Abgang wieder auf den Erfolgskurs gebracht hat.

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