Konzentration, aber ohne sportliche Rivalität

Holland-Test wird zur Therapie: Ergebnis? Egal

München - Eigentlich sollte ab jetzt alles der Vorbereitung auf die EM untergeordnet werden. Davon musste Bundestrainer Löw nun selbstredend abrücken.

Der Versuch, ­Normalität zu schaffen, die Kulisse bedrückend: Polizei sichert das Abendtraining der DFB-Elf mit Bundestrainer Joachim Löw.

Jogi Löw hatte sich diese Länderspielreise anders vorgestellt: Der Bundestrainer wollte in den neun Tagen mit seiner Mannschaft „testen, probieren, sehen und analysieren“, wie er in der letzten Woche erklärt hatte. Doch erst verhinderten die vielen Werbe- und Marketingverpflichtungen gut dosierte und voll konzentrierte Trainingseinheiten, durch den schlimmen Terroranschlag in Paris sind auch die beiden Testspiele ein Muster ohne Wert geworden. Eigentlich sollte ab jetzt alles der Vorbereitung auf die EM untergeordnet werden. Davon musste Löw nun selbstredend abrücken, auch wenn er vor der Partie gegen die Niederlande sagt: „Wir wollen eine konzentrierte Leistung abrufen.“ Das soll aber in erster Linie als eine Art Selbsttherapie für die Spieler dienen, um den Schock vom Freitag zu überwinden, um zu zeigen, dass man sich nicht einschüchtern lässt. Die Spieler werden die Gedanken an die traumatischen Ereignisse in Paris „im Laufe des Spiels vielleicht abbauen und so ein Stück weit in den Alltag zurückkehren können“, glaubt Teammanager Oliver Bierhoff.

Allerdings sind nicht mehr alle Spieler mit an Bord, die in Frankreich die Terrornacht durchlebt hatten. Neben Manuel Neuer reisten auch Jerome Boateng, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Jonas Hector und Leroy Sané ab. 18 Spieler sind noch im Kader, für die „wird es nicht einfach, zur Tagesordnung überzugehen“, weiß Löw. Deshalb müssse der „Test Richtung EM hintenangestellt werden“. Das sehen auch die Holländer so. „Die Ereignisse haben einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen“, sagte Bondscoach Danny Blind. „Man realisiert, dass es wichtigere Dinge gibt als Fußball.“ Der Sieg sei dieses Mal nicht wichtig, „das Spiel steht allein im Zeichen der Einigkeit, nicht vor dem Terror zu weichen“, so Blind weiter.

Viele Erkenntnisse kann Löw aus der vorletzten Zusammenkunft des Teams vor der Kadernominierung für die EM im nächsten Jahr also nicht gewinnen. Auch die Partie in Paris werde er nicht mehr „fachlich analysieren, weil die Bombendrohung am Morgen schon vorher zu einer gewissen Unruhe geführt hat“. Mit Blick auf das Turnier 2016 ist für Jogi ein wichtiges Casting ausgefallen, doch das ist nach den jüngsten Vorfällen ohnehin nur zweitrangig – ebenso wie die Rivalität mit den Holländern. „Ich wünsche mir sehr, dass diese sportliche Rivalität in den Hintergrund tritt und dass dieses Spiel mit ganz anderen und für ganz andere Werte stattfindet“, lautete auch die Botschaft des Bundestrainers. Das sei mehr wert als alles andere.

Sven Westerschulze

Rubriklistenbild: © dpa

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