Bundesliga-Abstiegskampf

Huntelaar kämpft gegen Schalker Untergangsstimmung

Klaas-Jan Huntelaar
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Konnte sein Team vorerst nur von der Tribüne unterstützen: Schalke-Rückkehrer Klaas-Jan Huntelaar. Foto: Marius Becker/dpa

Obwohl er nur auf der Tribüne saß, hat Klaas-Jan Huntelaar auf Schalke schon einen Impuls gesetzt. Einen emotionalen. Der ist auch wichtig, will Schalke nach dem nächsten Nackenschlag im Abstiegskampf nicht schon aufgeben.

Gelsenkirchen (dpa) - Seinem Hauptjob als Torjäger kann er verletzungsbedingt noch nicht nachgehen, als Maskottchen hatte er keine Wirkung - doch die Aufgabe als emotionaler Anführer nimmt Klaas-Jan Huntelaar sehr ernst.

Obwohl er beim 1:2 (0:1) im Abstiegsduell der Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Köln gar nicht im Kader des FC Schalke 04 stand, gab der 37-Jährige danach viele Interviews und kämpfte gegen die Untergangsstimmung an. Dabei verbreitete er genau die Überzeugung und positive Energie, die man seit Wochen oder Monaten mal von den Vereinsbossen erwartet hätte.

«Wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit, kommen wir da raus», sagte der Niederländer, der in der Halbzeit sogar zur Mannschaft gesprochen hatte, im Brustton der Überzeugung. Den man aber vielleicht auch nur in sich tragen kann, wenn man diese katastrophale Schalker Hinrunde voller Blamagen, Rückschlägen und Demütigungen nicht aus der Nähe miterlebt hat. Die Niederlage gegen den FC durch einen Treffer in der Nachspielzeit war jedenfalls der nächste Rückschlag. Der Rückstand auf die auf dem Relegationsplatz stehenden Kölner beträgt nach der Hinrunde nun schon acht Punkte. Das ist einer mehr, als Schalke auf dem Konto hat.

All das beirrt Huntelaar aber nicht. «Ich habe vorher gewusst, worauf ich mich einlasse», sagte der «Hunter», der für die Retter-Mission auf Schalke auf einen ruhigen Karriereausklang mit dem potenziellen Meistertitel bei Ajax Amsterdam verzichtet: «Punktemäßig ist das ein Rückschlag. Aber die zweite Halbzeit war positiv. Der Kampf und die Mentalität waren da. Und es sind erst 17 Spiele vorbei. Jetzt kommen noch 17. Wir spielen also gegen alle noch mal.»

Als nächstes kommen am Sonntag aber erstmal die Bayern, die mit einem 8:0 zum Saisonstart die Schalker Trauerspiele eingeleitet hatten. Und nach dem Spiel in Bremen folgen Aufgaben gegen Leipzig, bei Union Berlin und gegen Dortmund. Eine Aufholjagd scheint da erst mal wenig wahrscheinlich. Und wann Huntelaar sein 241. Pflichtspiel für die Königsblauen und sein Bundesliga-Comeback nach dreieinhalb Jahren absolvieren kann, ist noch offen. «Ich hoffe, dass ich am Sonntag dabei sein kann», sagte er. Für Trainer Christian Gross «besteht die Hoffnung, dass er sicher zu einem Teileinsatz kommen wird.» Es mache aber «keinen Sinn, einen nicht hundertprozentig fitten Spieler mitzunehmen.»

Zumal ausgerechnet auf Huntelaars Position plötzlich ein nicht erwarteter Hoffnungsträger aufgetaucht ist. Mit einem Tor in 16 Viertliga-Einsätzen war Matthew Hoppe in der U23 nicht als Knipser aufgefallen. Doch in der Bundesliga erzielte der 19-Jährige (57.) am Dienstag sein fünftes Tor in den letzten drei Spielen. Und Gross betonte, er sei «noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten.»

Ob Teenager Hoppe, der sich trotz deutscher Wurzeln übrigens «Hoppie» ausspricht, und die Leidenschaft des erfahrenen und Schalke lebenden Huntelaar am Ende reichen werden, erscheint fraglich. Gross versucht sein Glück derweil, in dem er weiter auf Grundtugenden setzt. «Ich werde an das Arbeitscredo der Spieler appellieren, ich muss diesen Ehrgeiz und absoluten Siegeswillen herauskitzeln», sagte der 66-Jährige: «Wir müssen das Glück auf unsere Seite ziehen und daran arbeiten, dass wir wieder mehr Lachen können.» Das fällt auf Schalke derzeit wirklich schwer.

© dpa-infocom, dpa:210121-99-114561/2

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