"Nach so einem Sieg trinken wir keine warme Milch!"

Thomas Müller ist für das WM-Halbfinale gesperrt
+
Thomas Müller ist für das WM-Halbfinale gesperrt

Kapstadt - Erst gefeiert, dann gesperrt: Thomas Müller schwimmt bei der WM im Wellenbad der Gefühle. Nach der ersten Enttäuschung kann er über seine Zwangspause im Halbfinale sogar scherzen. Das tz-Interview:

Erst riss Thomas Müller jubelnd die Arme in die Luft, kurz darauf schlug er enttäuscht die Hände vor das Gesicht: Der Bayern-Jungstar ebnete mit seinem vierten WM-Tor den Einzug ins Halbfinale, dann sah der 20-Jährige in der 36. Minute wegen Handspiels die Gelbe Karte und war damit für das Halbfinale gesperrt. Das tz-Interview:

Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl

Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl

Verfolgen den großen Auftritt ihres Sohnes Thomas in dessen Heimatort Pähl: Gerhard und Klaudia Müller (beide rechts). © Clara Gierig
Verfolgen den großen Auftritt ihres Sohnes Thomas in dessen Heimatort Pähl: Gerhard und Klaudia Müller (beide rechts). © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Public Viewing in Thomas Müllers Heimatort Pähl © Clara Gierig
Froh oder traurig, Herr Müller?

Müller: Froh! Und traurig.

Was ging Ihnen in der 36. Minute durch den Kopf?

Müller: Klar wusste ich sofort, was los ist. Aber es ging ja dann noch darum, das Spiel zu gewinnen. Und das ist wenigstens gelungen.

War die Verwarnung ungerechtfertigt?

Müller: Ja, es war schon sehr hart, weil mein Arm ja nicht gerade einen Meter vom Körper weggestreckt war. Ich sehe, dass der Ball neben mich springt. Dann gehe ich den Schritt rüber, mit der Hand am Körper angelegt.

Sie wirken relativ gefasst.

Müller: Mei, passiert ist passiert. Ich bin froh, dass wir so eine Leistung abgeliefert haben. So einen Lauf, wie wir jetzt haben, gibt es selten.

Jetzt bleiben Sie zunächst bei vier Treffern – mit der WM-Torjägerkanone wird es schwierig…

Müller: Ja gut, das soll jetzt ruhig der Miro machen, der hat auch vier Treffer. Und ich habe ja noch einige Weltmeisterschaften vor mir.

Philipp Lahm sagt, dass Sie in der Halbzeit aufgebaut werden mussten.

Müller: Natürlich habe ich mich in der Halbzeit darüber geärgert und ein paar Witze gemacht. Aber es musste jetzt keiner zu mir kommen, mich in den Arm nehmen und mich trösten. Ich werde das schon irgendwie packen – ich glaube nicht, dass ich jetzt in ein Loch falle.

Geht es noch besser als am Samstag?

Müller: Wenn man Argentinien 4:0 schlägt, muss man erst mal zufrieden sein. Nach dem Spiel gegen England habe ich gesagt, dass wir nicht noch einmal 4:1 gewinnen werden. Stimmt zwar, aber ich habe mich mit meiner Einschätzung trotzdem getäuscht…

Ist Deutschland jetzt der Top-Favorit auf den Titel?

Müller: Top-Favorit würde ich nicht sagen. Wenn man die individuelle Qualität von Spanien anschaut, oder die Offensive von Holland, müssen wir immer über die Teamleistung kommen. Aber wenn wir das so rüberbringen wie die letzten beiden Spiele sieht es natürlich schon gut aus.

Stichwort Holland: Gab’s mit den Bayern-Kollegen van Bommel und Robben schon Kontakt?

Müller: Ja, die haben uns gratuliert. Wir mussten jetzt natürlich nachziehen, sonst hätten wir uns ein halbes Jahr lang nicht mehr sehen lassen können an der Säbener Straße!

Stimmen Sie sich schon aufs Finale ein?

Müller: Wir wollen auf jeden Fall ins Finale. Und die Holländer? Wollen wahrscheinlich auch hin. Wir haben bei Bayern immer über das Traumfinale Deutschland gegen Holland gewitzelt. Vielleicht kommt’s ja so, mich würde es freuen.

Thomas Müller von A bis Z

Thomas Müller von A bis Z

A wie Ammersee: Seine Oase. An freien Tagen fährt der 20-Jährige gerne an den See. Müller ist ein Naturbursche. © Getty
B wie Bomber: Sie haben fast eine Vater-Sohn-Beziehung: Thomas und Gerd Müller. Die Torjäger-Legende gab dem Youngster bei den Amateuren Tipps. „Er hat den Riecher“, sagt Gerd über Thomas. Der nennt das große Vorbild nur ehrfürchtig „Bomber“. Selbst in Südafrika gab Gerd seinem Schützling noch Tipps: „Geh öfter in die Spitze! Du kannst noch mehr Tore machen.“ © Getty
C wie Cola: Trinkt Müller selten, eher Spezi – oder: Maracujaschorle, Espresso. © Getty
D wie Dr. House: Der Offensiv-Allrounder ist Serien- und Film-Fan. Am liebsten schaut er Dr. House sowie die US-Sitcom Two and a half men. Bei seinem Lieblings-Film wird es blutrünstig: 300, ein Drama über den Kampf der Spartaner. © Getty
E wie Eltern: Zu Klaudia und Gerhard pflegt Thomas auch während der WM regen Kontakt, er hat ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Eltern. Seit Müllers erstem Auftritt in Südafrika steht das Telefon nicht mehr still. © Getty
F wie Feiern: Müller ist kein Partygänger. Die Ausflüge ins Nachleben halten sich in Grenzen: Ein bis zweimal im Jahr. Außer es gibt Titel zu feiern… © Getty
G wie Gerland: Er ist sein großer Förderer, er empfahl ihn bei Louis van Gaal: Hermann Gerland. Dabei hatte er es Müller beim knorrigen Westfalen erst schwer: Weil er nach Fouls zu lange liegen blieb, nannte ihn Gerland „Fräulein“… © Getty
H wie Hochzeit: Müller ist erst 20 – aber schon seit über einem halben Jahr mit Lisa verheiratet. Im ganz kleinen Kreis fand die standesamtliche Hochzeit statt. Die kirchliche soll folgen – frühestens 2011. © Getty
I wie Italien: Zum ersten gemeinsamen Urlaub der jungen Familie Müller ging’s an die Adria: Fünf Tage Rimini nach dem Abi. Weil Thomas und Lisa damals noch nicht genug Geld verdienten, zahlten die Eltern die Vollpension… © Getty
J wie Junkie: Müller kann nicht ohne: King Prawns sind seine Leibspeise. Beim Italiener kann der Youngster entspannen. Seine Abende verbringt er auch gerne auf der Couch. Dann werden Filme geschaut – oder es geht an die Spielkonsole: Fifa 2010, Autorennen oder Ego-Shooter. © Getty
K wie Kinder: Die Planungen laufen. Der Bayern-Star ist sehr kinderlieb, will unbedingt eigenen Nachwuchs. Der Traum: Zwei Kinder. Allerdings wollen Thomas und Lisa – stand heute – damit bis ans Ende seiner aktiven Laufbahn warten. © Getty
L wie Lisa: Seine erste und große Liebe. Die 20-Jährige arbeitet als Model, beide wohnen seit einigen Monaten in einem Reihenaus. Weihnachten 2009 hielt Thomas nach der Mitternachts-Mette um Lisas Hand an. Sie besuchte ihren Mann in Südafrika, feuerte ihn an. © Getty
M wie Man of the Match: Gegen England wurde Müller zum Spieler des Spiels gewählt. Sein Kommentar: „Mei, trifft halt meistens die, die die meisten Tore machen.“ Auch beim Audi-Cup 2009 wurde er zum besten Mann gewählt. Der Pokal steht auf dem Fensterbrett. © Getty
N wie Nationalmannschaft: Drei Spiele für die U 19, eines für die U 20, sechs für die U 21. © Getty
O wie Oktoberfest: Müller ist als Bayer Wiesn-Fan, freut sich jedes Jahr auf das größte Volksfest der Welt. Aber nur wegen der Atmosphäre… © Getty
P wie Pähl: Müllers Heimat. © Getty
Q wie Quad: Die Lieblingsbeschäftigung im Teamhotel Velmore Grande. Am liebsten mit Holger Badstuber. © Getty
R wie Reiten: Lisa brachte Thomas zum Pferdesport. Sie ist Leistungssportlerin, er begeistert sich ebenso für die eigenen Pferde, die ihren Stall in Vaterstetten haben. Einziges Problem: Das Verletzungs-Risiko. Deswegen schaut Thomas meistens zu. © Getty
S wie Sporting Lissabon: Die Geburtsstunde eines Stars. Am 10. März 2009 erzielte der 19-Jährige Müller bei seinem Champions-League-Debüt den Treffer zum 7:1. © Getty
T wie Talisman: Zwei Glücksbringer hat Thomas in Südafrika dabei: Eine Kette mit einem halben Herz und dem Namen seiner Frau sowie ein rotes Glasherz. © Getty
U wie Unbekümmertheit: Müllers Markenzeichen. Dazu Kollege Klose: „Irgendwann kommt bei ihm die Wende, dann geht es nicht mehr so weiter. Aber da mache ich mir bei ihm keine Sorgen: Weil Thomas nicht den Schädel dafür hat, sich Gedanken zu machen.“ © Getty
V wie van Gaal: Fragte Gerland nach Talenten, sah sich Müller an – und machte ihn zum Star. © Getty
W wie Wiggerl Kögl: Berater und sportlich engste Bezugsperson. Seit der A-Jugend kümmert sich der Ex-Profi um ihn, beide kommen aus dem selben Landkreis. © Getty
X wie x-mal getreten: Immer wieder gehen die Gegenspieler auf Müllers Beine. Verletzungen hatte er noch nie. „Weil ich so dünne Beine habe, dass sie mich kaum treffen.“ © Getty
Y wie Yes we can: Müller ist ein Kämpfer. Auch außerhalb des Platzes ist er sehr wissbegierig. Beispiel: Seine ehrgeizigen Fremdsprachen-Ziele. Müller will Italienisch und Spanisch lernen. © Getty
Z wie Zwirn: Der Torjäger mag es lässig. Shirt, Pullover, nicht zu extravagant. Seine Lieblings-Marken: BOSS und Diesel. Aber auch bei H & M geht er gerne einkaufen – ganz bodenständig eben… © Getty
Und dann?

Müller: Wer die Geschichte kennt – und uns als Mannschaft – der weiß, dass es dann nur einen Sieger geben kann!

Dann stehen Sie aber auch in der Pflicht – 1974 hat ein Müller das 2:1 geschossen…

Müller: Ich würde mich nicht wehren, wenn es wieder so kommt! Aber jetzt müssen wir erst mal Spanien schlagen.

Hatten Sie nach dem Spiel Kontakt mit Martin Demichelis?

Müller: Nein, eigentlich nicht. Wir haben uns die Hand gegeben, aber der muss jetzt erst die Niederlage verarbeiten. Die Mannschaft war nach dem Halbfinal-Einzug noch sehr lange in der Kabine,

Per Mertesacker verließ sie mit zwei Flaschen Bier in der Hand. Wurde noch richtig gefeiert?

Müller: Klar, wir haben gefeiert. Und dass wir keine warme Milch nach so einem Sieg trinken, ist auch klar…

Interview: Tobias Altschäffl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare