Türkgücü München empfängt am Samstag Wiesbaden

Das Olympiastadion ist zurück: Im Kulttempel wird wieder Fußball gespielt

Blick ins leere Olympiastadion in München
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Endlich wieder grün: Auf dem Rasen wird nun zumindest wieder Drittligafußball gespielt

2005 war Schluss, mit dem Duell des FC Bayern mit dem 1.FC Nürnberg nahm der Fußball Abschied aus dem Olympiastadion. Jetzt feiert er auf kleiner Bühne eine Rückkehr.

München – Die Spieler von Türkgücü München wollten den Rasen schon gar nicht mehr verlassen. Am Donnerstag lernten Verantwortliche und Team das Stadion mal kennen, am Samstag wird es ernst: Die Münchner empfangen Wehen Wiesbaden, das Olympiastadion gibt sein Fußball-Comeback. Hintergrund: Da das Grünwalder -Stadion nicht über eine komplette Saison lang von drei Vereinen bespielt werden kann, darf Türkgücü acht Spiele im altehrwürdigen „Oly“ bestreiten. Hierauf hatten sich der Club, Verantwortliche der Stadt und der Olympiapark GmbH verständigt. Eine Lösung, die „viel Geduld“ von allen Beteiligten erforderte, wie Max Kothny sagte. Der Türkgücü-Geschäftsführer hofft, „unseren Teil zu den Geschichtsbüchern des Olympiastadions beizutragen“. Nicht nur für Kapitän Sercan Sararer wird es eine besondere Partie. Als Kind verfolgte der gebürtige Nürnberger Partien des FC Bayern in der Kultarena: „Schon damals habe ich mir gedacht: Hier will ich auch mal spielen!“

Für zusätzliche Euphorie sorgte zunächst Entscheidung der Stadt, dass Türkgücü am Samstag erstmals eine Partie in der 3. Liga vor Zuschauern spielen darf – rund 5000 Fans waren zunächst erlaubt. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen – 7-Tage-Inzidenzwert von 42,22 – hat die bayerische Landeshauptstadt den Beschluss jedoch gestern wieder rückgängig gemacht. „Die kurzfristige Absage für dieses Wochenende ist für Fans und Vereine besonders bitter, das ist uns sehr bewusst“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Das Olympiastadion bleibt also leer. Die größte Baustelle war vorab die Erneuerung der Flutlichtanlage für 100 000 Euro, damit fernsehtaugliche Bilder entstehen. „Das Kribbeln ist natürlich wieder da, hier sind so viele magische Momente passiert. Die letzten Tage laufen viele mit einem breiten Grinsen durch das Stadion“, sagt Tobias Kohler, Pressesprecher vom Olympiapark, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das Olympiastadion – es ist ja vor allem mit dem FC Bayern verbunden, obwohl es ja auch vom TSV 1860 bespielt wurde, der sogar den unüberbietbaren Zuschauerrekord hält: Am Himmelfahrtstag 1973 war das Regionalligaspiel (damals die 2. Liga, aufgeteilt auf fünf regionale Klassen) gegen den Neuling FC Augsburg mit Italien-Rückkehrer Helmut Haller ausverkauft; nach der frühen Führung der Löwen stürmten die, die keine Karten bekommen hatten, das Stadion. Über die Zäune hinweg. 90 000 sollen es (mindestens) gewesen sein, die sich das eigentlich müde Match (1:1) ansahen.

Die Bayern liebten das „Oly“, weil sie dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der nationalen Konkurrenz mit viel kleineren Stadien hatten. Sie begannen es aber zu hassen, als die ersten Arenen entstanden und die eigenen VIPs sich über den Mangel an Komfort beschwerten. Franz Beckenbauer sagte als Bayern-Präsident, er werde sich „doch wohl ein Terrorist finden, der das wegsprengt“. Das war schon undankbar gegenüber einer Spielstätte, die die Fans ihrer Größe wegen schätzten. Voll war es selten, man fuhr am Samstag spontan hin, kaufte ein Ticket am Kassenhäuschen und schaute sich auf dem Nebenplatz zuvor noch die Amateure an.

Was erstes und letztes Spiel im „Oly“ war – da vertut man sich leicht. Gemeinhin glaubt man, mit der Partie FC Bayern – 1. FC Nürnberg sei die Ära am 14. Mai 2005 zu Ende gegangen, tatsächlich aber wurde das Stadion 2012 für das Champions-League-Finale der Frauen reaktiviert. Erstes offizielles Spiel war Deutschland – UdSSR am 26. Mai 1972 (4:1) gewesen, die Bayern übernahmen ihre neue Heimat am 28. Juni 1972 und wurden mit einem 5:1 über den Zweiten Schalke gleich Meister. Das allererste Spiel war aber lange geheim geblieben: ein Geisterspiel. Bayerische Sportjournalisten hatten den fest verwachsenen Rasen getestet. Wenn er das aushielt, dann alles.

Und auch am Samstag wird er halten. Die Greenkeeper haben schließlich „den besten Rasen der Liga hergezaubert“, sagt Kohler, der die Euphorie jedoch auch ein wenig bremst: „Es ist ausdrücklich nur eine Ersatzspielstätte.“ Die Corona-Krise habe bei der Terminsuche dem Verein ausnahmsweise in die Karten gespielt, da viele geplante Veranstaltungen im Oktober und November verschoben werden mussten. Am Wochenende wäre das Olympiastadion eigentlich vom München Marathon belegt wurden. Es bleibt also vorerst bei acht Fußballfesten im „Oly“.

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