Innenverteidiger in England angesagt

"Huth, Huth, Huth": Comeback im DFB-Team unwahrscheinlich

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König Robert: Huth liefert für Leicester City große Spiele – zuletzt in Manchester.

München - Robert Huth, der kantige Innenverteidiger, ist nicht Jogi Löws Typ und ein Comeback im Nationalteam daher unwahrscheinlich. Dafür ist Huth in England schwer angesagt.

Als Joachim Löw noch Assistenzbundestrainer war, hat man ihn wahrgenommen als: immer freundlich, gutmütig, leise.

Und dann gab es diesen Auftritt im Stade de Suisse in Genf. Ende Mai, Anfang Juni 2006, die deutsche Nationalmannschaft bereitete sich auf ihre Heim-Weltmeisterschaft vor, Trainingslager in der Schweiz, Taktikstunde mit Co-Trainer Löw, Thema Spieleröffnung, Schlagwort „vertikal spielen“. Löw stampfte auf, schrie, tobte, nahm eine Haltung kurz vor der körperlichen Übergriffigkeit ein – und das galt einem Spieler: Robert Huth. Der Innenverteidiger wollte immer wieder quer spielen, er scheute den schnellen harten Pass nach vorne.

Es ist für Robert Huth dann auch nicht das WM-Turnier geworden, das er sich vorstellte. Jürgen Klinsmann, Löws Chef damals, ließ Huth im letzten Vorrundenspiel, beim für die Platzierung bedeutungslosen 3:0 gegen Ecuador mitspielen, und schrieb ihn nur noch für die Partie um Platz drei auf den Spielberichtsbogen. Doch Robert Huth verletzte sich beim Aufwärmen und verpasste das Länderspiel, das sein 18. geworden wäre. Knapp zehn Jahre später stehen 19 Einsätze für Deutschland in seiner Vita, es ist nicht mehr viel dazugekommen, nur für eine sportlich strittige Tour zum Saisonende 2009 nach China und in die Vereinigten Arabischen Emirate wurde er noch eingeladen.

"Huth, Huth, Huth", riefen die Zuschauer

Die Deutschen hatten den kantigen Kerl, der schon als Jugendlicher nach England gegangen war, längst vergessen. 2005 beim Confederations Cup in Deutschland, da war er ziemlich angesagt gewesen. „Huth, Huth, Huth“, riefen die Zuschauer, wenn er am Ball war. Die Anfeuerung hatte aber einen ironischen Unterton.

Doch jetzt ist wieder „Huth, Huth, Huth“-Zeit. Weil er für Leicester City spielt, den Sensations-Immer-noch-Tabellenführer in England. Am Samstag hat Leicester 3:1 bei Manchester City gewonnen – auch dank zweier Huth-Tore. Das Fußball-Magazin „11Freunde“ hatte schon gespürt, dass dieser Huth ein Thema werden könnte: Er wurde zum Titelhelden der November-Ausgabe. Er hat mittlerweile auch die meisten Spiele eines Deutschen in der Premier League (zuvor: Didi Hamann). Er passt in diesen Fußball, bei dem die Leute jubeln, wenn einer „Schüsse blockt wie eine Ziegelwand“ oder „Kopfballduelle in Luftschlachten verwandelt“, wie es in der „11Freunde“-Reportage ausgedrückt wurde.

In England und speziell in Leicester hat Robert Huth seine Ruhe: Sponsoren- und Medienverpflichtungen gibt es hier keine, Huth teilt sich über die Plattform Twitter mit, zeigt Bilder seiner härtesten Zweikämpfe – nur ein Geschlechtsteile-Raten auf seinem Account kam mal nicht so gut an. Der englische Fußballverband ahndete es mit einer Geldstrafe über 15 000 Pfund. Doch ansonsten ist alles prima im Leben von Robert Huth, der wie geschaffen ist für die mittelklassigen bis kleinen Teams. Der große FC Chelsea hatte 2006 nicht mehr an den Deutschen geglaubt. Der spielte seitdem für Middlesbrough (drei Jahre), Stoke City (fünfeinhalb) und in der zweiten Saison für Leicester.

Marketingtage sind schon ohne Huth gelaufen

Dass Joachim Löw, dem es im EM-Jahr an Innenverteidigern fehlt, Huth, inzwischen 32, neu entdecken könnte, gilt als unwahrscheinlich. Von der gesamten Spielanlage her ist Huth – man erinnere sich an Löws Schreierei von Genf – nicht sein Typ.

Die Marketingtage des DFB-Teams für die EM-Werbekampagnen sind auch schon ohne Huth gelaufen. Dabei ist er vor der Kamera richtig gut. Der Regisseur, der früher mit der Nationalmannschaft arbeitete („Deutschland – ein Sommermärchen“, diverse PR-Spots), sagte damals: „Robert ist unter den Nationalspielern das größte schauspielerische Talent. Er setzt alles sofort um.“

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