Interview zu Emotionen der Trainer

Motivationstrainer über Klopp: "Teletubby auf Ecstasy"

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Zwei Trainer - zwei Welten: Jürgen Klopp (l.) lässt seiner Freude freien Lauf, Thomas Tuchel scheint zu resignieren.

München - Das Wahnsinns-Spiel von Liverpool hat einen Hauptdarsteller abseits des Platzes - Jürgen Klopp. Ein Motivationscoach erklärt die Rolle des Trainers beim 4:3 über den BVB.

Die Bayern kennen das "Drama dahoam", der BVB seit Donnerstagabend den "Albtraum von Anfield". Und schuld daran ist ausgerechnet ihr Ex-Trainer Jürgen Klopp. Nach neun Minuten und einer 2:0-Führung beim FC Liverpool schienen die Schwarz-Gelben im Halbfinale zu stehen. Doch nach der Pause kegelten die Reds den BVB dank des Last-Minute-Treffers von Dejan Lovren (90.+1) zum 4:3 aus der Europa League. Welchen Anteil Klopp an dem furiosen Abend hatte und was beim BVB nach dieser bitteren Pleite hängen bleibt, erklärt Motivationstrainer Matthias Herzog im tz-Interview.

Herr Herzog, kann man diese Aufholjagd der Reds rational erklären?

Herzog: Das war eine magische Nacht, dabei hatte es für den BVB perfekt angefangen mit den frühen Toren. Im Hinspiel haben sich die Dortmunder von den Emotionen einlullen lassen, durch den Rummel um Klopp fehlte das Feindbild. Am Donnerstag haben sie Liverpool förmlich überrannt - bis Klopp in der Pause die richtige Ansprache gefunden hat.

Wie hat er das geschafft?

Herzog: Er hat die Spieler von ihren hohen negativen Emotionen befreit. Durch seine Ansprache waren sie wieder positiv gestimmt, Klopp hat das Selbstvertrauen zurückgeholt und seinen Spielern vor Augen geführt, dass sie etwas Besonderes schaffen können.

Spätestens nach dem 1:3 schien Liverpool aber tot – bis auf seinen Trainer.

Herzog: Klopp lebt ja über seine Emotionen. Er ist wie ein Teletubby auf Ecstasy, der völlig abdrehen kann. Innerlich brennt er, und dazu schafft er es, auch die Leute um sich herum anzuzünden. Das ist vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Eltern und Kind oder Führungskraft und Angestellten. Wenn Ihr Chef in aussichtsloser Lage an Sie glaubt, kann sich das auf Sie übertragen - in dem Fall auf Klopps Spieler.

War Tuchel zu wenig emotional?

Herzog: Nein, er ist ein anderer Typ. Der Perfektionist, der Schnürsenkelbügler. Er hat seit seinem Amtsantritt jeden Spieler beim BVB besser gemacht, das ist unbestritten. Aber am Donnerstag hat er nach der 3:1-Führung vielleicht die falsche Strategie gewählt. Reagieren statt agieren ist selten gut.

War das der einzige Grund?

Herzog: Ich bin der Meinung, dass dem BVB ein Alphatier fehlt. Auch Hummels ist eher handzahm, er muss mehr kommunizieren. Es fehlt ein Spieler wie Robben bei Bayern. Der pusht zwar auch nicht die Mannschaft, aber übernimmt die Verantwortung auf seine Art und Weise.

Wie lange bleibt so eine Niederlage in den Köpfen der Spieler hängen?

Herzog: Das ist spannend zu beobachten. Nur die wenigsten schaffen es, das in 48 Stunden zu verarbeiten. Nächste Woche steht das Pokal-Halbfinale in Berlin an, das ist nicht einfach. Im schlimmsten Fall hat der BVB in zehn Tagen die Saison verspielt. Tuchel ist jetzt gefordert. Er muss das Positive, also die ersten 60 Minuten, herausziehen und die Fehler aufarbeiten. Das ist leichter gesagt als getan.

Interview: Sven Westerschulze

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