Sportfernsehen wird nicht besser

Island - Deutschland in der TV-Kritik: Was Lothar mit John Lennon und dem Wendler zu tun hat

RTL-Duo im Einsatz bei der WM-Quali: Florian König und Lothar Matthäus in Island
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RTL-Duo im Einsatz bei der WM-Quali: Florian König und Lothar Matthäus in Island.

Das DFB-Team gewinnt auch das dritte WM-Quali-Spiel im Länderspielblock. Die TV-Akteure sind grundsolide, haben jedoch mit Goethes schöner Sprache zu kämpfen.

Länderspiele in Reykjavík sind mediale Höhepunkte. Wer erinnert sich nicht an Rudi Völlers „Käse und Sch…“-Wutrede - damals, kurz nach dem Einfall der Langobarden in die Holledau? Wodka-Waldi wurde versehentlich zum berühmtesten Weißbier-Trinker der Nation. Und die Netzer-Delling-Ausführungen zum „tiefsten Tiefpunkt“ der Samstagabend-Unterhaltung sind legendär. Wir haben beim WM-Quali-Länderspiel zwischen Island und Deutschland (Ticker zum Nachlesen) bei der RTL-Mittwochabend-Unterhaltung mit 29,7 Sekunden Halbzeitanalyse genau aufgepasst.

Island - Deutschland bei RTL: Grundsolide, aber Lothar

Der neue Delling: Florian König moderiert von der Formel 1 bis zum Doppelpass alles weg, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Aber im Gegensatz zu Gevatter Delling bleibt wenig davon im Gedächtnis. Am Mittwoch bei Hansis Bundesjugendspielen im Laugardalsvöllur-Stadion (da steckt Rudi Völlur mittendrin!), lieferte er dem Bundestrainer schon vorab eine womögliche Ausrede: „Gelten die acht, neun Grad als Alibis?“ Der RTL-Mann ist ein grundsolider Ansager. Dass man sich in 18 Jahren noch an seine Moderationen erinnert, ist unwahrscheinlich.

Der neue Netzer: Wer Günter Netzer (dessen Tochter nun unter der Haube ist) und Lothar Matthäus vergleicht, der verwechselt auch John Lennon mit dem Wendler. Oder Suzi Quatro mit Andrea Berg. Nach drei verwirrenden Spielen hintereinander erfand Lothar fleißig neue Länder wie Aserbaidscharmenien oder Liechtenisland. Und nach einem 6:0 gegen Armenien verglich er die Hansi-Leistung bereits mit den Flick-Siegen beim FC Bayern. Vielleicht verfrüht, aber was wissen wir schon? So wird das jedenfalls nix mit einem Boggsbeudel-Werbevertrag.

DFB-Team schlägt Island - Zweckdienliches Moderatoren-Duo ohne Spielpraxis

Der alte Hagemann: Wer damals das 0:0 gegen Island kommentiert hat, verliert sich im Geysir-Nebel. War es noch Gerd Rubenbauer? Am Mittwoch kommentierte jedenfalls Marco Hagemann, auch so ein zweckdienlicher Verkäufer des Produkts Fußball. Wenn er nach Serge Gnabrys abseitsverdächtigem 1:0 konstatiert, dass „die kalibrierte Linie aufs Äußerste kalibriert werden muss“, ist das bereits eines seiner Highlights. Mitredner Steffen Freund darf scheinbar nicht mehr mitspielen und penetrant „Wir“ zu den Hansis sagen. Er kämpft unverdrossen mit Goethes schöner deutschen Sprache: „Man wirkt einfach in einer richtig guten Situation.“ Günter Netzer musste nie mit der deutschen Sprache kämpfen. Die Zeiten im Sportfernsehen werden nicht besser.

Eine Woche zuvor: Während das DFB-Team gegen Liechtenstein einen Kantersieg verpasste, begleitet im TV ein Quartett die Hansi-Flick-Premiere. RTL entwickelte ungewohnte Fähigkeiten.

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