„Super operiert, leider das falsche Bein“

Drama um DFB-Talent! Doktor operiert versehentlich falsches Bein - Spieler reagiert bemerkenswert

Jan Engels TuS Koblenz
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Nach einer tragischen Verletzungspause versuchte das ehemalige DFB-Talent Jan Engels bei TuS Koblenz Fuß zu fassen.

Weil Jan Engels‘ Syndesmoseband riss, verpasste das DFB-Talent die U17-WM in Chile. Weil der Arzt das gesunde Knie operierte, bekam die Karriere einen tragischen Knacks.

Karlsruhe - Eigentlich hätte das Jahr 2015 für Jan Engels ein ganz besonderes werden sollen: Auf dem Schreibtisch des Jugendspielers vom Karlsruher SC lag ein Angebot von Borussia Dortmund und im Herbst stand die U17-WM in Chile an. Doch dann wurde das Jahr für den ehemaligen DFB*-Kicker nur eins: ganz besonders schrecklich.

Es passierte schon im Frühjahr des verflixten Jahres: In einem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart riss sich Engels das Syndesmoseband im rechten Fuß. Das Talent verpasste die entscheidende Phase der Saison. Eine schnelle OP – mehr oder weniger ein Routineeingriff – sollte immerhin die WM-Teilnahme im Oktober ermöglichen. Doch was sich im Krankenhaus abspielte, hat der mittlerweile 23-Jährige bis heute nicht ganz verdaut.

DFB-Talent Jan Engels: Arzt operiert aus Versehen das gesunde Knie

„Ich bin nach meiner OP im Aufwachraum mit Tränen in den Augen wieder zu mir gekommen“, erklärt Engels jetzt in einem Spox-Interview. Unter die unfassbar starken Schmerzen mischte sich schnell ein komisches Gefühl, das irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Als die Schmerzen immer schlimmer wurden, bat der damals 17-Jährige seine Mutter – sie ist Kinderkrankenschwester – nach dem operierten Knie zu sehen.

Engels Mutter hob die Decke hoch. Schock: „Ich konnte zunächst gar nicht glauben, was ich sah: Schrauben und Platten steckten in meinem linken Fuß.“ Der Arzt hatte das falsche Bein operiert. „In diesem Moment habe ich alles an mir vorbeifliegen sehen.“ Der Doktor versuchte sich im ersten Moment herauszureden. Doch dann kam er noch einmal an das Bett des Nachwuchskickers – weinend. Engels Reaktion war einmalig.

Ehemaliger DFB-Kicker Jan Engels nach falscher OP „einfach hilflos“

„Sie haben doch super operiert, es war halt leider das falsche Bein“, sagte der damalige DFB-Nachwuchsspieler zum Arzt. „In dem Moment konnte ich nicht mal weinen, ich war einfach hilflos und habe ihn nur gebeten, die Schrauben aus meinem zuvor gesunden Fuß zu holen“, erklärt er.

Noch am Tag der Schock-Nachricht wurde das richtige Bein operiert – vom selben Arzt, der vorher noch das gesunde angebohrt und dann weinend an Engels Krankenbett saß. Dafür habe er sich selbst entschieden, erklärt Engels. „Wir sind alle nur Menschen und machen Fehler.“ Auch auf eine Anzeige verzichtete die Familie des damals 17-Jährigen. Die Öffentlichkeit erfuhr nichts.

Nach falscher OP: Jan Engels‘ Traum von der Weltmeisterschatz geplatzt

Auf die zwei Operationen binnen 24 Stunden folgte eine lange Reha. Der Traum von der U17-Weltmeisterschaft war geplatzt. Die Deutsche Jugendauswahl wurde in Chile Zweiter. „All das von zuhause verfolgen zu müssen mit dem Wissen, dass man eine Chance gehabt hätte, dabei zu sein, war sehr hart. Ich habe mir deshalb auch nicht alle Spiele angesehen.“

Während seine Teamkollegen – darunter BVB-Profi Felix Passlack* oder Ridle Baku vom VfL Wolfsburg* – erste Topverträge unterschrieben, verarbeitete Engels das Drama bei einem Psychologen und wechselte zur TuS Koblenz. Heute spielt er für ein College-Team in den USA und fühlt sich endlich wieder fit. Ganz verdaut hat Jan Engels den geplatzten Bundesliga*- und DFB-Traum noch nicht. „Es ist für mich nicht so leicht, Bundesliga-Spiele anzusehen.“

Aber immerhin ist in den Bein jetzt wieder alles in Ordnung: „Im vergangenen Januar habe ich zum ersten Mal meinem Körper wieder vollständig vertraut. Ich fühle mich super und merke, dass ich plötzlich wieder besser werde. Dadurch fällt immer mehr der Druck ab, den ich mir selbst gemacht habe.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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