DFB-Pressekonferenz

„Da herrscht Explosionsgefahr bei mir!“: Bei einem Thema platzt Löw der Kragen

Mit Spannung war er erwartet worden. Joachim Löws erster Auftritt seit der Schmach in Spanien. Doch der Bundestrainer konnte bei seiner Pressekonferenz nicht wirklich überzeugen.

München - Im weinroten Pullover nahm Joachim Löw auf dem Podium der DFB-Zentrale in Frankfurt Platz. Eine Farbe, die für Feuer, Energie und Kraft steht. So weit die Theorie. In der Praxis blieb der Bundestrainer am Montagnachmittag genau diese Tugenden schuldig. In einer Videokonferenz brach Löw sein Schweigen seit dem historischen 0:6-Debakel in Spanien - aber inhaltlich blieb es sehr leise um den 60-Jährigen.

„Wir verfolgen unsere rote Linie. Es gibt keinen Grund, alles über den Haufen zu werfen “, meinte Löw, der gleich zu Anfang klarstellte, er sei keinesfalls abgetaucht, sondern dem „normalen Prozedere“ gefolgt. Mehrfach betonte der Bundestrainer, die „junge“ deutsche Mannschaft habe in den eineinhalb Jahren seit dem WM-Debakel von Russland „vieles gut gemacht“ und deshalb „das Vertrauen verdient“.

Löw stellt sich nach Spanien-Klatsche - Vieles klingt nach dem Motto: „Wir machen weiter wie bisher“

Dabei verkennt Löw ganz Offensichtliches. Das DFB-Team, das von Spanien in seine Einzelteile zerlegt wurde, war im Schnitt 27,3 Jahre alt. Zum Vergleich: Die Weltmeisterelf in Brasilien kam auf 27,4, Bayerns Triple-Team aus diesem Sommer auf 27,9. Trotzdem sagte Löw: „Spieler müssen sich entwickeln, das ist immer ein Prozess. Die Möglichkeit müssen wir ihnen geben.“ Diese Tendenz des „Wir machen weiter wie bisher“ zog sich durch ­Löws so dringlich erwartete Rede.

Dabei lässt auch die sportliche Entwicklung auf sich warten. Im Jahr 2020, das - zugegeben - durch die Corona-Pandemie ungewöhnlich war und ist, gewann die deutsche Auswahl drei der acht Spiele. Wohlgemerkt gegen die Fußball-Großmächte Ukraine (2:1, 3:1) und Tschechien (1:0). Die EM-Quali im Jahr zuvor habe man, auch das führte Löw zu seiner Verteidigung an, mit sieben Siegen in acht Partien aber sehr überzeugend bestritten. Die Gegner hießen Estland, Weißrussland und Nordirland. Einzig die Niederlande kann man als Prüfstein gelten lassen - und gegen die gab’s neben einem 3:2-Erfolg eine böse 2:4-Pleite.

Zurück im Rampenlicht: Joachim Löw erklärte sich eine Stunde lang und zeigte den Weg in eine erfolgreichere DFB-Zukunft auf.

Löw stellt sich nach Spanien-Klatsche: Kein Gedanke an Rücktritt als Bundestrainer

Und dann wäre da noch die Nations-League-Blamage unmittelbar nach der WM 2018. Deutschland holte zwei mickrige Punkte gegen Frankreich und die Niederlande, wäre in Gruppe B abstiegen, wenn die UEFA nicht passenderweise eine Aufstockung der A-Klasse durchgesetzt hätte.

Die Fehlentwicklung des DFB-Teams gipfelte im 0:6 von Sevilla. Auch Löw sei „sehr enttäuscht und wütend“ gewesen. Derlei „Rückschläge“ seien aber „einkalkuliert“ gewesen. Einen Rücktritt hatte Löw nie in Betracht gezogen. Zitat: „Diesen Gedanken gab es bei mir…ähh…nicht.“ Der Bundestrainer weiß allerdings, dass er bei der EM im kommenden Sommer liefern muss. Der 60-Jährige baute sich aber gleich ein Hintertürchen ein, denn bei einem Turnier könne „einiges passieren. Im Vorfeld über Vorgaben zu sprechen, ist schwierig.“

Löw stellt sich: Kritik an der DFB-Spitze wegen öffentlichem Bild - Telefonat mit Keller

Wirklich aggressiv wirkte Löw nur, als er über das Verhalten der DFB-Spitze sprach. Er habe entgegen der DFB-Pressemitteilung „keine emotionale Distanz gebraucht“. Und sowieso seien ihm nach dem Spanien-Debakel viel zu viele Interna aus vertraulichen Gesprächen an die Öffentlichkeit geraten.

„Da herrscht Explosionsgefahr bei mir“, wütete Löw. Es habe ihn „sehr geärgert“ und „das habe ich auch klar und deutlich gesagt“. In einem Telefonat mit DFB-Präsident Fritz Keller habe er „deutlich gemacht, was mich gestört hat“. Nach dieser Aussprache sei die Sache „für mich erledigt“. (jau, lop)

Rubriklistenbild: © Thomas Boecker/dpa

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