Fragen an den Bundestrainer

Joachim Löw: «Einspielen ist jetzt ein wichtiges Thema»

Bundestrainer
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Joachim Löw gab seine Erkenntnisse nach dem 1:0-Sieg gegen Tschechien wieder. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Joachim Löw zeigt sich nach dem Testsieg gegen Tschechien zufrieden mit seiner Mannschaft. Viel Lob bekommen Akteure wir Robin Koch oder Florian Neuhaus. Für die abschließenden Spiele in der Nations League kündigt der Bundestrainer aber ein Ende der Experimente an.

Leipzig (dpa) - Fragen an Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:0 im Testländerspiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen Tschechien in Leipzig.

Wie fällt Ihr Fazit nach diesem Testspiel aus?

Joachim Löw: Einsatz und Laufbereitschaft waren von allen sehr, sehr gut. Mehrere Spieler hatten wenig oder gar keine Länderspielerfahrung und haben das sehr gut gemacht. Nach dem 1:0 hatten wir zwei, drei richtig gute Torchancen. In der zweiten Halbzeit war das Spiel nicht mehr ganz so flüssig. Da haben wir ein paar Fehler mehr gemacht.

Wir beurteilen Sie die Leistung und Entwicklung von Torschütze Luca Waldschmidt?

Löw: Er hat auf jeden Fall nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat bei uns gut begonnen, dann war er verletzt, dann war die lange Pause. Er hat gegen die Türkei ein Tor erzielt, er hat heute ein Tor gemacht. Er hat in Lissabon schnell Fuß gefasst. Das ist auch nicht ganz so einfach. Man merkt bei ihm, er hat eine große Torgefahr. Er ist ein Stürmer, der sich sehr gut bewegt. Er hat einen sehr guten linken Fuß. Mit ihm kann man gut kombinieren. Ich finde schon, dass er bei uns klar einen Schritt nach vorne gemacht hat.

Waren Sie mit den beiden Neulingen Ridle Baku und Philipp Max zufrieden?

Löw: Beide haben sehr intensiv gespielt, sehr viele Räume überbrückt mit dynamischen Läufen. Philipp Max hat das Tor schön vorbereitet. Ridle Baku ist noch ein junger Spieler, der muss noch weitere Entwicklungsstufen machen. Aber gerade in der ersten Halbzeit hat er viel Druck gemacht. Beide waren sehr intensiv unterwegs. Bei beiden hat man gespürt, dass sie mutig in das Spiel reingegangen sind, sehr engagiert und mit sehr guten Ansätzen.

Julian Brandt bleibt weiter unglücklich in vielen Aktionen, warum?

Löw: Er hat echt viel Potenzial. Woran man bei ihm arbeiten muss, ist Konstanz. Heute war er nicht immer ganz glücklich in allen Aktionen. Aber er war sehr engagiert, er war wahnsinnig viel unterwegs. Im Abschluss war er vielleicht das eine oder andere Mal ein bisschen unglücklich, da muss er noch zulegen. Das erwarte ich oder erhoffe ich von ihm, denn er hat so viel Können, da muss er gucken, dass er das auf dem Platz bringt. Wir müssen schauen, dass wir dran bleiben und er den nächsten Schritt macht.

Robin Koch und Florian Neuhaus haben einen sehr guten Eindruck gemacht. War das so zu erwarten?

Löw: Bei Robin Koch war jede Aktion solide, klar, er hat Fehler ausgebügelt, war als zentraler Spieler gut organisiert. Florian Neuhaus, das haben wir alle gesehen, dass der eine hohe Spielintelligenz besitzt, eine sehr gute Technik, der findet immer gute Lösungen. Er hat wirklich ein gutes Spiel gemacht. Er spielt sehr abgeklärt. Von der Leistung war ich angetan.

Viele Spiele bleiben nicht mehr bis zur EM. Beginnt jetzt die Zeit, eine Mannschaft für das Turnier einzuspielen?

Löw: Ich hoffe es. Es hängt auch immer davon ab, ob es Verletzungen gibt. Wir haben jetzt noch zwei Spiele und dann im März nochmal drei und dann ist die Nominierung und die Vorbereitung für die EM. Natürlich geht es ums Einspielen. Gegen die Ukraine und Spanien versuchen wir, nicht ganz so viele Wechsel vorzunehmen. Einspielen ist jetzt ein wichtiges Thema.

Wie wichtig ist Ihnen nun der Gruppensieg in der Nations Leauge?

Löw: Dass Wettbewerbe eine gewisse Wichtigkeit haben, ist klar. Wenn es um Punkte geht, will man natürlich gewinnen. Die Chancen sind noch vorhanden. Gegen die Ukraine ist es ein vorentscheidendes Spiel. Wenn wir gewinnen, sind wir in einer guten Position.

Es gab zuletzt viel Kritik, oft wurden Vorsprünge verspielt. Wie gut tut der Sieg?

Löw: Jedes Spiel, das man gewinnt, ist gut und hilfreich und gibt ein gutes Gefühl, aber das Wie ist mitentscheidend. Ich weiß, dass viel diskutiert worden ist. Im letzten Jahr haben wir sieben Spiele gewonnen und nur eines verloren, dieses Jahr haben wir nun zwei Spiele gewonnen und ein paar Unentschieden. Wenn ich es von der Seite betrachte, haben wir bei 16 Spielen eine Niederlage. Dass die Stimmung anders ist, spüren wir auch. Na klar ist man unzufrieden, wenn man in der letzten Minute den Ausgleich kassiert. Deswegen haben wir es heute gut über die Zeit gebracht. Da haben alle ein bisschen durchgeatmet.

© dpa-infocom, dpa:201112-99-304098/3

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