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Weltberühmte „Star Wars“-Legende ist gestorben: Seine Rolle prägte Generationen

Weltberühmte „Star Wars“-Legende ist gestorben: Seine Rolle prägte Generationen

Der Bundestrainer im Interview

Joachim Löw: Dieser Bayern-Star hat mich sofort überzeugt

Deutschland - Kamerun
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Joshua Kimmich (r.) debütierte im Mai 2016 unter Joachim Löw.

Joachim Löw verrät, welcher Spielertyp in der Zukunft gefragt sein wird und welche Karriere er Joshua Kimmich prophezeit. Außerdem: So ist der Stand bei den Planungen für das DFB-Quartier.

Sotschi - Der tolle Auftritt gegen Mexiko hat nicht nur 11,37 Millionen deutsche Fans vor dem Fernseher verzückt, sondern auch Jogi Löw. Der Bundestrainer war begeistert von seiner Mannschaft und schwärmte später in der Pressekonferenz regelrecht von Joshua Kimmich & Co. „Es hat mir imponiert, dass wir am Anfang genau das gemacht haben, was wir besprochen hatten“, lobte Löw seine Elf. Wer Jogi in den vergangenen Wochen in Russland beobachtet hat, der spürt, wie viel Spaß ihm die Arbeit mit den jungen Spielern macht, mit welcher Freude er deren Fortschritte registriert. Er wollte sehen, wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, wer die Mannschaft führen kann. 

Beim Confed Cup hat Löw viele Antworten bekommen, doch plötzlich sind auch neue Fragen aufgetaucht. Viele Akteure aus dem zusammengewürfelten Kader haben sich für weitere Einsätze empfohlen – doch für wen findet Jogi einen Platz, wenn die Topstars wieder zurückkehren? Und wo schlägt der Weltmeister im kommenden Jahr sein Quartier auf? Nach den Erfahrungen während des Turniers macht das sonnige Sotschi dem favorisierten Moskau ernste Konkurrenz. Die tz traf den 57-Jährigen im Teamhotel am Schwarzen Meer.

Herr Löw, während des Confed Cups rutschen Sie vom Dirigenten des Starensembles in die Rolle des Ausbilders für viele junge Spieler. Was löst diese Aufgabe in Ihnen aus?

Löw: Es macht mit den Jungs viel Spaß. Sie bringen gute Voraussetzungen mit und sind sehr erfolgshungrig. Das spürt man. Nicht nur individuell entwickeln sie sich hier gut. Ich habe das Gefühl, hier ist ein Team entstanden. Es ist mehr Basisarbeit als mit den etatmäßigen Spielern, weil wir vor drei Wochen im Grunde genommen bei null begonnen haben, was unsere Philosophie und die Abläufe in der Nationalmannschaft angeht.

Gehen Sie Ihre tägliche Arbeit in diesem Länderspiel-Zyklus dadurch anders an?

Löw: Mit der angestammten Mannschaft macht mir die Arbeit natürlich ebenso große Freude, aber die erfahrenen Spieler haben unsere Inhalte natürlich schon verinnerlicht. Da ist es auch nicht damit getan, sie nur bei Laune zu halten. Wir arbeiten an Details und versuchen manche Dinge über Jahre hinweg zu automatisieren.

Haben Sie es trotzdem als eine neue Herausforderung gesehen, aus diesem Kader eine funktionierende Einheit zu formen?

Löw: Nicht unbedingt, in erster Linie geht es darum, Erkenntnisse zu sammeln, das Spektrum zu erweitern, Spieler weiterzuentwickeln und Konkurrenzkampf zu schaffen. Das ist wichtig, nicht nur für die WM im kommenden Sommer, sondern auch für die danach folgenden zwei, drei Jahre.

Wie hat sich die Mannschaft hier entwickelt? Haben Sie erkennen können, wer Verantwortung übernimmt, wer Ihre Vorgaben umsetzen kann?

Löw: Das ist auf jeden Fall zu erkennen. Der eine oder andere Spieler hat gezeigt, dass er hier eine Perspektive haben kann. Alle, die mit dabei sind, haben bislang voll mitgezogen.

Joshua Kimmich sticht heraus, war gegen Kamerun am Ende sogar Kapitän. Hat er beim Confed Cup den Sprung zum Führungsspieler gemacht, den Sie sich erhofft haben?

Löw: Über Jo bin ich in jeder Beziehung voll des Lobes. Als er letztes Jahr in der EM-Vorbereitung zum ersten Mal dabei war, hat er mich vom ersten Tag an mit seinem Auftreten, seiner Körpersprache und seinen Leistungen auf dem Platz überzeugt. Vom ersten Training weg hat er gezeigt, dass er sich einen Platz im Kader erkämpfen möchte und bei der EM dabei sein will. Diesen unbändigen Willen und die Ausstrahlung auf dem Platz schätze ich. Jede Aktion bei Jo ist 100 Prozent pure Leidenschaft.

Ein Jahr später ist er aus Ihrem Team nicht mehr wegzudenken...

Löw: Im Moment präsentiert er sich sehr stark, hinzu kommt, dass er variabel ist und verschiedene Positionen spielen kann. In seinen jungen Jahren bringt er sehr viel taktisches Verständnis mit und setzt es schnell um. Das macht ihn für uns so wertvoll. Bei Jo habe ich wirklich das Gefühl, dass er eine große Karriere vor sich hat. Mit einer hohen Anzahl an Länderspielen.

Seine Entwicklung dient anderen jungen Spielern als Vorbild. Auf welche Fähigkeiten legen Sie besonderen Wert? Welchen Spielertypen suchen Sie, um die Mannschaft noch besser zu machen?

Löw: In den nächsten Jahren werden Spieler mit großen kognitiven Fähigkeiten gefragt sein. Wer ist flexibel, wer findet Lösungen in unterschiedlichsten Situationen? Körperlich sind die Spieler am Limit, habe ich das Gefühl. Da ist die Grenze fast erreicht. Das Spiel wird aber immer enger, die Räume kleiner und der Zeitdruck immer größer. Und bei alldem muss ein Spieler schnelle und vor allem gute Lösungen parat haben. In diesem Bereich hat der Fußball noch Potenzial.

Sven Westerschulze (l.) im Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw.

Wie schaffen Sie es, Ihre Spieler in diese Richtung zu entwickeln? Viel Zeit haben Sie während der Länderspielphasen nicht.

Löw: Wir schöpfen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Die Entwicklung vom Konterfußball, den wir bei der WM 2010 gespielt haben, hin zum Ballbesitz, das war auch ein längerer Prozess. Dazu ist unser Trainerteam so gut abgestimmt, dass wir es schaffen, auch in kurzer Zeit Schwerpunkte zu legen und Automatismen reinzubekommen. Zum einen durch das Training, zum anderen durch Videoanalysen und -schulungen. Bestimmte Basisthemen kann man theoretisch abhandeln, das ist nicht so schwierig.

Dann kommt es Ihnen bestimmt entgegen, dass der FC Bayern wieder vermehrt auf deutsche Nationalspieler setzt.

Löw: Die Bayern hatten ja schon einmal eine Phase, in der sie sieben oder acht deutsche Nationalspieler im Kader hatten. Diese Idee scheinen sie jetzt wieder zu verfolgen. Uli Hoeneß hat ja auch früher schon die Maxime verfolgt, dass der FC Bayern viele deutsche Nationalspieler unter Vertrag haben sollte. Ich finde, das ist eine gute Politik, denn bei den Bayern wird der Erfolgsdruck vorgelebt. Die Mentalität und das Selbstbewusstsein in dem Verein, da können die Spieler enorm von profitieren.

Die Nationalmannschaft auch?

Löw: Natürlich kann eine gewisse Blockbildung auch Vorteile haben, weil die Spieler sich aus dem täglichen Training kennen. Von absoluter Bedeutung ist sie für mich aber nicht. Am Ende spielt immer die Qualität die entscheidende Rolle. Und die Idee, die wir in der Nationalmannschaft verfolgen.

Die Qualität hat zweifelsohne auch Mario Götze. Halten Sie ihm einen Platz im WM-Kader frei, wenn er seine Stoffwechsel­erkrankung überstanden hat und wieder vollständig fit ist?

Löw: Mit Mario hatte ich kurz vor dem Confed Cup Kontakt. Er wirkte optimistisch und positiv, und ich hoffe, dass er im Sommer eine Vorbereitung ohne größere Verletzung absolvieren kann. Mario Götze ist ein außergewöhnlicher Fußballer. Ich wünsche ihm, dass er schnell in Form kommt.

Und Holger Badstuber? Der erklärte zuletzt, dass er die Nationalelf noch nicht ganz abgeschrieben hat.

Löw: Holger war eines der absolut größten Innenverteidiger-Talente, weil seine Spielauslösung überragend ist. Die letzten Jahre waren leider sehr hart für ihn. Ich glaube, dass es für ihn grundsätzlich erst mal wichtig ist, ein Jahr lang regelmäßig zu spielen.

Es scheint Ihnen und den Spielern in Sotschi gut gefallen zu haben. Wie ernst werden die Planungen für ein WM-Quartier am Meer?

Löw: Sotschi kann auch eine Option sein, aber wir prüfen derzeit alles, Oliver Bierhoff und sein Team schauen sich im Prinzip im ganzen Land um. Der Vorteil ist, dass es hier gute Regenerationsmöglichkeiten und tolle Trainingsbedingungen gibt. Am Ende ist es aber auch wichtig, dass die Logistik stimmt.

Sotschi liegt ganz im Süden Russlands. Also wäre das zentrale Moskau mit Blick auf den Reisestress die bessere Variante?

Löw: Es gibt viele verschiedene Aspekte, die mit in die Entscheidung einfließen. Die Nähe zu einem Trainingsplatz, die Strecke zum Flughafen. Auch die Flugzeiten spielen natürlich eine Rolle.

Trotzdem scheinen Sie und der DFB-Staff noch nicht von Moskau überzeugt...

Löw: Ich habe auf der anderen Seite bei den Turnieren in der Vergangenheit festgestellt, wie wichtig es ist, dass man zwischendurch auch mal abschalten kann. Die Spieler haben eine große Belastung – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Wir haben uns da noch nicht festgelegt, das Gesamtpaket muss passen.

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