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Kriegt Löw mit Youngster-Power doch noch die Kurve?

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Von: José Carlos Menzel López

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Der Jugend eine Chance: Joachim Löw hat dem DFB-Team in Paris einen neuen Anstrich verpasst.
Der Jugend eine Chance: Joachim Löw hat dem DFB-Team in Paris einen neuen Anstrich verpasst. © MIS / Cathrin Müller /M.i.S.

Trotz der neuerlichen Niederlage hat das DFB-Team seinen Fans beim Auftritt in Paris wieder Freude bereitet. Nun muss sich weisen, ob Joachim Löw diesen Weg weiter verfolgen wird.

Paris - Die nackten Zahlen haben es ja schon in sich. Das 1:2 in Paris war die sechste Pflichtspielpleite der Nationalelf in diesem Jahr und bedeutet den Negativrekord in dieser Kategorie. Bislang hatte es das DFB-Team nur auf fünf Niederlagen in 365 Tagen geschafft - und das ist mittlerweile schon 33 Jahre her. Zur Erinnerung: Bundestrainer war damals ein gewisser Franz Beckenbauer. Zwei Pflichtspielniederlagen in Folge gab es zuletzt 2000 unter Erich Ribbeck.

Allesamt Geister aus der Vergangenheit, die mit der aktuellen Lage beim DFB-Team nur wenig gemeinsam haben. Denn irgendwie ist es dem totgesagten Joachim Löw gelungen, trotz des erneut negativen Resultats in Paris eine Art Aufbruchstimmung zu entfachen. „Darauf lässt sich aufbauen“, sagte er selbst nach Schlusspfiff im Bauch des Stade de France. Verloren - aber vielleicht doch gewonnen?

Bierhoff: „Geht nur Spielern, die unverbraucht sind“

Die Gewissheit, dass es so nicht weitergehen konnte, reifte in den Minuten nach dem 0:3-Debakel in Amsterdam. Sie musste reifen. Einsam und in sich gekehrt stand Löw in einer Ecke hinter dem Mannschaftsbus, paffte eine Zigarette und wusste, dass die Zeit für den Umbruch gekommen war.

„In der Nacht nach Holland war klar, dass was passieren muss. Dass es nur mit Spielern geht, die unverbraucht waren“, erklärte DFB-Manager Oliver Bierhoff, der Bundestrainer selbst bestätigte in Paris: „Wir müssen sukzessive einen Umbruch einleiten. Mir macht einiges Hoffnung und Mut.“ Die Folge war: Süle, Schulz, Kehrer, Gnabry und Sané für Boateng, Hector, Can, Müller sowie Uth in der Startelf gegen Frankreich. Und sie alle stellten unter Beweis, dass die Zukunft ihnen gehört. Ja sogar gehören muss.

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Ist Löw für die benötigte Verjüngungskur geeignet?

Der Auftritt der Neuen Deutschen Welle war gerade für Löws verbrauchten Kredit wichtig, der nun trotz der Doppelpleite in einem komplett anderen Licht erscheint. Ob er tatsächlich geeignet ist, um die DFB-Verjüngungskur voranzutreiben, werden erst die kommenden Spiele zeigen - die in Paris gezeigte Bereitschaft zieht aber seinen Kopf aus der Schlinge. Vorerst. „Löw macht seinen Job mit Leidenschaft“, unterstrich Bierhoff. „Er klammert sich nicht daran, wenn er das Gefühl hätte, nichts mehr geben zu können.“

DFB-Präsident Reinhard Grindel gab ebenfalls seinen Segen. „Was diese junge Mannschaft heute gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen. Man kann mit Zuversicht in die nächsten Wochen schauen. Ich finde, wir haben ein Stück Umbruch gesehen, der Mut für die Zukunft macht.“

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DFB-Probleme ähneln den Sorgen des FC Bayern

Dieser Umbruch hängt auch vom FC Bayern ab. Uli Hoeneß sagt es ja selbst: „Der deutsche Fußball wird nur gut, wenn der FC Bayern gut ist. Und daran müssen wir arbeiten“, so der Präsident. Mit insgesamt acht Spielern stellt der FCB über ein Drittel des DFB-Kaders - die Probleme in München ähneln jedoch denen in Frankfurt. Die Burschen stehen in den Startlöchern, die Veteranen machen aber (noch) keinen Platz. Will Löw den Umbruch vorantreiben, muss ihn auch Niko Kovac forcieren.

In der Nationalelf sollte der Generationenwechsel bis zur EM 2020 abgeschlossen sein, den nächsten Wasserstand gibt es aber schon im November beim Test gegen Russland und der entscheidenden Partie gegen Holland. Es ist die letzte Chance auf den Klassenerhalt - und um 2018 mit mehr Siegen als Gibraltar abzuschließen.

José Carlos Menzel López

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