„Journalistische Bankrott-Erklärung“

Nach Rauswurf: Jörg Dahlmann erhebt schwere Vorwürfe gegen Sky

Jörg Dahlmann im Jahr 2011 bei einem Spiel des FC Mainz
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Jörg Dahlmann blickt auf eine fast 40-jährige Karriere als Sport-Moderator zurück, doch damit ist jetzt Schluss: Sky hat sich mit sofortiger Wirkung von dem Kommentator getrennt (Archivbild).

Sky hatte die Zusammenarbeit mit Jörg Dahlmann nach einem rassistischen Kommentar des Moderators vorzeitig beendet. Dieser zeigt sich uneinsichtig und wirft dem Sender Aktionismus vor.

Unterföhring - Schon länger war bekannt, dass die Zusammenarbeit des Fernsehsenders Sky mit Jörg Dahlmann ausläuft. Von Seiten des Moderators nicht ganz freiwillig. Nach einem rassistischen Kommentar des Sport-Moderators im März beendete Sky die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung. Der 62-Jährige hatte beim Zweitliga-Spiel Hannover 96 gegen Erzgebirge Aue Japan als „Land der Sushis“ bezeichnet. Dahlmann selbst beruft sich gegenüber der Bild am Sonntag darauf, „Land des Sushis“ gesagt zu haben – die Aufzeichnungen beweisen das Gegenteil. Es war zudem nicht das erste Mal, dass der Moderator Zuschauer mit einem Spruch gegen sich aufbrachte.

Dahlmann-Rauswurf: Nicht der erste Fehltritt des Moderators

Bereits zuvor war Dahlmann mit einem wenig sachlichen Kommentar zu einem Fußballspiel aufgefallen. Der Profi-Spieler Loris Karius saß bei einem Spiel seines damaligen Vereins Union Berlin auf der Bank. Statt sportliche Hintergründe zu diskutieren, bezog sich der Kommentator auf das Privatleben des Fußballers, der mit Sophia Thomalla eine Beziehung führte. „Für so eine Kuschelnacht mit Sophia würde ich mich auch auf die Bank setzen“, so Dahlmann damals. Das sorgte unter anderem auf Twitter für Unmut. „Ich möchte nicht wissen, mit wem Sie gerne kuscheln würden. Sie sollen Fußball kommentieren... oder besser nicht mehr“, kommentierte ein Twitter-User etwa.

Auch im Falle des Sushi-Spruchs stieß der Moderator auf Gegenwind. Das kann er nicht nachvollziehen und spricht von „Twitter-Hatern und einer „Empörungsgemeinde“: „Diese Empörungsgemeinde hat die Politik des Senders beeinflusst. Ich empfinde diese Reaktionen von Sky einerseits als traurig, andererseits als unprofessionell.“ Diese Entscheidung sei eine „journalistische Bankrott-Erklärung“ und ein großer Fehler des Senders. Zudem sei sein Rauswurf einerseits Aktionismus und andererseits Mobbing gewesen.

Mobbing trifft es in diesem Fall jedoch nicht ganz: Der arbeitsrechtlichen Definition zufolge ist erst dann von Mobbing die Rede, wenn ein Arbeitnehmer mindestens sechs Monate lang feindseligen Handlungen ausgesetzt ist. Auf Twitter gab es für die Entscheidung von Sky viel Applaus, andere verstanden die Aufregung nicht.

Sky fordert Erklärung über „unglückliche Formulierung“, Dahlmann weigert sich 

Der Fernsehsender Sky hatte den Moderator gebeten, eine Erklärung zu unterschreiben, in der er sich für seine „unglückliche Erklärung“ entschuldigen sollte, wie Dahlmann gegenüber der Bild am Sonntag verriet. „Aber die war nicht unglücklich. Das war einfach nur ein Synonym.“ Nach Rücksprache mit seinem Anwalt habe er die Erklärung daher nicht unterschrieben, so der Moderator weiter.

„Ich kann meinen Reporter-Stil, den ich fast 40 Jahre bewahrt habe, doch im letzten Jahr nicht umstellen. Ich kommentiere so, wie ich nun mal rede. Und nicht so lehrermäßig, wie manche das tun“, erklärte der Kommentator weiter. „Spaßbefreite Chefs“ wären das bei Sky, Dahlmann wirft konkret Redaktionsleiter Mario Nauen und Sportchef Charly Classen „schlechtes Management“ vor. Für Abhilfe wäre laut Dahlmann einfach gesorgt: „Ich hätte auch mal Bock, eine Redaktion zu leiten. Wenn Sky die Chefs rausschmeißt, dann wäre ich bereit zu helfen.“

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