Bundestrainer in Erklärungsnot

„Er muss endlich aufwachen“: DFB-Legende teilt gegen Jogi Löw aus

In einer Zitterpartie erspielte sich die DFB-Elf das Ticket für das Achtelfinale. Jetzt wartet England auf die Jungs von Jogi Löw. Eine lösbare Aufgabe?

München - Viel hatte nicht mehr gefehlt, dann hätte Joshua Kimmich die Deutschland-Fahne wieder einpacken können, die das Balkongeländer seiner Wohneinheit im EM-Quartier in Herzogenaurach ziert. Bis zur 84. Minute sah es ganz danach aus, als müsse die Nationalmannschaft erneut in der Gruppenphase vorzeitig die Segel bei einem Turnier streichen.

EM 2021: Gegen England braucht es mehr Giftigkeit

Doch dann erlöste der eingewechselte Leon Goretzka Fußball-Deutschland mit seinem Treffer zum 2:2-Endstand gegen Ungarn – und sorgte dadurch für den Einzug ins Achtelfinale. Dort kommt es am Dienstag (18 Uhr, ARD und Magenta TV) gegen England zum großen Showdown im Londoner Wembley-Stadion.

„Geil! Ein schöneres Spiel als das gegen England gibt es nicht. Ob das im Achtelfinale sein muss, weiß ich nicht. Wir haben auf jeden Fall noch Luft nach oben und werden das gegen England zeigen“, kündigte Kimmich nach dem Einzug in die K.o-Runde an.

Das ist auch bitter nötig, wenn das deutsche Team gegen die offensivstarken Engländer mit ihren begnadeten Einzelspielern wie Harry Kane, Raheem Sterling, Phil Foden oder Jadon Sancho den Hauch einer Chance haben möchte. Am Mittwochabend gegen die Ungarn hatte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hinten massive Probleme und vorne keinerlei Durchschlagskraft. Darüber hinaus fehlte die Giftigkeit im Zweikampf, die für die nötige Kompaktheit gesorgt hätte, wie es noch gegen Portugal der Fall war.

EM 2021: Löws System bei Kontern anfällig

Aber wie erklärt sich der Bundestrainer einen solchen Leistungsabfall nach der EM-Explosion gegen Portugal? Löw: „Die Ungarn bringen den Gegner schier in Verzweiflung mit ihrer defensiven Organisation und ihrem Zweikampfverhalten. Wir haben keine Räume gefunden. Wenn man dann zweimal in Rückstand gerät, wird es immens schwierig.“ Oder anders formuliert: Der Auftritt im zweiten Gruppenspiel gegen die Portugiesen war ein Ausrutscher nach oben. In jedem der drei Gruppenspiele jagte die DFB-Auswahl einem Rückstand hinterher. Das von Löw so gepriesene 3-4-3-System ist nicht nur bei Konterangriffen enorm anfällig, sondern auch im Spiel nach vorne harmlos, wenn die Flügelspieler Joshua Kimmich und Robin Gosens vom Gegner aus dem Spiel genommen werden oder vermehrt Defensivaufgaben zu erledigen haben.

Kein Wunder, dass es nach dem blutleeren Ungarn-Auftritt von Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus deutliche Kritik für den Bundestrainer gab. „Jogi Löw hat sich wieder mal auf Spieler verlassen, die ihn enttäuscht haben. Er muss meiner Meinung nach endlich aufwachen, um im Achtelfinale erfolgreich zu sein“, sagte Matthäus in seiner Funktion als Interwetten-Markenbotschafter.

Deutschland gegen England - Joachim Löw lässt die EM-Gruppenphase hinter sich

Löw gestand: „Es gab Fehler, die wir gemacht haben, auch bei den Gegentoren. Das darf uns bei den nächsten Spielen nicht passieren.“ Trotzdem blickt er zuversichtlich in Richtung Wembley: „Jetzt ist diese Vorrunde abgehakt. Jetzt geht es darum, alles oder nichts. Das ist auch eine gute Situation. Wir haben schwankende Leistungen gezeigt in dieser Gruppenphase. Wir wissen, wenn wir das abrufen, was wir können, so wie gegen Portugal, dann sind wir stark.“

Mit unserem brandneuen, kostenlosen EM-Newsletter verpassen Sie keine News rund um die Europameisterschaft 2021.

Rubriklistenbild: © Camera4/imago-images

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare