DFB-Team begeistert endlich wieder

Jogis Titel-Theorie: Knallharte Grüße Richtung Italien, Belgien und Niederlande

Löw wurde kritisiert und bekam gute Ratschläge, was er anders und besser machen sollte. Er ignorierte das - und der Triumph gegen Portugal zeigte, dass er sehr gut wusste, was zu tun ist.

München - Nach der EM-Auftaktpleite gegen Frankreich tobte eine heftige Taktik-Debatte. Von Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus über WM-Held Bastian Schweinsteiger: Nahezu alle Experten rieten Bundestrainer Joachim Löw, seine neue Liebe zur Dreierkette zu überdenken und stattdessen auf eine Vierer-Abwehrreihe umzustellen. Und was tat der Bundestrainer im zweiten Gruppenspiel gegen Portugal? Nichts! Er schickte seine Mannschaft ohne eine einzige Veränderung aufs Feld – und sollte damit Recht behalten, wie der fulminante 4:2-Sieg gegen Portugal zeigte.

DFB-Team bei der Fußball-EM: Jetzt soll auch Ungarn den ganzen Druck zu spüren bekommen

„Es war ein sehr starkes Spiel von uns gegen technisch und konterstarke Portugiesen“, sagte Löw und gab nach der Partie einen Einblick in seinen Matchplan: „Der Auftrag war, in der Offensive eine ganz andere Kraft zu erzeugen. Genau das wurde sehr gut umgesetzt, dass die richtigen Räume bespielt wurden, dass wir vorne nicht das Tempo rausnehmen.“

Bundestrainer Joachim Löw war mit der Leistung gegen Portugal zufrieden.

Insbesondere die beiden Flügelläufer Joshua Kimmich und Robin Gosens, deren sogenannte Joker-Positionen es nur in einem System mit Dreierkette gibt, entfachten den nötigen Druck auf die Portugiesen. Laut Löw sei es das Ansinnen der DFB-Elf gewesen, „dass wir gerade über die Außenpositionen für mehr Gefahr sorgen müssen“.

Fußball-EM: Nach Ronaldos Schock-Treffer schalteten Jogis Jungs in den Jetzt-erst-recht-Modus

Umso überraschender war es, dass die Mannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo inmitten der ersten Sturm-und-Drang-Phase der Deutschen nach einer Viertelstunde in Führung ging. CR7 höchstpersönlich hatte mit einer Kopfball-Abwehr nach einem deutschen Eckstoß den Konter eingeleitet, den er mit dem 1:0 vollendete. Doch statt in Schockstarre zu verfallen, schalteten Jogis Jungs in den Jetzt-erst-recht-Modus – und zwangen den Gegner noch vor dem Seitenwechsel zu zwei Eigentoren durch Ruben Dias (35.) und Raphael Guerreiro (39.). Kai Havertz (51.) und Gosens (60.) sorgten nach einer Stunde für die Vorentscheidung. Daran änderte auch der Anschlusstreffer von Diogo Jota (67.) nichts. Deutschlands EM-Explosion war perfekt!

„Turnier kann losgehen“, kündigte Toni Kroos in den sozialen Medien an – und ganz Fußball-Deutschland fragt sich: War der Auftritt gegen Portugal die Initialzündung für die Jagd nach dem EM-Titel? In den Augen von Löw ist das nur bedingt der Fall: „Das hat mit Initialzündung nicht so viel zu tun. Natürlich gibt so ein Erfolg eine gewisse Stärkung.“ Ähnlich sehen es auch die Spieler. „Ja, es kann eine Initialzündung sein.

DFB-Team vor Gruppen-Finale bei der EM 2021: Jogi hat eine Titel-Theorie

Aber: Vor drei Jahren bei der WM haben wir auch das zweite Spiel gewonnen und sind trotzdem rausgeflogen“, meint Abwehrspieler Matthias Ginter. Thomas Müller sprach sogar von einer „kleinen Euphorie. Aber wir müssen auch sachlich bleiben“. Das tut der Bundestrainer, der seit gestern das Spiel gegen Ungarn (Mittwoch 21 Uhr, ZDF, Magenta TV) vorbereitet. „Das nächste Spiel wird vielleicht noch zäher, weil Ungarn tiefer steht, mit acht, neun Leuten verteidigt und auf Konter hofft“, so Löws kurze Gegner-Analyse. Gerade mit dieser Spielweise hatte sein Team in der jüngeren Vergangenheit Probleme, wie vor allem das 1:2 gegen Nordmazedonien zeigte.

Gegen die Ungarn hofft Löw nun auf einen ähnlich engagierten Auftritt wie am Samstag. „So müssen wir den Gegner unter Druck setzen. Dann können wir Schritt für Schritt vorankommen“, sagt Löw und trägt seine Titel-Theorie vor: „Es gibt genug starke Mannschaften in dem Turnier. Und die, die in den ersten ein, zwei Spielen perfekt spielen, haben in den seltensten Fällen ein Turnier gewinnen können.“

Aktuell haben lediglich Italien (drei Spiele, drei Siege), Belgien (zwei Spiele, zwei Siege) und die Niederlande (zwei Spiele, zwei Siege) eine weiße Weste.

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