Manuel Bonke wird jetzt einiges klar

tz-Kommentar zum Löw-Beben: „Als ich den Bundestrainer in der Allianz Arena traf ...“

Jogi Löw tritt zurück: tz-Redakteur Manuel Bonke sieht einen Abgang mit Stil.
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Jogi Löw tritt zurück: tz-Redakteur Manuel Bonke sieht einen Abgang mit Stil.

Joachim Löw tritt zurück. Jetzt erklärt sich unserem Autoren seine kühle Begegnung in der Allianz Arena. Für ihn hat der Rückzug einen großen Vorteil.

Als ich am letzten Samstag in der Allianz Arena sah, dass Bundestrainer Joachim Löw sein Halbzeit-Interview beendet hatte und sich auf den Weg zurück auf die Ehrentribüne macht, erhob ich mich von meinem Platz auf der Pressetribüne. Ich passte Jogi im Unterrang ab und fragte höflich, ob er mir kurz ein, zwei Fragen zu Jamal Musiala beantworten könne. „Nein, das kann ich nicht“, sagte Löw ungewohnt kühl, um mir dann doch mit ein paar Zitaten zu seinen Musiala-Plänen auszuhelfen. Drei Tage später ist klar, weshalb sich Jogi mit einer Antwort schwertat: Er wird die DFB-Karriere von Musiala nur für kurze Zeit aktiv mitgestalten.

DFB: Jogi Löw tritt zurück: Abgang mit Stil - Aber wer kommt jetzt?

Im Sommer ist das Kapitel Bundestrainer für Löw nach 15 Jahren beendet. Das verkündete der Verband gestern Vormittag im Auftrag von Löw. Jogi legt damit ohne Zweifel einen Rücktritt mit Stil hin – und er handelt äußerst loyal gegenüber seinem langjährigen Arbeitgeber.

Die erste Partie in der Post-Löw-Ära findet am 2. September 2021 in der WM-Qualifikation gegen Liechtenstein statt. Die DFB-Verantwortlichen um Direktor Oliver Bierhoff haben also ein halbes Jahr Zeit, um einen geeigneten Nachfolger für den scheidenden Bundestrainer zu finden. Das ist auch nötig, immerhin sind die absoluten Wunschkandidaten Jürgen Klopp (Liverpool) und Hansi Flick (FC Bayern) langfristig an ihre aktuellen Arbeitgeber gebunden. Dementsprechend langwierig und kompliziert dürften sich etwaige Vertragsverhandlungen mit ihnen gestalten. Leichter dürfte sich da eine Verpflichtung von U 21-Trainer Stefan Kuntz oder des vertragslosen Ralf Rangnick gestalten.

Löw-Rückzug bringt große Vorteile: Mannschaft in der Pflicht - EM mit Müller, Boateng und Hummels?

Löw muss sich nun auch nicht mehr den Umbruch der Nationalmannschaft als oberstes Ziel auf die Fahne schreiben – und damit ein erfolgreiches Abschneiden bei der anstehenden EM riskieren. Der Noch-Bundestrainer kann ohne schlechtes Gewissen den Perspektivspielern gegenüber gestandene Weltmeister wie Thomas Müller, Mats Hummels oder Jerome Boateng nominieren. Dadurch steht die Mannschaft in der Pflicht, eine erfolgreiche EM zu spielen. Alibis gibt es dann nicht mehr. Für Löw zählt nur noch die Gegenwart und nicht mehr die Zukunft.

Ein weiterer Vorteil des anstehenden Rücktritts: Löw hat wieder die Deutungshoheit, was seinen Job angeht. Ihn muss niemand mehr feuern, sollte auch das nächste Turnier ein Desaster werden. So kann er nach langer Amtszeit selbst mit Kratzern am Ende immer noch erhobenen Hauptes als Weltmeister-Trainer 2014 Platz machen.

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