Zahlreiche Kandidaten gehandelt

Bundestrainer: DFB sucht Nachfolger für scheidenden Joachim Löw

Bundestrainer Joachim Löw gibt nach der EM 2021 und dann 15 Jahren auf der Kommandobrücke den Staffelstab weiter. Doch wer folgt beim DFB auf den Weltmeister-Coach?

München - Erstmals nach mehr als anderthalb Jahrzehnten muss sich der DFB nach einem neuen Bundestrainer umschauen. Gesucht wird ein Nachfolger für Joachim Löw, der seit 2006 amtiert. Damals folgte der heute 61-Jährige auf Jürgen Klinsmann, der ihn zwei Jahre zuvor als Co-Trainer in sein Team geholt hatte.

Trotz eines noch bis Ende 2022 laufenden Vertrags verkündete Löw Anfang März seinen Rücktritt nach der paneuropäischen EM, die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verlegt worden war. Die Kritik am ehemaligen Stürmer hatte zuvor immer mehr zugenommen. Hintergrund war eine sportliche Dürreperiode, wie sie die erfolgsverwöhnte Fußball-Nation lange nicht mehr erlebt hatte.

Nachfolger für Löw: Sportliche Enttäuschungen reihten sich aneinander

Nachdem Löw das DFB-Team 2014 noch zum WM-Titel geführt hatte, wurden ihm beim Halbfinal-Aus bei der EM 2016 taktische Fehler vorgeworfen. Ein Jahr nach dem Triumph beim Confed Cup 2017 scheiterte die Auswahl kläglich in der Vorrunde der WM 2018 - nie zuvor schnitt ein Team des Verbandes in der Geschichte des interkontinentalen Turniers so schlecht ab.

Ein weiterer Tiefpunkt folgte in der neu geschaffenen Nations League. Wurde der Abstieg nach der ersten Saison nur durch eine Aufstockung der Top-Staffeln umgangen, setzte es zum Abschluss der zweiten Spielzeit ein blamables 0:6 in Spanien. Diese Schmach war die letzte Partie vor Löws Rücktrittsankündigung.

Nachfolger für Löw: Interne Lösung möglich - auch Matthäus und Rangnick haben Interesse

Seither wird heftig über die Nachfolge-Regelung debattiert. Möglich erscheint ein Aufstieg von Co-Trainer Marcus Sorg oder U21-Coach Stefan Kuntz, der den Nachwuchs 2017 zum EM-Titel geführt hatte. Aber auch externe Lösungen werden gehandelt: So brachte sich Rekordnationalspieler Lothar Matthäus selbst ins Gespräch, auch Ralf Rangnick bekundete sein Interesse an dem Posten.

Große Zustimmung in der Öffentlichkeit dürften vor allem zwei der derzeit erfolgreichsten Coaches hervorrufen. Doch sowohl Jürgen Klopp als auch Hansi Flick verwiesen in ersten Reaktionen auf laufende Verträge beim FC Liverpool respektive beim FC Bayern. Der zweimalige Welttrainer ist bis 2024 gebunden. Der ehemalige Co-Trainer von Löw besitzt in München, wo er zuletzt alle sechs möglichen Titel abräumte, einen Kontrakt bis 2023.

Nachfolger für Löw: DFB will keine Trainer mit Vertrag ansprechen

DFB-Manager Oliver Bierhoff hatte bereits öffentlich erklärt, welchem Credo der Verband bei der Suche folgen werde: „Wir sprechen keinen Trainer an, der unter Vertrag steht.“ Was natürlich auch Christian Streich einbeziehen würde, den Flick ins Gespräch brachte. Das Freiburger Urgestein fühlte sich zumindest geschmeichelt, hat sich außerhalb seiner Heimat aber noch nicht bewähren müssen.

Neben der freien Verfügbarkeit muss der Löw-Erbe offenbar auch eine andere wichtige Eigenschaft mitbringen. So verriet Joshua Kimmich, in der Nationalmannschaft wie bei den Bayern trotz seiner noch jungen Jahre einer der Wortführer, in der Sport Bild: „Oliver Bierhoff und der DFB haben sich ja festgelegt, dass der Nachfolger von Jogi Löw deutsch sein soll. Daher ist der Kreis nicht so groß.“

Nachfolger für Löw: Erstes Spiel findet im September in Liechtenstein statt

Damit entfielen Optionen wie der schon früher gehandelte Arsene Wenger, der als Übergangslösung hätte angesehen werden können. Ähnliches würde für Lucien Favre gelten, der erst im Dezember bei Borussia Dortmund entlassen worden war.

Der DFB will sich laut Bierhoff keinesfalls von öffentlichen Druck treiben lassen. Eine Entscheidung wird vermutlich erst im Sommer fallen. Sicher ist bislang nur, dass der Nachfolger von Löw am 2. September im WM-Quali-Spiel in Liechtenstein erstmals auf dem Prüfstand stehen wird. (mg)

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