Das sind Jogis Brandherde

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Nachdenklich ins Saisonfinale: Bundestrainer Joachim Löw hat an mehreren Fronten Unruhe.

München - Testspiele, Ballack, Neuer: Das sind Jogi Löws heiße Themen vor dem Saisonfinale!

Exakt zwei Stunden und elf Minuten hatte Jogi Löw, um sich noch einmal zu entspannen. Mit dem ICE machte sich der Bundestrainer am Freitagmorgen auf den Weg von Freiburg nach Frankfurt. Er traf, was ja nicht unbedingt selbstverständlich ist, pünktlich ein. Vom Hauptbahnhof ging’s ganz entspannt in die DFB-Zentrale. Nachdem Jogi das erste Mal an seinem Espresso genippt hatte, war es vorbei mit der Ruhe. Vor den letzten Länderspielen der Pflichtspielsaison gegen Uruguay, Österreich und Aserbaidschan hat Löw mit einigen Problemen zu kämpfen. Nicht innerhalb des Teams, auch wenn den meisten Spielern die Duelle während der Urlaubszeit so recht sind wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. „Es gilt, sich mental hochzufahren, in die Gänge zu kommen“, erklärt Löw zu den anstehenden Aufgaben: „Zwei Siege in den Qualifikationsspielen wären ein perfekter Abschluss der Saison.“ Die Störfeuer für den 51-Jährigen kommen von außen. Löw muss gleich mehrere Brandherde löschen:

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw. © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“ © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden. © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle. © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg. © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008. © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause. © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort. © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer. © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere. © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team. © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben. © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler. © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer. © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht. © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis. © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit. © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit. © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus. © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell. © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien. © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel. © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge. © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs. © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien. © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft. © dpa

Der Streit um die Freundschaftsspiele: Der Rahmenterminkalender geht den Liga-Vertretern gegen den Strich. Vor allem Karl-Heinz Rummenigge echauffierte sich zuletzt. „Es soll nur noch Qualifikationsspiele geben, keine Freundschaftsspiele mehr“, forderte Bayerns Vorstandsboss in der tz. Am Freitag gab’s die Replik von Bundes-Jogi. „Der Terminkalender ist besprochen, abgesegnet. Jeder wusste, was auf uns zukommt“, schlug Löw zurück, ohne dass er auf das Thema überhaupt direkt angesprochen wurde. „Darüber hinaus sind Testspiele für uns sehr wichtig, auch, um junge Spieler vor Turnieren weiterzubringen. Das ist auch für die Liga, den gesamten deutschen Fußball wichtig.“ Denn nur so sei ein gutes Abschneiden bei Turnieren möglich. Und „diese Erfolge“, so Löw, „sind für die Auslandsvermarktung der Liga wichtig: Es gibt Gründe, warum wir die Spiele absolvieren!“

Das Hickhack um Neuer: Manuel Neuer muss weiter auf die offizielle Bekanntgabe seines Wechsels warten. Schon vor der Zusammenkunft am Freitag wünschte sich Löw eine „frühzeitige Entscheidung“. Bis Montag müssen sich alle Beteiligten gedulden. „Ich denke, Manuel ist mit sich im Reinen“, meint Löw, „ich habe ihn kennengelernt als Spieler, der wahnsinnig gut mit Stresssituationen umgehen kann, der die Ruhe selbst ist“. Er glaubt nicht, dass das Hickhack Neuer „in seiner Leistung zurückwirft“. Dennoch: Alle Beteiligten sind froh, wenn das Thema vom Tisch ist. Neuer wollte sich am Freitag nicht äußern – er kann nur warten…

Die 20 besten deutschen Fußballer seit der Wiedervereinigung

Wer war seit der Wiedervereinigung der beste Spieler, der den gesamtdeutschen Bundesadler auf der Brust trug? Die "Sport Bild" hatte anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Wiedervereinigung ihre Leser online dazu aufgerufen, die besten Nationalspieler Deutschlands seit 1990 zu wählen. Über 100.000 Leser haben sich beteiligt. Hier sehen Sie die Top 20. © Getty
Platz 20: Mario Basler © Getty
Platz 19: Andreas Köpke © Getty
Platz 18: Andreas Möller © Getty
Platz 17: Lukas Podolski © Getty
Platz 16: Guido Buchwald © Getty
Platz 15: Stefan Effenberg © Getty
Platz 14: Mehmet Scholl © Getty
Platz 13: Thomas Häßler   © Getty
Platz 12: Bernd Schneider © Getty
Platz 11: Jürgen Kohler © Getty
Platz 10: Andreas Brehme © Getty
Platz 9: Jürgen Klinsmann © Getty
Platz 8: Philipp Lahm © Getty
Platz 7: Miroslav Klose © Getty
Platz 6: Matthias Sammer © Getty
Platz 5: Michael Ballack © Getty
Platz 4: Bastian Schweinsteiger © Getty
Platz 3: Rudi Völler © Getty
Platz 2: Lothar Matthäus © Getty
Platz 1: Oliver Kahn © Getty

Der Ballack-Abschied: Inzwischen ist wohl nur noch fraglich, wer den Abschied von Michael Ballack aus der Nationalmannschaft verkündet. Das weiß Ballack selbst, das weiß Löw. Verkünden darf er es aber noch nicht. Und so wird das Offensichtliche unter großen rhetorischen Anstrengungen verschleiert. Beispiele gefällig? Löw: „Wenn es etwas zu sagen gibt – und das wird so sein – werden wir das machen.“ Oder: „Ich habe öffentlich nichts zu den Inhalten gesagt, weil vereinbart ist, dass wir diese Inhalte zu einem gewissen Zeitpunkt mitteilen.“

Drei Spiele, drei Brandherde – Jogi wird’s schon richten…

Tobias Altschäffl

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