Mourinho von eigenen Fans ausgepfiffen

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José Mourinho hat Ärger bei Real Madrid.

Madrid - Der spanische Rekordmeister Real Madrid hat durch ein 4:1 gegen Athletic Bilbao seine Fünf-Punkte-Vorsprung an der Tabellenspitze vor Erzrivale FC Barcelona erfolgreich verteidigt, dennoch gab es Pfiffe für Real-Coach Jose Mourinho.

„The Special One“ blieb cool wie immer. „Es ist das erste Mal, dass ich ausgepfiffen werde“, sagte Jose Mourinho und versicherte im selben Atemzug: „Das ist für mich aber kein Problem.“ Gerade hatte er mit Real Madrid 4:1 gegen Athletic Bilbao gewonnen und als Tabellenührer den Fünf-Punkte-Vorsprung gegenüber Erzrivale FC Barcelona (4:1 beim FC Malaga) gewahrt, da gab es ein Pfeifkonzert im Estadio Bernabeu gegen den portugiesischen Coach, der bei den Fans der Königlichen und auch innerhalb der Mannschaft längst nicht mehr unumstritten ist.

Sollte Mourinho am Mittwoch mit Real im Viertelfinal-Rückspiel beim FC Barcelona im Camp Nou aus dem Pokal ausscheiden, was nach dem 1:2 im Hinspiel durchaus vorstellbar ist, dürfte sich der Druck auf den selbstverliebten Coach noch erhöhen.

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Februar 2004: Mourinho wird vorgeworfen, im Punktspiel des FC Porto bei Sporting Lissabon auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben. © dpa
Februar 2005: Mourinho wirft dem schwedischen Referee Anders Frisk vor, in der Halbzeit des Champions-League-Spiel von Chelsea beim FC Barcelona Trainer-Kollege Frank Rijkard in die Kabine gelassen zu haben. Aus Trotz bleibt er der Pressekonferenz fern. Frisk bestreitet die Vorwürfe, erhält Morddrohungen, beendet seine Karriere. Mourinho wird für zwei Spiele gesperrt. Er habe den Fußball “in Verruf gebracht“, schreibt die UEFA-Disziplinarkommission. © Getty
Mai 2005: In der Champions League gegen den FC Liverpool sagt Mourinho nach dem umstrittenen Siegtor von Liverpools Luis Garcia: “Der Linienrichter schoss das Tor.“ Es hagelt Kritik an ihm. © Getty
März 2007: Nach einem Pokalspiel Chelseas gegen Tottenham soll Mourinho den Schiedsrichter als “Hurensohn“ bezeichnet haben. “Das war nicht beleidigend gemeint, auch wenn man sie als Beleidigung verstehen kann“, sagt er. © Getty
April 2007: Mourinho reklamiert im Champions-League-Spiel Chelseas gegen Liverpool heftig einen Handelfmeter, obwohl sich die fragliche Szene außerhalb des Strafraums abgespielt hatte. Schiedsrichter Markus Merk wird zum Prügelknaben des Portugiesen. © Getty
November 2008: Während eines Live-Fernsehinterviews sorgt Mourinho für einen Eklat. Weil der Moderator des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RAI ihn nach dem 1:0-Sieg gegen Inter mit seinem Vorgänger Roberto Mancini vergleicht, bricht Mourinho das Interview ab. © Getty
Dezember 2009: Nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo greift Mourinho einen Reporter an und zerrt ihn am Arm aus einem Interviewraum. © Getty
Februar 2010: Beim 0:0 gegen Sampdoria Genua legt er sich mit dem Schiedsrichter an. Nach zwei Roten Karten für Inter zeigt der Portugiese mit überkreuzten Handgelenken an, dass der Referee in Handschellen aus dem Stadion geführt werden müsse. Das bringt ihm ein Sperre von drei Spielen und 40 000 Euro Strafe ein. © Getty
Februar 2010: Mourinho sagt nach dem Derby gegen den AC Mailand: “Heute wurde alles getan, damit wir nicht siegen“. Konsequenz: eine Geldstrafe von 18 000 Euro. © Getty
November 2010: José Mourinho wird in Spanien wegen einer rüden Schimpfattacke gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt worde. “Geh zur Scheiße!“, hatte er dem Referee in einem Pokalspiel hinterhergerufen - obwohl Real 5:1 gewinnt. © Getty
Dezember 2010: Nach einem 1:0 der Madrilenen über den FC Sevilla legt Mourinho eine Liste mit “13 gravierenden Fehlentscheidungen“ vor. Clubpräsident Florentino Pérez meint: “Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern.“ © Getty
Februar 2011: Mourinho attackiert nach Reals Champions-League-Partie bei Olympique Lyon den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Wieder geht es um einen vermeintlichen Elfmeter. “Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt, aber der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen.“ © Getty
März 2011: Mourinho beschimpft einen Reporter als “Heuchler“, der den Portugiesen nach dessen jüngsten Klagen über die Schiedsrichter und die Terminpläne befragt hatte. “Was ich sage, sind keine Klagen, sondern Wahrheiten“, behauptete der Portugiese. © Getty
April 2011: Mourinho ledert nach dem CL-Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona (0:2) gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark, die UEFA und den FC Barcelona sowie dessen Coach Pep Guardiola. Der Portugiese wittert mal wieder eine Verschwörung und glaubt, der FC Barcelona würde seit Jahren im Europapokal bevorzugt. © Getty
August 2011: Mourinhos Besessenheit für den FC Barcelona nimmt groteske Züge an. Kurz vor dem Ende des Supercup-Rückspiels bei Barca (2:3) rastet der Portugiese im Zuge einer Rudelbildung aus, tritt zunächst den am Boden liegenden Cesc Fabregas und greift anschließend Barca-Co-Trainer Tito Vilanova ins Auge. © dpa
Januar 2012: Hier greift sich Mourinho ausnahmsweise mal selbst ins Auge. Nach dem Pokal-Aus im Viertelfinale gegen den FC Barcelona fühlt sich Mourinho mal wieder benachteiligt. Er lauert dem Schiedsrichter in der Tiefgarage auf und sagt: "Du Künstler, du fickst die, die arbeiten. Du respektierst nicht die richtigen Profis. Jetzt gehst du eine Zigarre rauchen und dann gehst du nach Hause, du Lümmel.“ © dpa
Winter 2012: Nach heftiger Kritik in der Öffentlichkeit an seiner Außendarstellung präsentiert sich Mourinho vor dem Heimspiel gegen Atletico Madrid den Fans und steht einige Minuten mitten auf dem Feld, "damit die Leute ihre Meinung über mich abgeben können". Die Reaktionen im spärlich gefüllten Stadion sind gemischt. © dpa
Nach seinem Abschied zum FC Chelsea kartet Mourinho nach: Das Opfer dieses Mal: Cristiano Ronaldo. "Ich hatte ein einziges Problem mit ihm: Cristiano denkt, dass er alles besser weiß, und er akzeptiert keine Kritik an seiner Spielweise", sagte Mourinho, obwohl sein Landsmann auch in Mourinhos letzter Saison bei Real bester und torgefährlichster Spieler war. © dpa
August 2013: Auch bei Chelsea kann es Mourinho nicht lassen - und lästert dabei sogar Europa-übergreifend. Die Giftpfeile treffen seinen Intimfeind und Neu-Münchner Pep Guardiola. Vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern stichelt er: „Der FC Bayern des Jupp Heynckes war das beste Team Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind.“ © dpa
März 2014: Seine Ex-Vereine sind Mourinho heilig. Der Portugiese schimpft und lästert über vieles, aber gegen seine ehemaligen Arbeitgeber und Spieler eigentlich nicht. Über einige Spieler von Real Madrid sagte Mourinho aber: "Bei Real Madrid standen die Spieler vor den Spielen in der Kabine Schlange vor dem Spiegel, damit sie ihre Frisuren noch überprüfen konnten, bevor es raus auf den Platz ging", lästere Mourinho. © AFP
September 2014: Wieder mal eine Attacke von Mourinho gegen seinen Erzfeind Pep Guardiola, dieses mal sogar auf persönlicher Ebene: "Wenn einer das genießt, was er tut, dann verliert er nicht die Haare. Guardiola aber hat eine Glatze. Er genießt den Fußball nicht", lautete die unverschämte Aussage des ehemaligen Trainers von Real Madrid. Vorausgegangen war ein Disput der beiden bei der Trainertagung in Nyon, bei dem es um die vorgeschriebene Rasenlänge bei internationalen Spielen ging. © AFP

Er selbst nahm die Unmutsäußerungen der eigenen Anhänger nach außen gelassen zur Kenntnis. „Zidane wurde hier ausgepfiffen. Auch Ronaldo und Cristiano Ronaldo wurden hier ausgepfiffen. Warum sollte nicht auch ich mal ausgepfiffen werden? Zidane hat mit tollem Fußball geantwortet“, zitierte die spanische Sportzeitung Marca den exzentrischen Coach, der lediglich von den Ultras nach dem Abpfiff Beifall erhielt.

Mourinho, dessen Verhältnis zu seinen eigenen Spielern nach der Pleite im El Clasico gegen Barca am vergangenen Mittwoch deutlich abgekühlt sein soll, lobte sogar das Publikum für seine emotionale Art. „Wenn sie mich in einem Verein auspfeifen würden, in dem niemand pfeift, so wie bei Chelsea, wo nicht mal die Gegner ausgepfiffen werden, wäre das etwas anderes und schwer zu akzeptieren. Aber in einem Stadion, wo die Besten der Welt auch mal kritisch behandelt werden, was soll ich da sagen...“, so Mourinho in Anspielung auf die Stimmung bei seinem früheren Arbeitgeber FC Chelsea in London.

Möglicherweise unterschätzt der eloquente Trainer aber die hochexplosive Stimmung bei den Königlichen. Denn durch den klaren Erfolg gegen Bilbao wurden nach Ansicht vieler Insider die gravierenden Probleme nur kaschiert. Nach Ansicht der Marca herrscht sogar „Krieg“ zwischen den Spielern und ihrem Trainer.

Die Profis werfen Mourinho angeblich nicht nur dessen Überheblichkeit im Umgang mit seinen „Untertanen“ und der Öffentlichkeit vor, sondern prangern auch das ultradefensive Spielsystem an, das der Coach bevorzugt. Auch wenn der Erfolg gegen Bilbao Balsam auf die Wunden war, dürfte nur ein Erfolg am Mittwoch in Barcelona die Wogen glätten. Für Jose Mourinho steht außer Frage, dass seine Mannschaft im Rückspiel jubeln kann. „Wir werden gewinnen“, kündigte er vollmundig an.

Dazu beitragen soll auch sein jüngster taktischer Schachzug. Gegen Athletic Bilbao spielten der deutsche Nationalspieler Mesut Özil und der Brasilianer Kaka gemeinsam im offensiven Mittelfeld, was offenbar eine Option für die Zukunft ist. Beide holten je einen Elfmeter heraus und ergänzten sich insgesamt sehr gut. Zuvor hatte Mourinho in der Regel nur einen von diesen beiden Ausnahmekönnern spielen lassen. In Sergio Ramos, Xabi Alonso, Cristiano Ronaldo und Karim Benzema standen zudem nur vier Feldspieler zu Beginn auf dem Platz, die auch zur Startelf am vergangenen Mittwoch zählten.

sid

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