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„Druck, dem er aktuell nicht standhält“: Fällt Kimmich beim FC Bayern in ein Loch?

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Nach der enttäuschenden WM sprach Joshua Kimmich davon, in ein Loch zu fallen. Wie hoch ist diese Gefahr einzuschätzen? Ein Sportpsychologe analysiert das DFB-Team.

Doha/München - Nach dem erneuten Vorrunden-Aus der Nationalmannschaft bei der WM sprach Joshua Kimmich (27) davon, in ein Loch zu fallen. Aktuell versucht der Mittelfeldmann des FC Bayern im Familienurlaub in Kitzbühel auf andere Gedanken zu kommen. Sportpsychologe Matthias Herzog erklärt seinen psychischen Zustand. 

Wie sehr kann das Binden-Thema die DFB-Mannschaft auf dem Platz beeinflusst haben?

Matthias Herzog: Die Mannschaft war nicht zu 100 Prozent bei der Sache im Spiel gegen Japan. Hinzu kommt, dass die Diskussion auch intern schnell zur gewissen Spaltung geführt haben könnte.

Kimmich und das DFB-Team bei der WM 2022: Fehlte Selbstvertrauen in die eigene Stärke?

Ist es ein Kopfproblem, dass es vor dem Tor nicht geklappt hat?

Herzog: Es fehlte in der Nationalmannschaft einfach das Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Keiner hat offen ausgesprochen oder darauf vertraut, Costa Rica mit acht Toren schlagen zu können, was absolut möglich gewesen wäre bei einer höheren Effizienz.

Seinen WM-Schmerz versucht Joshua Kimmich derzeit in den österreichischen Bergen zu lindern
Seinen WM-Schmerz versucht Joshua Kimmich derzeit in den österreichischen Bergen zu lindern. © sampics / Stefan Matzke

Joshua Kimmich im Leistungsloch: “Intelligenz einer der größten Erfolgsverhinderer“

Joshua Kimmich hat Angst, nun in ein Loch zu fallen.

Herzog: Kimmich ist ein sehr sensibler Spieler. Er besitzt einen hohen Perfektionismus und hat höchste Ansprüche an sich selbst. Er will unbedingt der nächste Kapitän werden. Dadurch setzt er sich extrem unter Druck, dem er aktuell nicht standhält. Wenn jemand seinen eigenen Erwartungen nicht gerecht wird und das bereits seit längerem, dann hat das signifikanten Einfluss auf das eigene Leistungsvermögen. Vor allem, wenn die Angst dazukommt, dass es so bleibt oder gar noch schlechter wird. In einem Zustand von Angst können wir teilweise nur noch 60 Prozent unseres Leistungsvermögens abrufen. Kimmich ist also gut beraten, im mentalen Bereich an sich zu arbeiten. Das Potenzial hat er allemal. Im Endeffekt ist er fast zu intelligent. Intelligenz ist einer der größten Erfolgsverhinderer, die es gibt.

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