Wirbel in der Premier League

Jürgen Klopp: Riesen-Skandal in England - Aufregung um Liverpool-Trainer

Eine Aussage von Liverpool-Legende John Barnes sorgt für Wirbel. Der frühere Mittelfeldmann denkt, Jürgen Klopp sei „unter anderen Umständen“ entlassen worden. 

  • Im Sommer 2015 heuerte Jürgen Klopp beim FC Liverpool an.
  • Die Zusammenarbeit entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte.
  • Liverpool-Legende John Barnes meint nun, der Deutsche hätte vorzeitig entlassen werden können - wenn er schwarz wäre.

Liverpool - Jürgen Klopp kam 2015 mit großen Erwartungen zum FC Liverpool. Der deutsche Erfolgstrainer sollte den taumelnden Traditionsverein zurück zu alter Stärke bringen. Etwas mehr als fünf Jahre nach Amtsantritt lässt sich getrost festhalten, dass ihm dies gelungen ist - wenn auch mit Startschwierigkeiten.

FC Liverpool: Klublegende sorgt für Diskussionen - „dann hätte Klopp seinen Job verloren“

In den Anfängen seines Engagements musste sich Klopp nämlich noch finden. In seiner Premierensaison reichte es beispielsweise nur für Platz Acht. Die Reds vertrauten allerdings auf den früheren Zweitligaspieler und hielten an ihm fest. Geht es nach einer Klublegende, hätte es damals aber auch ganz anders kommen können.

„Seien wir ehrlich“, sagt der frühere Liverpool-Profi John Barnes gegenüber der Website playoyo.com, „wie erfolgreich war Klopp in den ersten beiden Jahren wirklich, als er 25 Punkte Rückstand auf die Spitze hatte? Aber wir glaubten, dass er der richtige Mann war.“ Barnes, der mehr als 400 Spiele für die Reds machte, ist sich sicher: „Unter anderen Umständen hätte er seinen Job verloren.“ Konkret: „Wäre er schwarz gewesen, wäre er in den ersten beiden Jahren entlassen worden.“

John Barnes (hinten) trug insgesamt 403- Mal das Trikot des FC Liverpool und war 79- Mal für die englische Nationalmannschaft im Einsatz. Sein Vater stammt aus Trindidad & Tobago, seine Mutter aus Jamaika.

FC Liverpool: Rassismus-Debatte in England - Verbandschef tritt zurück

Eine gewagte Aussage, die in England für Aufregung sorgt. Die Rassismus-Debatte im englischen Fußball nimmt aktuell an Fahrt auf - das wurde vor einigen Tagen wieder einmal deutlich. Nach scharfer Kritik an Äußerungen über schwarze Spieler trat Greg Clarke als Vorsitzender des englischen Fußball-Verbandes FA zurück. Obwohl der 63-Jährige sich für die Verwendung des Begriffs „farbig“ und zudem die Bezeichnung von Homosexualität als „Lebensentscheidung“ später entschuldigt hatte, gab Clarke aufgrund des schnell wachsenden Drucks seine Demission bekannt.

Neben schwarzen will Barnes übrigens auch eine „Diskriminierung weißer, englische Trainer“ erkennen und meint: „Wäre Klopp Engländer, wäre er entlassen worden.“ Die Aussage bezieht sich auf die Top-6 der Premier League und tatsächlich waren heimische Coaches in den englischen Spitzenteams zuletzt rar, was der Blick auf die Fußballlehrer der Spitzenteams der abgelaufenen Saison zeigt.

  • FC Liverpool: Jürgen Klopp (Deutschland)
  • Manchester City: Pep Guardiola (Spanien)
  • Manchester United: Ole Gunnar Solskjær (Norwegen)
  • Chelsea London: Frank Lampard (England)
  • Leicester City: Brendan Rodgers (Nordirland)
  • Tottenham Hotspur: Mauricio Pochettino (Argentinien) / José Mourinho (Portugal)

FC Liverpool: Heldenfigur Klopp - Reds zurück in alter Form

Fernab jeglicher Spekulationen um die Trainer-Zukunft sowie Rassismus-Diskussionen lässt sich eines gewiss festhalten: Unter Jürgen Klopp haben sich die Reds wieder zu einem Spitzenteam entwickelt. Klopp hat das Spiel des LFC verändert, sogar in England sprechen sie mittlerweile von „Klopp-football“ und „Gegenpressing“. Der gebürtige Stuttgarter brachte Liverpool taktisch auf das nächste Level und verbesserte seine Schützlinge enorm. Ein schier unüberwindbarer Virgil van Dijk im Abwehrzentrum und ein famoses Offensivtrio um Mo Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino zeigten schon einigen Teams ihre Grenzen auf. Das Quartett schaffte unter Klopp den Sprung in die Weltklasse.

Die treuen Anhänger des FC Liverpool haben mittlerweile nicht nur Freude am Spiel, sondern endlich auch wieder etwas zu feiern. Der Champions-League-Triumph 2019 und allen voran die Meisterschaft 2020 bescherten dem früheren BVB-Coach endgültig Heldenstatus. 30 Jahre hatten die Scousers, wie die Menschen in der Region genannt werden, auf den Titel gewartet.

Sie lieben ihn. Nach der gewonnenen Meisterschaft strahlt ein lebensgroßes Abbild von Jürgen Klopp von einem Liverpooler Wohnhaus.

FC Liverpool im Herbst 2020: Krise? Welche Krise?

Auch deshalb verzeiht ihm das Groß der Anhänger, wenn es sportlich gesehen mal nicht so rund läuft. So wie Anfang Oktober, als man sich zwischenzeitlich Sorgen um den LFC machen musste: Im Carabao-Cup früh an Arsenal gescheitert, im Derby gegen Everton nur 2:2 und bei Aston Villa krachend mit 7:2 untergegangen. Die Stimmung an der Mersey lag zwischenzeitlich im Keller. Zumal sich van Dijk auch noch schwer verletzt hatte.

Mittlerweile ist von der Oktober-Tristesse jedoch kaum noch etwas zu spüren. Wettbewerbsübergreifend fünf Siege in Serie sowie ein 1:1 bei Meisterkonkurrent Manchester City brachten die Reds zurück in die Spur. In der Liga ist man Zweiter, in der Königsklasse auf Kurs Achtelfinale. Well done, Jürgen! (as)

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