tz-Experten-Kolumne

Weltmeister Kohler: "Die anderen sind nicht besser"

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Jürgen Kohler, Weltmeister 1990

München - Deutschland hat sich als Gruppenerster fürs Achtelfinale qualifiziert. Weltmeister Jürgen Kohler analysiert in der tz-Experten-Kolumne die Aussichten von Jogis Jungs.

Mit sieben Punkten hat sich unsere Nationalmannschaft souverän in ihrer Gruppe durchgesetzt. Das 1:0 gegen die USA war ein Arbeitssieg, mehr nicht. Aber der völlig durchweichte Rasen und die gut verteidigenden Amerikaner waren auch sehr schwer zu bespielen. Ich fand unsere Mannschaft in den beiden letzten Spielen nicht so stark wie gegen Portugal, aber es zählt einzig das Weiterkommen.

Jetzt haben wir als Gruppenerster eine gute Ausgangsposition für die K.o.-Runden. Unser Achtelfinal-Gegner ist schlagbar, das Viertelfinale sehe ich schon als Pflicht an. Ich habe das Team von Jogi Löw schon vor der WM als Top-Favoriten angesehen und daran hat sich nichts geändert. Die anderen Nationen sind nicht besser als wir. Chile sehe ich nach den bisherigen Auftritten als Geheimfavoriten, auch die Niederlande haben sich bisher stark präsentiert. Und die Franzosen, auf die wir im Viertelfinale treffen könnten, sind auch immer für eine Überraschung gut.

Natürlich braucht unsere Mannschaft für den Titel auch ein Quäntchen Glück, das gehört immer dazu. Uns gab 1990 das Achtelfinale gegen die Niederlande die Initialzündung. Das war ja fast schon Fügung des Schicksals, nachdem wir bei der EM zwei Jahre zuvor an ihnen gescheitert waren. Als wir das Spiel gewannen, war uns klar: Wir haben gute Chancen auf den Titel. So einen Ruck kriegst du auch, wenn du ein Spiel noch drehst oder in Unterzahl den Sieg über die Zeit schaukelst. Ich halte nichts davon zu sagen: "Jetzt müssen wir noch näher zusammenrücken." Wenn du vorher kein eingeschworener Haufen bist, dann wirst du es auch während des Turniers nicht.

Allerdings muss sich die Mannschaft in der Defensive noch ein bisschen steigern. Obwohl die Amerikaner das ganze Spiel über harmlos waren, hatten sie in der Nachspielzeit die Chance zum Ausgleich. Man darf dem Gegner über 90 Minuten vor dem eigenen Tor nichts anbieten, ein Tor kann jetzt das Aus bedeuten.

 Von Jürgen Kohler, Weltmeister 1990

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