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Kahn zur K-Frage: "Lahm? Ich weiß nicht ..."

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Oliver Kahn war beim FC Bayern ein Musterkapitän
Oliver Kahn war beim FC Bayern ein Musterkapitän © dpa

München/Eppan - Bei der Kapitänsfrage im DFB deutet alles auf Philipp Lahm. WM-Experte Oliver Kahn hält viel von seinem ehemaligen FC-Bayern-Mitspieler, ist aber nicht restlos überzeugt.

Ballack, Kahn, Klinsmann, Matthäus, Rummenigge, Vogts, Beckenbauer, Seeler: Die Liste der deutschen WM-Kapitäne liest sich wie das Who-is-Who unserer Fußballgeschichte. Durch Michael Ballacks WM-Aus wurde der Nationalmannschaft der Kopf, der Capitano entrissen. Wer wird sein Nachfolger, der Vertreter für das Turnier in Südafrika?

Weltmeisterlich! Die deutschen Spielerfrauen

Nachdem am Mittwoch Mittag mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Jörg Butt die letzten Spieler in Eppan eintrafen, versammelte Jogi Löw die drei Kandidaten in der Turmsuite im Hotel Weinegg. Der Bundestrainer und sein Team sind sich seit einigen Tagen sicher, wer den Capitano vertritt. Am Mittwochabend sollte die Entscheidung den Spielern mitgeteilt werden, was kurzerhand auf Donnerstagvormittag verschoben worden ist. 

Sei's drum: Topfavorit bleibt Philipp Lahm. „Aber nicht nur der Ersatz für Michael Ballack kann das Team führen“, betonte Löw, „wir müssen die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen“.

Schöne Theorie – in der Praxis aber gefährlich, warnt Oliver Kahn in der tz! „Das sagt man immer so leicht: Die Aufgaben verteilen, jeder soll Verantwortung übernehmen. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann brauchst du einen Anführer. Die Mannschaft benötigt dann einen Fixpunkt, an dem sie sich aufrichten kann, der die Richtung vorgibt.“

Eben so wie Kahn bei der WM 2002. Da hielt er nicht nur Bälle, er legte sich auch mit Gegenspielern an. Nicht, um Frust abzulassen – sondern um das eigene Team wachzurütteln. Könnte das auch einer wie Philipp Lahm?

Philipp Lahm und seine schöne Claudia

„Bei der Wahl des Kapitäns geht es ja auch immer um die Anzahl der Einsätze im Nationaltrikot“, sagt der 40-Jährige, „Philipp ist lange genug dabei, er hat viel Erfahrung. Von dem her, was er erlebt hat, passt es.“ Doch dann holt Kahn Luft – und setzt zum „aber“ an: „Ob Lahm während des Turniers die Führungsqualitäten hat, muss er erst noch beweisen.“

Denn Lahm ist bei all seiner Klasse, bei all seinen klaren Gedanken auf dem Feld nicht als Lautsprecher bekannt. „Als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hast du eine große Verantwortung. Der Spieler mit der Binde muss permanent vorangehen“, erklärt der Mann, der zum besten Spieler der WM 2002 ausgezeichnet wurde. „Wenn die Mannschaft strauchelt, eben diesen Fixpunkt sucht, dann muss der Kapitän da sein.“

Ob Lahm diese Anforderungen schon erfüllen kann, ist für Kahn nicht sicher. „Philipp ist ein klasse Fußballer. Aber ich weiß nicht, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist. Das muss er erst zeigen, erst beweisen.“ Zweifel schwingen mit… Klar: Intern vertritt Lahm immer seine Meinung, haut auch auf den Tisch. Als Ballack-Ersatz müsste er auch auf dem Feld zum lautstarken Leader werden. Als Spielführer ist er noch reichlich unerfahren, führte das Team nur beim unbedeutenden Test gegen China bei der Asienreise im Sommer 2009 aufs Feld. „Eine WM ist sehr lang, da durchläufst du schwierige Phasen“, sagt Kahn, „als Spielführer musst du immer positiv sein, Mut machen, jeden Tag vorangehen.“

Und was hält Kahn von Alternativ-Kandidat Bastian Schweinsteiger? „Egal ob als Kapitän oder nicht: Ihm wird sicherlich eine sehr große Rolle bei der WM zukommen“, meint Kahn. „Nach dem Ausfall von Ballack muss er noch mehr Verantwortung tragen. Aber ich kenne Bastian: Er lässt sich davon nicht erdrücken. Bastian wird die Aufgabe meistern.“

Tobias Altschäffl

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