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„Kamada erinnert mich an Zidane“: MagentaTV-Experte Bobic schwärmt von Japans Superstar

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Von: Johannes Ohr

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Fredi Bobic
Fredi Bobic, Geschäftsführer von Hertha BSC. © Andreas Gora/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa/Archivbild

Deutschland trifft zum WM-Auftakt auf Japan. Fredi Bobic kennt einige Nationalspieler des Kontrahenten natürlich bestens - und spricht im tz-Interview über sie.

Deutschland gegen Japan - Hertha-Boss Fredi Bobic (51) begleitet das DFB-Auftaktspiel und die weiteren Partien in den nächsten drei Tagen zusammen mit Michael Ballack und Tabea Kemme als MagentaTV-Experte. Das tz-Interview.

Neun Spieler in Japans WM-Kader stehen in Deutschland unter Vertrag. Warum funktioniert diese Beziehung so gut?

Bobic: „Ich liebe japanische Spieler! Ihre Mentalität ähnelt unserer sehr. Sie sind fleißig, pünktlich, wollen sich immer weiterentwickeln und haben natürlich auch fußballerisch einiges drauf. Dafür gibt es viele Beispiele.“

Zum Beispiel?

Bobic: „Mein erster japanischer Spieler, den ich geholt habe, war Shinji Okazaki beim VfB Stuttgart. Er hat sich schnell angepasst, deutsch gelernt, hatte immer ein Lächeln auf den Lippen und eher sich selbst kritisiert, als mit dem Finger auf andere zu zeigen. Makoto Hasebe war in Frankfurt ein toller Anführer.“

Was zeichnet Daichi Kamada aus?

„Er ist ein Fußballvirtuose. Trotzdem hat er ein bisschen gebraucht, als er aus Japan zu uns nach Frankfurt kam. Niko Kovac hat mal zu mir gesagt: Er ist wie ein nasser Waschlappen. Er kann super kicken, fällt er aber immer gleich um. Während seiner Leihe in St. Truiden wurde er dann immer besser. Er hat eine Eleganz, die mich an Zinedine Zidane in seinen besten Zeiten erinnert. Daichi schwebt an den Spielern vorbei.“

Ist er Japans bester Spieler?

Bobic: „Er ist derjenige, der mit einer Aktion den Unterschied ausmachen kann. Er ist viel torgefährlicher als in seinen Anfangszeiten.“

Sie holten ihn zu Eintracht Frankfurt. Wie wurden Sie auf ihn aufmerksam?

Bobic: „Thomas Kroth hat ihn mir empfohlen. Als ich ihn gescoutet habe, hat er noch auf der Außenbahn gespielt. Er hat aber eine unfassbare Technik, deshalb war schnell klar, dass er ins Zentrum muss.“

Kann Japan Deutschland wirklich gefährlich werden?

Bobic: „Für Hansi Flick ist es super, dass die Mannschaft gleich gegen einen solchen Gegner ranmuss. Du bist Favorit, musst aber trotzdem hundert Prozent geben, weil Japan eben schon gut ist. Wenn wir konzentriert bleiben, gerade in der Abwehr, die ich als unsere Schwachstelle ansehe, und Japan nicht in die Tiefe kommen lassen, dann werden wir gewinnen. Wenn nicht, werden wir unser blaues Wunder erleben. Japan kann uns durchaus am Weiterkommen hindern.“

Was halten Sie vom FIFA-Verbot der One Love-Binde?

Bobic: „Ich glaube, in Deutschland wird darüber am meisten diskutiert. In den USA, wo ich gerade bin, ist das nicht so. Ich hätte gerne gesehen, wie die FIFA reagiert, wenn alle Verbände zusammenhalten. Sie wollen sich jetzt halt auf Fußball konzentrieren. Da muss man dann auch die Spieler verstehen. Eins ist aber auch klar: Was die FIFA macht, ist einfach nur peinlich. Eine Halbzeit dauert ja auch mittlerweile nicht mehr nur 45 Minuten, sondern mit Nachspielzeit plötzlich 60. Ich bin gespannt, was davon auf die Bundesliga ausstrahlt.“

Jetzt wird darüber diskutiert, wie der DFB um Kapitän Manuel Neuer auf das Verbot reagieren soll. Ohne Binde auflaufen? Oder mit Binde auflaufen und eine Strafe riskieren?

Bobic: „Von außen ist es einfach, den Sportlern zu sagen, was sie zu machen haben. Die Spieler sind wegen des Sports da, nicht wegen der Politik.“

Während der DFB wegen der Androhung sportlicher Sanktionen auf die One Love-Binde verzichtet, schweigen die iranischen Nationalspieler bei der Hymne, um die Proteste in ihrem Heimatland zu unterstützen – obwohl sie dafür massive Strafen erwarten könnten…

Bobic: „Ja, und das ist ein klares Statement. Trotzdem lassen sich diese zwei Dinge nicht vergleichen. Die Iraner verbünden sich mit ihrem Volk, ihnen geht es darum, was in ihrer Heimat passiert – und nicht in Katar.“

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