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Keine Interviews: Maulkorb für WM-Schiedsrichter

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Wolfgang Stark und sein Team sind als einzige Unparteiische aus Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika dabei. © dpa

Frankfurt/Main - Die 28 Schiedsrichter-Gespanne für die Fußball-Weltmeisterschaft haben vom Weltverband FIFA einen Maulkorb verpasst bekommen.

"Ich habe eine Mail bekommen, wo es hieß, dass alle Interviews bis zur Abreise abgeschlossen sein müssen", sagte Wolfgang Stark der Nachrichtenagentur dpa. "Ab der Ankunft haben wir keine Genehmigung mehr dafür."

Der 40-Jährige aus Ergolding bildet zusammen mit seinen Assistenten Jan-Hendrik Salver (Stuttgart) und Mike Pickel (Mendig) das einzige deutsche Unparteiischen-Gespann in Südafrika. Schon am ersten WM-Wochenende wird es ernst für das Trio: Der deutsche Referee wurde von der FIFA mit der Begegnung der Gruppe B zwischen Argentinien und Nigeria am 12. Juni im Johannesburger Ellis Park betraut. Der Weltverband hatte bereits am Samstagabend überraschend die Schiedsrichter für die ersten 16 WM-Partien nominiert.

Der Ellis Park und die weiteren WM-Stadien

Die Vorgaben der FIFA, erklärte Stark, seien auch "bei Champions-League-Spielen gang und gäbe". Während in der Bundesliga die Referees nach den Spielen zu umstrittenen Szenen befragt werden können, wird dies auf internationaler Ebene nicht gern gesehen. "Zu Spielsituationen dürfen wir generell nichts sagen", sagte Stark.

Einerseits hat der Bankkaufmann der Sparkasse Landshut Verständnis für die Prämissen der FIFA: "Wir sollen uns eben auf die wichtigen Dinge konzentrieren." Andererseits würde der Referee, der schon bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking pfiff, gern ein WM-Tagebuch auf der Homepage des Bayrischen Fußball-Verbandes schreiben, um seine Eindrücke bei dem Weltereignis wiederzugeben: "Da muss ich vor Ort klären, ob das erlaubt ist."

"Wir freuen uns, dass es losgeht"

Bis zum ersten Spiel am 11. Juni zwischen Südafrika und Mexiko stehen für die WM-Schiedsrichter noch eine intensive Schulung mit Videoanalysen sowie diverse Trainingseinheiten an. Verantwortlich dafür sind die Spanier José Maria García-Aranda als Leiter der FIFA-Schiedsrichter-Abteilung und Angel Maria Llona, Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission des Weltverbandes.

Der WM-Kader Deutschlands

"Wir werden noch gebrieft und bekommen eine spezielle Einweisung", sagte Stark. Noch wissen die Spielleiter nicht, auf was sie bei der WM besonders achten sollen und bei welchen Vergehen der Profis sie hart durchgreifen sollen. "Der Zeitplan ist sicher etwas anders als sonst, aber das lassen wir auf uns zukommen."

Stark und Co. waren am Mittwoch nach Südafrika geflogen. Die Referees sind in der Nähe von Pretoria untergebracht. "Wir sind richtig gespannt und freuen uns, dass es losgeht", sagte der Bayer mit der Erfahrung von 28 Länderspielen, 54 Europacup- und 222 Bundesliga-Begegnungen. Ein Spiel hat jeder Unparteiische garantiert, im Schnitt dürfte jeder Nominierte auf drei WM-Begegnungen kommen.

Traum vom Finale

Der Traum aller Referees ist natürlich das Finale. "Es wird für ihn eine Erinnerung werden, die ein ganzes Leben bleibt, weil das Ereignis so beeindruckend ist", sagte Pierluigi Collina, der glatzköpfige Italiener mit Kultstatus, der Zeitschrift "11 Freunde". Er war 2002 der Unparteiische des WM-Endspiels zwischen Brasilien und Deutschland (2:0). Collina erinnert sich: "Wir mussten damals zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff im Stadion sein, weil danach der ganze Verkehr gestoppt wurde, als sich der japanische Kaiser auf den Weg machte."

Von Ulrike John, dpa

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