Rainer Kalb: Nachspiel - Die Fußball-Kolumne

Kevin, das war gruselig!

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Kevin Kuranyi bei der Pressekonferenz nach dem Rauswurf

Wenn ein 26-jähriger, also erwachsener Mensch seine Freunde losschickt, um Klamotten abzuholen, dann darf wohl von einer geplanten Aktion ausgegangen werden.

Alle, die die Fahnenflucht von Kevin Kuranyi noch entschuldigen wollen, machen sich lächerlich. Dieser falsch beratene Egoist, der die Prinzipien des Mannschaftssports Fußball nicht verstanden hat, hat nicht einmal den Mut besessen, sich von seinen „Kameraden“ und von der Öffentlichkeit zu verabschieden. Die Pressekonferenz kam viel zu spät. Wie sein „Berater“ den Rauswurf noch in einen Rücktritt umdeuten wollte, hatte Kabarettreife. Und Vereine bezahlen Geld für solche Berater! Es ist gruselig.

Betroffen: Kevin Kuranyi bei der Pressekonferenz nach dem Rauswurf

Betroffen: Kevin Kuranyi bei der Pressekonferenz nach dem Rauswurf © 
Kevin Kuranyis Nationalmannschaftskarriere in der Ära Joachim Löw ist beendet! © dpa
Er hatte am Samstag wütend über seine Verbannung auf die Tribüne das Stadion verlassen ... © dpa
... und sich nicht mehr bei der Mannschaft blicken lassen. © dpa
Joachim Löw warf ihn daraufhin aus der Nationalmannschaft. © dpa
Seine Sachen ließ er von Bekannten aus dem Hotel holen. © dpa
Bei einer Pressekonferenz am Montag warb Kevin Kuranyi um Verständnis für seine Kurzschlussreaktion. © dpa
Der Frust habe sich über Jahre angestaut. © dpa
"Das Gesamte konnte ich nicht mehr tragen." © dpa
Kuranyi schloss nicht aus, trotzdem wieder für Deutschland zu spielen: “Was in der Zukunft passiert, entscheiden andere Menschen“, erklärte Kuranyi. © dpa
Löw betonte bei der zeitgleichen Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Düsseldorf, dass er die telefonische Entschuldigung von Kuranyi für dessen unerlaubtes Entfernen von der Nationalmannschaft angenommen habe. © dpa
Zugleich hat er die Trennung vom Schalker Stürmer aber als “unwiderruflich“ bezeichnet. “Daran gibt es nichts zu rütteln“, erklärte Löw. © dpa
Kuranyi hatte sich erst am später Sonntagabend bei Löw gemeldet “und sich grundsätzlich für seine Reaktion entschuldigt“, sagte der DFB-Chefcoach. © dpa
Kuranyi will sich vorerst ganz auf seine Aufgaben beim FC Schalke konzentrieren. “Ich habe genügend Ziele, die ich noch erreichen möchte“, sagte der 26-Jährige. © dpa
Kuranyi hatte 52 Länderspiele für Deutschland bestritten und dabei 19 Tore erzielt. Weitere werden vorerst nicht dazukommen. © dpa

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Der Fall Kuranyi hat eine andere Qualität als der Stinkefinger von Effenberg, die Maulwurf-Affäre von Lothar Matthäus oder die Suppenkasper-Attacke von Uli Stein. Abgesehen davon, dass endlich einmal niemand vom FC Bayern betroffen ist – wer war so weise, nicht auch Kuranyi vom Markt zu kaufen und auf die Bank zu setzen? – abgesehen davon ist die Aktion des Schalkers unerhört, flegelhaft, eine Frechheit.

Er mag sich mit dem Schalker Publikum anlegen weil er – ganz im Stile eines deutschen Bankers – bei Versagen Unterstützung einfordert und auf Kritik unwirsch reagiert. Aber er hat nicht das Recht, die deutsche Nationalmannschaft klammheimlich wie ein Taschendieb während eines Spiels durch einen Seitenausgang zu verlassen. Das ist eine Verhöhnung der Fans, die nicht geht.

Und wenn jetzt Schalke-Manager Andreas Müller mit Krokodilstränen um Verständnis für den ach so enttäuschten Profi wirbt, ist auch das gequirlter Unsinn. Ein Manager hat nachzurechnen, wie viel Marktwert sein Problemkind durch diese Tölpelhaftgkeit verloren hat. Da geht es an den zweistelligen Millionenbereich. Das sollte ein Vereinsmanager aussprechen, statt verständnisvoll einen millionenreichen Kindskopf zu streicheln, der egoistisch alle Regeln der Mannschaftssportart außer Kraft setzt.

Lothar Matthäus und Stefan Effenberg wurden einst auch „auf ewig“ in Acht und Bann geschlagen, und als die Not groß war, musste Bundesberti bei beiden zu Kreuze kriechen. Es bleibt zu hoffen, dass Miro Klose und Lukas Podolski dank Klinsmann sehr gut bleiben, damit Löw ein Kriechgang nach Schalke erspart bleibt.

Wobei: Wenn Klinsmann schon Journalisten entfernen lässt, warum soll Kuranyi sich nicht von der Nati entfernen dürfen? Ich verstehe noch den Fußball – aber die Welt um ihn herum (und die Welt grundsätzlich) nicht mehr. Es bleibt nur Staunen.

Rainer Kalb

tz-Kolumnisten vertreten ihre von der Redaktion unabhängige Meinung. Rainer Kalb im Internet unter www.gazetta24.de

Deutschland gegen Russland: Jogis Jungs in der Einzelkritik

Deutschland gegen Russland: Jogis Jungs in der Einzelkritik © 
Starkes Debüt nach Anfangs-Nervosität: Das Gegentor konnte der 23-Jährige nicht verhindern, danach Rettungstat gegen Semak (55.). Wurde dann noch zum erhofften Rückhalt. Vorerst die Nummer 1. Note 2. © dpa
Der Berliner war erst schwer beschäftigt mit dem schnellen Schirkow, später mit Arschawin. Konnte sie nicht immer stoppen. Note 3,5. © dpa
Im 50. Länderspiel im Glück: Fast wäre sein Fehler kurz vor Schluss bestraft worden (88.). Meist Sieger gegen Pogrebnjak. Note 4. © dpa
Hellwach und engagiert, resolut in den Zweikämpfen. Pech beim Kopfball (33.). Rehabilitierte sich für die Patzer in Finnland. Note 3. © dpa
Der Fehler beim 1:2 warf einen Schatten auf eine ansonsten starke Leistung: Hinten und vorne viel unterwegs - ein Aktivposten. Note 2,5. © dpa
Bekam den Vorzug gegenüber Frings - und nutzte die Chance: Wich keinem Zweikampf aus, leitete zudem das erste Tor ein. Note 3. © dpa
Der Kapitän marschierte vorneweg und unterstrich seinen Führungsanspruch. Sehr präsent auf dem Platz - auch in der Spitze: Starker Volleyschuss (8.), Krönung das 39. Tor im 88. Länderspiel. Note 2,5. © dpa
Vom EM-Touristen zur Stammkraft: Wegbereiter zum 2:0, ballsicher, zielstrebig, schussstark: Pech beim Lattentreffer (62.). Note 2. © dpa
Startete gut. Sein überlegtes Zuspiel bei Ballacks Tor war eine Augenweide. Ließ später nach und verlor zu viele Bälle. Note 4. © dpa
Auch ohne Treffer wertvoller Teamworker in vorderster Front. Bereitete das Podolski-Tor vor. Rieb sich bis zur Auswechslung auf. Note 3,5. © dpa
Da war er wieder, der “Deutschland-Poldi“: Erzwang das 1:0, sein 31. Tor im 58. Länderspiel. Beweglich und schussstark, zwang Torhüter Akinfejew zweimal aus der Distanz zu Paraden (34./42.). Note 2. © dpa
Kam kurz vor Schluss für den starken Trochowski. Sollte mit seiner Kampfkraft die Russen stoppen und den Sieg mit verteidigen. Ohne Bewertung. © dpa
Kam für Klose (71.): Konnte sich in der Spitze nicht entscheidend in Szene setzen. Blieb ohne Torgefahr. Ohne Bewertung. © dpa
Simon Rolfes kam in der Nachspielzeit für Hitzlsperger (90.+3), ohne Bewertung. © dpa

Quelle: tz

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