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Kimmich-Schock: Münchner Top-Arzt erklärt seine Corona-Komplikation

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Von: Andreas Beez

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Joshua Kimmich hat nach seiner Corona-Infektion mit Lungenbeschwerden zu kämpfen.
Joshua Kimmich hat nach seiner Corona-Infektion mit Lungenbeschwerden zu kämpfen. © Imago

Nach seiner Corona-Infektion fällt Bayern-Star Joshua Kimmich einige Wochen aus. Er leidet an einer häufigen Covid-Komplikation. Der Münchner Top-Arzt und Long-Covid-Experte Professor Dr. Martin Halle erklärt im Interview mit tz und Münchner Merkur die Erkrankung und analysiert die Heilungschancen.

Der Münchner Sportkardiologe Professor Dr. Martin Halle von der TU München
Sportkardiologe und internistischer Reha-Spezialist: Professor Dr. Martin Halle von der TU München © Klinik

Als Laie kann man sich das vorstellen wie eine Art Mini-Lungenentzündung.

Professor Martin Halle über Joshua Kimmichs Lungenprobleme.

In der Fußballersprache würde man sagen, Professor Martin Halle (59) von der TU München spielt in der Champions League der Sportmediziner. Als Sportkardiologe, internistischer Reha-Spezialist und Leiter einer Long-Covid-Ambulanz analysiert er Joshua Kimmichs Lungen-Diagnose.

Entzündungsprozesse kommen manchmal erst nach mehreren Tagen in Gang

Warum hat Herr Kimmich plötzlich mit Flüssigkeitseinlagerungen in der Lunge zu kämpfen, obwohl er offenbar kaum etwas von seiner Covid-Erkrankung gemerkt hat?
Martin Halle: Solche Infiltrationen gehören zu den häufigsten Komplikationen. Als Laie kann man sich das vorstellen wie eine Art Mini-Lungenentzündung. Jeder, der nach einer Covid-Erkrankung hustet, hat ähnliche Veränderungen in der Lunge wie Herr Kimmich. Der Husten ist eine Reaktion auf einen Reizzustand. Manchmal kommen diese Entzündungsprozesse erst mehrere Tage nach der eigentlichen Infektion in Gang. Mitunter merkt es der Patient auch gar nicht.

 
Warum schlägt Corona mit Verzögerung zu?
Halle: Corona ist tückisch. Es kann die Lunge durch zwei Mechanismen schädigen. Zum einen durch Virus selber, zum anderen durch die Immunreaktion des Körpers. Nach etwa sieben bis zehn Tagen wird ein Zytokinsturm in Gang gesetzt – vereinfacht erklärt ein Gewitter aus Abwehrzellen gegen die Viren. Dadurch werden haarfeine Gefäße der Lunge zerstört, man nennt sie Kapillaren. Noch dazu verklumpen rote Blutkörperchen und Blutblättchen. Die Gefäße verschließen sich, es geht Gewebe zugrunde. Dadurch wiederum bildet sich Flüssigkeit – wie bei einer Schwellung, wenn man sich zum Beispiel die Bänder im Fuß gerissen hat.
 

Komplikation kann kommen, wenn der Corona-Patient schon wieder negativ getestet ist

Wie stellt man solche Komplikationen fest?
Halle: Das Gemeine ist, dass sie sich auch erst dann entwickeln können, wenn sich der Patient nicht mehr in Quarantäne befindet, bereits negativ getestet ist, und glaubt, er sei wieder voll auf dem Posten.
 

Bei Herrn Kimmich ist von „leichten Infiltrationen“ die Rede. Wie schnell heilen solche Erkrankungen aus?
Halle: Auf den CT-Bildern sieht man in ähnlichen Fällen sogenannte Milchglasveränderungen. Das bedeutet: Im Gewebe steckt ganz diffus Flüssigkeit. Die Lunge ist ein feines Organ. Wenn die dünnen Membranhäutchen der Lungenbläschen entzündet sind und verkleben, gehen sie nie wieder auseinander. Das bleibt so. Es kommt also darauf an, wieviele betroffen und in welchem Ausmaß sie geschädigt sind.

Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten

 
Wie werden solche Erkrankungen behandelt?
Halle: Meist mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortison.
 

Wann sollte man nach Covid wieder Sport treiben?
Halle: Ich unterscheide drei Kategorien: nach dem Ende eines milden Verlauf zwei Wochen Pause. Wenn die Lunge betroffen war, einen Monat Pause. Und wenn auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen wurde, dann drei Monate.

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