VfL-Geschäftsführer im tz-Interview

Allofs: "Traumfußball ist nicht der Anspruch"

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Klaus Allofs, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg

München - Klaus Allofs, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, spricht im tz-Interview über die hohe deutsche Erwartungshaltung bei der Fußball-WM, Mertesackers Reaktion und das Spiel gegen Frankreich.

Herr Allofs, die deutsche Mannschaft musste nach dem 2:1 über Algerien viel Kritik einstecken. Zu Recht?

Klaus Allofs (57): Nein, ich konnte die Kritik in diesem Maße nicht verstehen. Es war sicher kein übermäßig attraktiver Fußball, aber bei einem Weiterkommen die Kritik in den Vordergrund zu stellen, fand ich schon sehr seltsam.

Überzeugend geht aber anders…

Klaus Allofs: Wenn man denkt, man könne den Gegner an die Wand spielen, ist das falsch. Aber das erlebt man ja öfter. Es soll gewonnen werden, am besten hoch – und dann soll der Gegner auch noch völlig ohne Chance gewesen sein. Trotzdem hatte ich gegen Algerien immer das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen. Sicher ist es richtig, dass nicht alles optimal lief – aber das beunruhigt mich nicht. Was die Mannschaft leisten muss, um die Spiele zu gewinnen, tut sie doch.

Per Mertesacker hat deutlich gemacht, was er von der Kritik hielt. Mit Hintergedanken oder einfach aus der Emotion?

Klaus Allofs: Ich kenne Per sehr gut. Er ist keiner, der da kalkuliert und sich Dinge zurechtlegt. Das war seine ehrliche Gefühlslage direkt nach dem Spiel. Und unmittelbar nach dem Erreichen der nächsten Runde in erster Linie eine Fehleranalyse zu machen: Da kann ich seine Reaktion sehr gut nachvollziehen.

Unterm Strich zählt ja auch nur das Weiterkommen…

Klaus Allofs: Richtig. Was nützt es der Mannschaft, wenn sie mit Lob überhäuft wird, aber die Koffer packen muss? Ich glaube nicht, dass sich die Spieler jetzt viele Gedanken darüber machen, dass der Auftritt gegen Algerien nicht so glanzvoll war. Traumfußball kann nicht der Anspruch sein.

Nach dem 4:0-Auftakt gegen Portugal freuten sich aber alle schon darauf…

Klaus Allofs: Das ist ja das Verrückte. Man sieht ein Ergebnis und denkt: Alles ist gut. Aber die Leute, die nah an der Mannschaft dran sind, die analysieren so ein Spiel ganz anders als die Medien. Es hängt nicht alles nur vom Resultat ab, sondern von der eigenen Leistung und auch von der des Gegners. Und die Portugiesen waren bisher sicher unser schwächster Gegner. Deshalb hat das 4:0 vielleicht eine ganz falsche Erwartungshaltung geweckt.

Wie beurteilen Sie denn die bisherigen Leistungen der deutschen Elf?

Klaus Allofs: Ich finde es gut, wie die deutsche Mannschaft auftritt. Sie hat meistens die Kontrolle über das Spiel, ist sehr ballsicher und macht nur wenige Fehler. Und den besten Torhüter des Turniers haben wir sowieso. Mit den bisherigen Leistungen bin ich absolut einverstanden, die Jungs machen das gut.

Wo macht Philipp Lahm seine Sache besser? Im Mittelfeld oder als Verteidiger?

Klaus Allofs: Ich weiß gar nicht, ob Philipp unbedingt hinten rechts spielen muss. Gegen Algerien war es im späteren Verlauf der Partie sicher die bessere Lösung. Ich denke, es wird davon abhängig sein, ob Mats Hummels wieder fit ist. Dann kann Jerome Boateng wieder rechts verteidigen. Jogi Löw weiß, was Philipp auf der Position kann, aber es scheint aus irgendwelchen Gründen nicht seine favorisierte Lösung zu sein.

Frankreich trumpft auch ohne Franck Ribéry bisher auf – ist das der Ballack-Effekt wie bei unserem Team 2010?

Klaus Allofs: Mit Ribéry hätten die Franzosen sicher noch mehr Möglichkeiten. Aber sein kurzfristiger Ausfall schweißt die Mannschaft noch mehr zusammen. Nach dem katastrophalen Auftritt vor vier Jahren sind sie in der totalen Verantwortung, als Einheit aufzutreten. Das haben sie geschafft. Doch Ribéry kann durch eine Einzelaktion ein Spiel entscheiden – das könnte den Franzosen morgen gegen Deutschland vielleicht fehlen.

Interview: Sven Westerschulze

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