Scharfe Kritik an Klinsmann: Kann er die Südkoreaner überzeugen?
Der frühere Bundestrainer und Weltmeister soll ein talentiertes Team zu neuen Höhen führen. Doch in Südkorea sind die Zweifel an Klinsmann groß.
München – Der Sonnyboy ist zurück. Knapp drei Jahre nach dem krachend gescheiterten Abenteuer bei Hertha BSC übernimmt Jürgen Klinsmann (58) den Chefposten bei der südkoreanischen Nationalmannschaft. Klinsmann soll den zweimaligen Asienmeister zur Weltmeisterschaft 2026 in die USA und Mexiko führen. Entsprechend wurde der frühere Bundestrainer vom südkoreanischen Fußballverband (KFA) mit einem Vertrag bis zum kommenden WM-Finale ausgestattet.
Klinsmann tritt neuen Job in Südkorea an – „völlig negative“ Reaktion der Fans
„Wir sind nicht in der Lage, Weltklasse-Trainer zu rekrutieren. Die koreanische Mannschaft hatte nicht viele Kandidaten. Klinsmann ist nicht die beste, aber auch nicht die schlechteste Wahl“, findet der südkoreanische Journalist Daweo Jung von der Zeitung Sports Seoul zur tz.

Die Reaktion der Südkoreaner auf den neuen Nationaltrainer sei „völlig negativ“ ausgefallen. Jung: „Der Schatten von Paulo Bento wird Klinsmann bis zum Ende seiner Amtszeit verfolgen.“ Der Portugiese Paulo Bento hatte Südkorea bei der WM in Katar bis ins Achtelfinale geführt. Dort war gegen Brasilien Endstation. Danach hatte Bento seinen Abschied verkündet. Unter Guus Hiddink hatte Südkorea 2002 den vierten Platz belegt.
Erste Trainer-Stelle nach Hertha-Debakel: Kann Klinsmann in Korea an alte Erfolge anknüpfen?
Künftig will Klinsmann, der bereits vor fünf Jahren ein Kandidat für den Posten als südkoreanischer Nationaltrainer war, an die großen Erfolge anknüpfen. Jung traut ihm den ersten Coaching-Job nach seinem Aus im Februar 2020 bei der Hertha nicht wirklich zu. „Wir alle wissen, dass Klinsmann etwa drei Jahre pausiert hat. Nach 2016 ging es mit ihm bergab. Das ist jetzt schon sieben Jahre her“, meint der Experte mit Verweis auf Klinsmanns Zeit als Trainer der US-Nationalmannschaft. „Er wird in Frage gestellt. Vor allem die Kritik von Philipp Lahm in seinem Buch ist in Korea in diesen Tagen ein viel diskutiertes Thema.“
2011 hatte Philipp Lahm die Arbeit von Klinsmann als Bayern-Coach (2008–2009) seziert. Vor allem dessen taktische Fähigkeiten stellte der Ex-FCB-Kapitän bloß. Aber auch Klinsmanns Zeit bei der Hertha lässt einige Südkoreaner zweifeln, obwohl er mit seiner damaligen Kritik am Verein und den Spielern auch richtig gelegen hatte.
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Klinsmann im Fokus: Zweifel an taktischen Fähigkeiten des Weltmeisters
„Ich bin besorgt über seine Einstellung in Berlin, aber noch besorgniserregender ist sein Können. Heutzutage spielen viele koreanische Spieler in Europa“, so Jung. „Sie spielen unter Managern, die über einen hohen Trainingsstandard und taktische Fähigkeiten verfügen. Er nennt Son Heung-min (Tottenham), Kim Min-jae (Neapel), Lee Jae-sung (Mainz) und Hwang Hee-chan (Wolverhampton). „Sie spielen unter Managern, die über einen hohen Trainingsstandard und taktische Fähigkeiten verfügen. Ich bin mir nicht sicher, ob Klinsmann deren Anforderungen erfüllen kann. Wenn nicht, wird er scheitern.“
Fakt ist: Als Nationaltrainer war Klinsmann durchaus erfolgreich. Von 2004 bis 2006 hatte der Weltmeister von 1990 Deutschland betreut und das DFB-Team zum dritten Platz bei der Heim-WM geführt. Von Juli 2011 bis November 2016 war er Nationalcoach der USA und gewann den Gold Cup 2013. „Seine Erfolge mit Deutschland und den USA liegen zu sehr in der Vergangenheit“, betont Jung. „Ich habe gehört, dass Klinsmann vier andere Trainer mitbringen wird, die ihm helfen sollen. Sie sind der Schlüssel zum Erfolg. Er muss die koreanischen Spieler und den asiatischen Fußball verstehen. Zwei weitere koreanische Trainer werden ihm helfen. Die Zusammenarbeit des ‚Teams Klinsmann‘ ist wichtig.“
Sein Debüt soll Klinsmann am 24. März im Länderspiel gegen Kolumbien geben. Am 28. März geht es in Seoul gegen Uruguay weiter. Jung: „Der koreanische Fußballverband wird nach der AFC Asienmeisterschaft 2024 (Januar 2024, Anm.) eine Bewertung vornehmen.“ (Philipp Kessler)