Klinsmann: Warum ich nicht US-Trainer werde

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Jürgen Klinsmann bleibt ohne Job

New York - Jürgen Klinsmann philosophiert liebend gerne über Fußball. Er verhandelt weltweit über Trainerjobs. Aber der 46-jährige Schwabe lehnte zum zweiten Mal nach 2006 den Posten des US-Nationaltrainers ab.

Jürgen Klinsmann bleibt (vorerst) Privatier. Ohne ausreichende Machtfülle wollte sich der 46 Jahre alte Schwabe die Herausforderung als neuer US-Fußball-Nationaltrainer nicht antun und wird erstmal weiter seine finanzielle Unabhängigkeit in der kalifornischen Sonne genießen. Die wochenlangen Verhandlungen zwischen beiden Parteien scheiterten am Ende wegen Differenzen um Vertragsinhalte. “Wir haben es nicht zu einem positiven Ende führen können, weil unsere mündlichen Vereinbarungen nicht schriftlich festgehalten werden sollten“, erklärte Klinsmann lapidar. Nach dem Abbruch der Gespräche verlängerte der US-Verband den Vertrag mit Coach Bob Bradley um weitere vier Jahre.

Ähnlich wie bei seinen Engagements als Bundestrainer und Bayern- Coach wollte Klinsmann die totale Kontrolle. “Am Ende geht es bei Gesprächen mit Vereinen oder Nationalmannschaften doch immer darum, wer hat das letzte Wort“, sagte der blonde Wahlkalifornier, der 2006 schon einmal als aussichtsreicher Kandidat auf das Cheftrainer-Amt beim Fußball-Entwicklungsland USA abgesagt hatte. Dieses Mal habe er irgendwann gesagt, er könne die Arbeit nicht machen, weil “ich als Cheftrainer das letzte Wort für mein gesamtes Team haben muss, für alle Spielerbelange und für alles, was mit dem Team passiert“. Zu dieser Zusage habe sich der US-Verband nicht entschließen können. Danach seien die Gespräche abgebrochen.

Wirklich traurig oder gar wütend wirkte er bei diesen Erklärungen in einem TV-Interview nicht. Im Gegenteil: Gebräunt und entspannt genießt der gebürtige Göppinger die Komfortzone als parlierender Fußball-Philosoph in vollen Zügen. Während das 18-minütige Interview mit einem US-Journalisten lief, schipperten im Hintergrund Boote übers Wasser. Es scheint, als sei seine Welt auch gut 17 Monate nach seiner spektakulären Entlassung am 27. April 2009 bei Bayern München noch bestens in Ordnung.

Mit einem Dauerlächeln auf den Lippen redete der in vier Fremdsprachen Gewandte wie ein Moderator über die WM in Südafrika, die Champions League, den US-Fußball, seine Spielphilosophie und - die große Reise durch die Welt des Fußballs: “Bei der WM waren viele Trainer sehr auf Defensive bedacht, haben nur versucht, die Gruppenphase zu überstehen. Ich war sehr glücklich, dass Spanien den Titel geholt hat, weil sie das Team waren, das konstant angegriffen hat.“

Genau diese Taktik habe er auch beim WM-Sommermärchen 2006 mit dem deutschen Team favorisiert. “Wir Deutschen stehen als Nation für Agieren statt Reagieren, für Angriff“, sagte Klinsmann, “wir sind proaktiv, wollen nicht warten, Druck erzeugen. Diesen Stil wollten wir den Spielern beibringen. Das war unsere Linie, die wollten wir umsetzen.“ Wenn alles passt, wird er diese Spielidee bestimmt wieder irgendwo anwenden können.

dpa

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