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Kommentar zur DFB-Blamage gegen Japan: Habt ihr denn was anderes erwartet?

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Von: Florian Schimak

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Deutschland verliert sein WM-Auftaktspiel gegen Japan – und steht bereits vor dem Aus. Die Entwicklung im deutschen Fußball kommt dabei nicht überraschend.

München – Klar, es fällt tatsächlich schwer, bei dieser WM 2022 in Katar über sportliche Dinge zu reden. „One Love“, FIFA, Menschenrechte. Alles Themen, die dramatische Ausmaße bei diesem alles in allem seltsamen Wüstenturnier annehmen.

Irgendwie hatte man ja gehofft, man könnte am Mittwochmittag ab 14 Uhr endlich einmal wieder den Sport in den Fokus rücken. Zumindest für 90 Minuten. Die Mund-zu-Geste der DFB-Stars vor dem Anpfiff hätte als eine Art Startschuss hin zu Sportlichkeit dienen können – und vielleicht sogar sollen.

DFB-Blamage gegen Japan: War das Ziel nicht der WM-Titel?

Allerdings ist einem nach dem ersten Auftritt der Flick-Elf bei 1:2 gegen Japan die Lust auf das DFB-Team bereits wieder vergangen – und auf die WM ohnehin. 65 Minuten war das in Ordnung, was Joshua Kimmich und Co. im Khalifa International Stadium in Al-Rayyan gegen Japan gezeigt haben. Was dann aber geschah, darf einer Mannschaft nicht passieren, die kürzlich noch gesagt hat, dass das Ziel der WM-Titel sein muss!

Natürlich hatte man gegen emsige Japaner eine Handvoll guter Möglichkeiten. Natürlich wäre die Partie anders verlaufen, hätte Jamal Musiala eines seiner Dribblings erfolgreich abgeschlossen oder Serge Gnabry eine seiner zahlreichen Chancen im gegnerischen Kasten untergebracht. Aber Bastian Schweinsteiger hat recht, wenn er in der ARD nach dem Spiel sagt: „Die Niederlage zeigt, wo wir stehen. Das ist kein Zufall.“

WM 2022: Deutschland nur noch Mittelmaß – das muss man sich eingestehen

Eine einst so große Fußballnation versinkt im Mittelmaß, dem muss man einfach ins Auge sehen. Aktuell ist der deutsche Fußball eben nicht besser als Japan. Oder Ungarn. Das haben die letzten Turniere einfach gezeigt.

Die WM 2018 und das historische Vorrunden-Aus wurden noch als Betriebsunfall abgestempelt, aber spätestens nach dem Ausscheiden im EM-Achtelfinale gegen England wurde deutlich: Für ganz oben reicht es einfach nicht. Die Fehler liegen im Detail und auch in der Vergangenheit, aber vielleicht sollte man beim DFB etwas mehr Demut wallten lassen.

Serge Gnabry hatte gegen Japan genügend Chancen für einen Treffer.
Serge Gnabry hatte gegen Japan genügend Chancen für einen Treffer. © IMAGO / Agencia MexSport

Fakt ist, dass es dem DFB-Team seit vier Jahren nicht mehr gelingt, Gegner über 90 Minuten zu dominieren. Selbst Teams aus der vermeintlich zweiten Kategorie kann die Mannschaft nicht mehr dominieren, geschweige denn bezwingen.

DFB-Team vor abermaligem frühen WM-Aus – Entwicklung war absehbar

Man muss sich nur die letzten Auftritte der deutschen Nationalmannschaft in der Nations League anschauen. Diese waren eigentlich deutlich genug. Vielleicht ist man beim DFB aber auch so zu sehr von sich überzeugt?

Der Mannschaft von Hansi Flick fehlt es in der Spitze nicht an Klasse. Mit Jamal Musiala. Leroy Sané, Kai Havertz oder Joshua Kimmich hat man Spieler, die das Niveau für die Weltklasse haben. Es drückt anderen Stellen.

Man hat weder im Sturm einen Spieler, der einem zuverlässig Tore garantiert, noch hat man eine Viererkette, die nichts anbrennen lässt. Dabei geht es letztlich gar nicht um die 26 Mann, die Flick jetzt mit nach Katar genommen hat.

Es geht grundsätzlich um den deutschen Fußball. Dieser befindet sich seit dem Triumph von Rio 2014 im freien Fall, weil qualitativ an vielen Ecken eklatante Schwächen herrschen. Somit ist ein mögliches abermaliges Vorrunden-Aus einer deutschen Nationalmannschaft bei einem WM-Turnier immerhin nichts mehr Historisches. (smk)

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