Nach den Terroranschlägen

Kommentar: Fußball? Aber sicher!

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Werden an diesem Wochenende in den Stadien noch präsenter sein al ohnehin schon: Die stehen vor arbeitsreichen Tagen.

München - Es ist wieder Bundesliga. Aufgrund der jüngsten Vorkommnisse rund um die Länderspiele schauen einige Fans besorgt auf das Wochenende. Doch das wäre der falsche Weg. Ein Kommentar.

Es dürften am Freitagabend ein paar mehr Menschen nach Hamburg auf das Spiel im Volksparkstadion schauen, als es vielleicht in anderen Zeiten der Fall gewesen wäre. Nicht bloß die HSV-Fans, die Dortmund-Anhänger und alle, die den Fußball lieben und so ein Freitagsspiel wie selbstverständlich auf der Agenda haben. Es ist „Spiel eins“ nach den Anschlägen von Paris und den Geschehnissen in Hannover, da werden viele Deutsche zumindest ab und an über ihr Smartphone streichen und die Nachrichtenlage checken. Ganz sicher.

Das „Spiel eins danach“ ist etwas Besonderes, so wie jedes „erste Mal danach“ etwas Besonderes ist. Wissen Sie noch, wie Sie zum ersten Mal nach dem 11. September 2001 in ein Flugzeug gestiegen sind? Das war Ihr ganz persönliches erstes Mal. Dieses Spiel am Freitagabend ist ein kollektives, und so wurde der Fußball zuletzt ganz generell von jeder Seite genau ausgeleuchtet.

Breitenreiter hat "mulmiges Gefühl"

Beispiel eins: Schalke-Boss Clemens Tönnies brachte gleich mal Körperscanner ins Gespräch, sie könnten an den Eingängen der Bundesligastadien zur Überprüfung der Zuschauer dienen – so wie bei den Sicherheitskontrollen an unseren Flughäfen. Außerdem sagte er: „Auch alle Fans sind nun gefordert, müssen vor und in den Stadien aufmerksamer sein.“

Polizei vor der Allianz Arena

Nummer zwei: Sein Trainer André Breitenreiter kam bei der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Ligaspiel ebenfalls nicht umhin, Fragen zur Sicherheit zu beantworten. „Ich habe volles Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen, aber es bleibt ein mulmiges Gefühl“, sagte der Schalke-Coach. Am Dienstag wollte er mit seiner Familie das Spiel in Hannover schauen. Es blieben die Ein­drücke, wie sein Sohn vor Angst geweint hat. Nun steht das Topspiel des Spieltags an, am Samstagabend spielt der FC Bayern in Gelsenkirchen.

Ein dritter Versuch: HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer setzte auf mehr Sensibilität. Er appellierte eindringlich an die Fans der Ultraszene, nun aber wirklich mal auf Pyrotechnik und Böller zu verzichten. „Das wäre ein falsches Zeichen und könnte Panik auslösen.“ Nachgefragt bei den FCB-Ultras der Schickeria ist man da allerdings viel gelassener: Böller gehörten ohnehin nicht zur Kultur der Ultra­szene. Pyro vielleicht schon, aber das sei doch mehr was Optisches. Und zu den stärkeren Einlasskontrollen sagte der Insider nur: „Kein Problem für uns. Da haben wir Verständnis für.“ Es klang herrlich unaufgeregt. Endlich mal.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Denn eines fällt doch auf: Beim Versuch, das Spiel am Freitagabend und die Partien am Wochenende möglichst normal anzugehen, scheitern die Protagonisten der Liga schon durch ihre gut gemeinten Ideen, vorschnellen Forderungen, eindringlichen Appelle. Stattdessen sollte man es doch sagen, wie es ist: Man tut alles für die Sicherheit der Spieler, Zuschauer, Mitarbeiter, uns Reporter usw., zu 100 Prozent wird man diese aber nie garantieren können. Nehmen wir uns das Beispiel der Fans zu Herzen: Am Freitag ist Fußball, also gehen sie hin. Fußball? Aber sicher!

Michael Knippenkötter

Sie sind angetrieben von der Lust auf den Sport, wollen sich nicht diktieren lassen, wie sie ihre Freizeit gestalten. Mulmig dürfte den meisten zumute sein, das gilt es nun zu überwinden. Auch dieses „erste Mal danach“ muss schließlich einmal angegangen werden.

Ein Kommentar von Michael Knippenkötter, Sportreporter und Fußballfan

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