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Vorfreude auf die Wüsten-WM? Fehlanzeige!

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Von: Uli Kellner

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Eröffnung des WM-Stadions Al-Thumama in Katar.
Hier wird am 18. Dezember 2022 der WM-Titel vergeben: Das Al-Thumama-Stadion von Doha in Katar. © Hussein Sayed / dpa

Nach dem Quali-Finale diese Woche steht das (europäische) Starterfeld für die WM 2022. Deutschland ist sicher in Katar dabei - was bisher fehlt, ist Vorfreude.

Blätter fallen, in den Bergen auch bereits die ersten Schneeflocken. Willkommen in der kalten, dunklen Jahreszeit, die sich nicht mal aufhellt, wenn man zwölf Monate weiterdenkt und sich vorstellt: Jetzt eine herrliche Maß im Biergarten – vor einer Großbildleinwand, auf der WM-Spiele laufen. Natürlich nur in der Fantasie, aber der Gedanke an Public Viewing im Advent hilft, sich den anstehenden Irrsinn noch mal vor Augen zu führen: WM in Katar, das keine Fußballtradition hat, dafür viel Geld, eine sehr spezielle Interpretation von Menschenrechten und selbst im Nordhalbkugel-Winter eine Mörderhitze. Ja, es ist wahr: In einem Jahr und elf Tagen beginnt die höchst umstrittene Wüsten-WM.

Klar: Wenn es erst mal angepfiffen ist, das größte Fußballevent der Welt, dann treten viele Bedenken in den Hintergrund. Sinnvoll ist das nicht, aber menschlich. Genauso wie das Streben von Sportlern, selbst von Korruption und Gigantomanie umrankte Turniere gewinnen zu wollen. Hansi Flick und Manuel Neuer haben es ja beiläufig rausposaunt: Das erklärte Ziel der renovierten DFB-Auswahl ist, „Weltmeister zu werden“. Die Mannschaft traut sich das zu und dürfte gestaunt haben, als sie mit der jüngsten Umfrage des Instituts Yougov konfrontiert wurde. Das ernüchternde Ergebnis: Nur drei Prozent der Befragten glauben an WM-Titel Nummer fünf in Katar. Okay, immerhin glauben auch nur fünf Prozent, dass die deutsche Elf wie 2018 in der Vorrunde rausfliegt. Unter dem Strich trägt all das aber nicht dazu bei, die Vorfreude auf die Wüsten-WM zu steigern.

Nur drei von 100 Fans trauen der DFB-Elf den WM-Titel zu

Wobei: Überbewerten sollte man solche Umfragen nie. In einem Jahr, das Turnier vor Augen, wird sich die Stimmung drehen. Ein gewisser Optimismus springt spät, aber zuverlässig auf jeden WM-Zug. Und es gibt ja auch Gründe, die auf ein sportlich positives Abschneiden hoffen lassen: Flicks Rekordstart als Bundestrainer (fünf Siege), die Blitz-Quali seiner Auswahl (vor allen anderen), die gute Form der Bayern, die mehr denn je eine Achse bilden – und die Beseeltheit von Neuer und Co., 2018 aus dem kollektiven Fußballgedächtnis zu radieren.

Obwohl Quali-Gegner wie Liechtenstein kein Maßstab sind, lässt sich vorhersagen: Flicks Mannschaft wird sich 2022 anders präsentieren als in der späten Löw-Phase, auch politisch – dafür werden reflektierte Profis wie Leon Goretzka sorgen, die die Kernbotschaft der Bayern-Ultras unterstützen, nur etwas diplomatischer. Fest steht, 376 Tage vor dem Eröffnungsspiel: Katar wird anders als alles bisher Erlebte. Auch für uns Fußballfans: Glühwein statt Bier, Adventskranz statt Großleinwand – es wird ein in jeder Hinsicht denkwürdiges Turnier werden.

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