Premiere in der Bundesliga

Kommentar zu Videobeweis: Pleiten, Pech und Chancen

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Noch viele Probleme: Im Videoassistcenter für die Bundesliga werden wichtige Entscheidungen gefällt.

Bei der Premiere des Videobeweises am ersten Bundesliga-Spieltag lief nicht alles rund. Dennoch hat die neue Technik ihre Daseinsberechtigung, findet Merkur-Redakteur Andreas Werner. 

München - Wer live bei der Hand Gottes’ Diego Maradona dabei war oder bei Michael Kutzops verschossenem Elfmeter im Münchner Olympiastadion, erinnert sich heute wohl auch an die BR-Sendung „Pleiten, Pech und Pannen“. 1986 wurde ihre erste Folge ausgestrahlt, es war das Jahr von Maradonas Mogelelei und Kutzops kapitalem Bock. Einen Elfmeter verballern, das ist noch heute möglich und wird es ewig sein - doch Handspiele wie das von Maradona? Ab sofort und für alle Zeiten düstere Geschichte. Wir schreiben 2017. Das Jahr des Videobeweises.

Spötter werden sagen, das Startwochenende mit der neuen Technik vertrage das Prädikat „Pleiten, Pech und Pannen“ - doch in Wahrheit sollte man die finale Vokabel eher mit dem Begriff „Chancen“ ersetzen. Sicherlich lief bei der Premiere nicht alles glatt. Doch man hat schon den Eindruck gewinnen können, dass künftig mehr Gerechtigkeit herrscht. Man sollte dem Ganzen eine Chance geben.

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Lamentieren und diskutieren ist künftig sinnlos

Es wird fairer zugehen, auch der Umgang auf dem Platz folgt ab sofort klareren Richtlinien. Lamentieren, diskutieren, insistieren - kann man sich alles sparen, bringt alles nichts mehr, es wird sowieso jede entscheidende Szene seziert, und das weit entfernt vom Epizentrum der Hektik, im Kontrollraum. Man muss sich freilich erst an die Neuerung gewöhnen, doch wer schon Rückpassregel und Freistoßspray zunächst skeptisch sah, dürfte sich auch beim Videobeweis bald der Moderne hingeben. Gerade im traditionsbewussten Fußball ist es nachvollziehbar, wenn Reformen mit Argwohn begrüßt werden. Letztlich aber machte jede Erweiterung Sinn.

Wer zudem fürchtet, es werde bald emotionsarm zugehen, als kickten Maschinen statt Menschen, darf sich damit trösten, dass nicht jede Entscheidung reguliert wird. Sogar am Freitag, als bei Bayern gegen Leverkusen alles parademäßig lief, ließ sich diskutieren, ob Karim Bellarabi nach einem Foul an Joshua Kimmich nicht mindestens Gelb verdient gehabt hätte. Er kam aber ungestraft davon. So wird es weiter Szenen mit Spielraum geben. George Orwells „Big Brother is watching you“ ist noch zwei Jahre älter als Maradona, Kutzop, „Pleiten, Pech und Pannen“ - und die Bundesliga auch im Jahr 2017 sicher fern von der totalen, spaßbefreiten Überwachung.

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Andreas Werner

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