Kommentar zu Beckenbauer

Es wird dunkel um die Lichtgestalt

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Franz Beckenbauer sorgt mit seinem Verhalten rund um die WM-Affäre für Kopfschütteln: Auch tz-Redakteur Sven Westerschulze (kl. Foto) versteht den Kaiser nicht.

München - Franz Beckenbauer äußert sich öffentlich zur WM-Affäre und kritisiert seine Weggefährten. Sein Vorgehen sorgt für Verwirrung. Ein Kommentar zum Kaiser.

Kurswechsel beim Kaiser! Erstmals seit Wochen hat Franz Beckenbauer sein Schweigen in der skandalösen WM-Affäre gebrochen und zum Gegenschlag ausgeholt. Am Freitagmorgen sickerte durch, dass der Kaiser der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben hat – die Veröffentlichung war aber erst in der Wochenendausgabe geplant.

So gab es am Freitag zunächst nur einige wenige Aussagen von Beckenbauer, die allerdings mehr ver- als erklärten. Den beiden Interimspräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch warf Beckenbauer Niveaulosigkeit vor, weil sie ein von ihm angebotenes persönliches Gespräch zur Aufklärung der WM-Affäre abgelehnt hätten. Was für eine Frechheit, eine Audienz der Lichtgestalt des deutschen Fußballs auszuschlagen!

Was Beckenbauer dabei scheinbar vergessen hat, ist, dass Rauball und Koch ihn schon längst zum Gespräch gebeten hatten – bei der Kanzlei Freshfields. Statt im stillen Kämmerlein wieder die (verbotenen) Handlungen der Vergangenheit zu schönen, sollte der Kaiser direkt den Vertretern der Aufklärungskanzlei Rede und Antwort stehen. Doch Beckenbauer schwieg, selbst zu dem von ihm unterschriebenen Vertragsentwurf mit dem früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner. Und plötzlich sollen alle springen, wenn er ruft?

Rauball kontert Beckenbauer-Vorwurf

Zwei Monate nach seinem 70. Geburtstag hat Beckenbauer nicht nur Bewunderer, sondern auch Ansehen verloren. So verwunderte es nicht, dass Rauball am Freitag im Anschluss an die DFB-Präsidiumssitzung den Vorwurf des beleidigten Kaisers ziemlich schroff abschmetterte. „Ich habe den Brief beantwortet und an die Stelle geschickt, von der ich den Brief bekommen habe“, sagte der Ligapräsident und datierte seine Antwort auf den 11. November – Beckenbauer müsste sie also längst erhalten haben.

Der Brief wäre aber auch nicht das erste Dokument, an das sich der Kaiser im Zuge des Skandals und der Ermittlungen nicht erinnern könnte. Das haben die Ermittler von Freshfields schon bei seiner ersten Anhörung feststellen müssen. Am 24. November soll er nun ein zweites Mal vernommen werden. Es ist nicht auszuschließen, dass es anschließend noch dunkler wird um die einstige Lichtgestalt…

Ein Kommentar von Sven Westerschulze

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