Irritierender Film des Nationalteams

Kommentar zur Kundgebung des DFB-Teams gegen Zustände in Katar: Menschenrechte sind kein Marketing

Dass die Aktion der DFB-Elf für Menschenrechte im Hinblick auf den WM-Austragungsort Katar in einem Imagefilm zur Selbstdarstellung vermarktet wurde, kommentiert Sport-Redakteur Günter Klein.

Respekt für die Nationalmannschaft – den bekundeten auch jene, die in den vergangenen Jahren auf Distanz gegangen sind zum Vorzeigeteam des deutschen Fußballs. Aber das schien einfach eine gute Sache zu sein: Dass die Spieler zu Beginn der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2022 Stellung bezogen zum Austragungsland Katar. Wie elf Spieler also dastanden und mittels der großen Buchstaben auf ihren T-Shirts den mahnenden Schriftzug HUMAN RIGHTS bildeten, das machte Eindruck. scher MusikUnd als es dann hieß, die FIFA verzichte auf eine Strafe für die politische Meinungsäußerung (was heißt: sie hatte eine erwogen), wirkte die Aktion im Nachhinein richtig wagemutig.

„Making-of“ von „Human Rights“ mit heroischer Musik

Der gute Eindruck relativierte sich, als einen Tag später der DFB über die sozialen Medien der Nationalmannschaft einen Film verbreitete: das „Making-of“ von „Human Rights“. Heroische Musik, professionelle Schnitte, auch Hauptsponsor VW mit seinem Logo ins Bild gesetzt – kein Clip, den man schnell mit dem Handy macht, sondern von einer Qualität, dass er Drehbuch, Vorbereitung und Beleuchtung erfordert. Ein Imagefilm aus der Mache einer Werbeagentur. Und nun muss man natürlich zweifeln: Soll „Human Rights“ wirklich eine Idee aus Spielerkreisen gewesen sein? Oder war auch das Statement Inszenierung?

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat zum Auftakt der Qualifikation für die WM 2022 im stark kritisierten Katar ein Zeichen für Menschenrechte gesetzt. Bei der Aufstellung für die Nationalhymnen trug jeder Spieler vor dem Duell mit Island in Duisburg ein schwarzes T-Shirt mit einem weißen Buchstaben - zusammen lautete die Botschaft: »HUMAN RIGHTS«.

Man hätte den T-Shirt-Auftritt so stehen lassen sollen - ohne große Selbstdarstellung

Man hätte den T-Shirt-Auftritt so stehen lassen sollen, wie er am Donnerstagabend war. Er sprach für sich, er brauchte keine Erläuterung. Man macht daraus nicht eine Hochglanz-PR-Geschichte. Dem Thema Missachtung von Menschenrechten in Katar begegnet man nicht mit Bildern einer lustigen Textil-Mal-Runde der Mannschaft, die halt mehr der Selbstdarstellung als der inhaltlichen Diskussion dienen.

Wer die Nationalmannschaft kritisch sieht, fühlt sich nun erst recht bestätigt. Und wieder wird Oliver Bierhoff nicht verstehen, warum das so ist. Der Nationalmannschafts-Direktor hält an seiner Linie fest, wie der deutsche Fußball sich in seiner Spitze präsentieren soll. Er hat das Prädikat „Die Mannschaft“, das keine Akzeptanz fand, über die WM 2018 gerettet, für ihn ist der Nachweis von Volksnähe schon erbracht, wenn die Spieler vom Hotel zum Training mit dem Rad fahren (Stand: vor der Pandemie). Kein Termin (Schulbesuch, beim Vereinstraining mithelfen) verläuft ohne Inszenierung.

HUMAN RIGHTS war für den Moment im Stadion von Duisburg ein Coup. Das ehrlichere Wort mit elf Buchstaben wäre aber VERMARKTUNG.

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