Zoff nach Länderspiel in San Marino

Kommentar zur Müller-Kritik: Ein Eigentor, Herr Gasperoni

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tz-Sportredakteur Carlos Menzel López kann Gasperonis scharfen Worten nichts abgewinnen.  

München - Alan Gasperoni, Sprecher des Olympischen Kommitee von San Marino, hat Thomas Müller scharf kritisiert. Doch damit schießt er nur selbst ein Eigentor, findet tz-Redakteur José Carlos Menzel López. 

Der Nachteil an Sprachbarrieren ist, dass sie in den meisten Fällen nicht überwunden werden. Ein Beispiel: Tritt ein Fußballer vor die Journalisten und lässt sich minutenlang über ein Fußballspiel aus, finden sich meistens nur die essenziellsten Zitate in der lokalen Presse wieder. Diese werden daraufhin – ja nach Interessenslage – in eine Handvoll Sprachen übersetzt und auch dem ausländischen Leser in abgespeckter, zumeist nicht den gesamten Inhalt wiedergebender Form präsentiert. Ähnliches dürfte Alan Gasperoni passiert sein, als er vergangenen Samstag am Frühstückstisch saß und sich an seiner Mortadella-Piadina verschluckte, weil er folgendes Zitat von Thomas Müller zum 8:0 der deutschen Nationalelf gegen San Marino las: „Mit professionellem Fußball hatte das nichts zu tun.“ Gasperoni, Sprecher von San Marinos Olympischen Komitee, fühlte sich offensichtlich in seiner Ehre verletzt, was ihm zum Verfassen eines sowohl fragwürdigen, als auch traurigen Facebook-Briefs an Müller veranlasste.

Fehler Nummer eins: Das Wissen. Wäre Gasperoni nämlich in der Mixed Zone gestanden, wüsste er, dass Müller nicht San Marino angegriffen hatte. Im Gegenteil sogar. „Ich verstehe die San Marinesen“, meinte er. „Sie haben alles getan, was in ihren Mitteln stand.“ Sein Standpunkt: Platzverhältnisse und des Gegners Spielweise hätten ein unnötiges Verletzungsrisiko mit sich gebracht, das es in diesem Fall abzuwägen gelte. Punkt. Eine Meinung. Man kann sie akzeptieren oder kritisieren – sofern das auch mit dem nötigen Respekt geschieht (Fehler Nummer zwei), eine Eigenschaft, die Gasperoni in diesem Augenblick wohl mit der Mortadella heruntergeschluckt hatte. Romantische, finanzielle, kulturelle Argumente gegen Müllers Ansichten aufzuführen – okay. Gegen Müller zu sticheln, dass er auch gegen San Marino keine Bude erzielt hat – lassen wir durchgehen. Aber „euch Deutsche“ an die „Geschichte“ zu erinnern und daran, dass „Überheblichkeit nicht immer die Garantie für den Erfolg ist“, ist dann vielleicht doch eher als schriftliches Eigentor zu werten. Womit wir bei Fehler Nummer drei wären: Gasperonis Modebewusstsein. Birkenstock trägt man hierzulande neuerdings ohne weiße Socken. Ist voll in!

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