Vom Volkssport zum Handelsgut

Kommerzialisierung: Wahrer Fußball? Ware Fußball!

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Volle Stadien, volle Konten: Fußball-Fans (hier in Kaiserslautern) speisen durch ihre Begeisterung das Geld in den großen Geld-Kreislauf.

Längst hat der Kapitalismus auch die beliebteste Sportart Europas vereinnahmt. Doch an der Entwicklung von König Fußball tragen auch die Anhänger ihre Mitschuld.

München - Deadline Day. Klingt erst mal nach Fachenglisch aus der Brokerschule, Wall Street und Börsenschluss. Dass damit eigentlich Fußball und der letzte Tag des Transferfensters gemeint sind, überrascht heutzutage nicht mehr. Fußball ist nämlich nicht mehr Volkssport, sondern Handelsgut. 

Das sieht man an den schier unvorstellbaren Summen, die mittlerweile zwischen den Branchengrößen hin- und hergeschoben werden, an identitätslosen (dafür aber kontoaffinen) Spielern ohne Vereinszugehörigkeit, an chinesischen U 20-Nationalteams in der Regionalliga Südwest, an Asienreisen, Superligas, Weltmeisterschaften mit 48 Teilnehmern, Spieltags-Zerstückelungen und nicht zuletzt auch an Anastacia und Helene Fischer in der Halbzeitpause. Wahrer Fußball? Musste schon lange dem Fußball als Ware weichen! 

Geht der Superstar weg, wird einfach der nächste Stürmer bejubelt

Allgemeines Jammern hilft dabei aber recht wenig, schließlich sind es auch und gerade die Fans, die den Fußball zum Forbesball gemacht haben. Oder können die 222 Millionen Euro von PSG für Neymar auf mittelfristige Sicht nicht durch Trikotverkäufe refinanziert werden? Oder wird es kommende Saison nicht zwei Pay-TV-Abos in den meisten Haushalten geben, damit der Fan auch ja kein Spiel des Lieblingsklubs verpasst? Ganz zu schweigen von den Stadien in Europa, die eben genau deswegen voll sind, weil ein Klub wie PSG seinen Fans ein Leckerli wie Neymar hinwerfen kann. 

Fanshop-Eröffnung an der Säbener Straße: „Die Bayern sind normal geblieben. Das ist aller Ehren wert“.

Und was, wenn Neymar kommende Saison für 300 Millionen zu Real Madrid wechselt? Oder Pierre-Emerick Aubameyang das Wappen des BVB für seine eigenen Interessen benutzt? Dann wird kurz gegrantelt, am Wochenende im Stadion aber einfach der nächste Stürmer bejubelt, der für Schwarz-Gelb einnetzt. Zum Vergnügen der Herren in den schwarzen Anzügen. Oder in den weißen Thawbs. Je nachdem.

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José Carlos Menzel López

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