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So konserviert man die WM-Leidenschaft

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© Ganossi pixabay.com

Noch brennt die Weltmeisterschaft. Doch wenn der Cup erst mal geküsst wurde, verziehen sich viele Fans, die sich nur zu WM und EM für den Ball interessieren, wieder in ihrem Schneckenhaus. Warum eigentlich?

Gerade erst hat Deutschland mit seinem zweiten Gruppenmatch ein regelrechtes Schicksalsspiel absolviert, das bis zur 95. Minute und einem Traumtor von Toni Kroos hunderttausenden den Angstschweiß auf die Stirn trieb. Und die WM dauert noch bis Mitte Juli. Aber das Match zeigte einmal mehr etwas anderes: Diese Begeisterung, diese Leidenschaft und wie Fußball im besten Sinne zur Party wird. Warum also nicht genau dieses Feeling konservieren, nicht nur „Cup-Fan“ sein, sondern zum echten Fußballfan werden? Wir zeigen, wie einfach es ist.

Warum das Ganze?

Zu WM und EM fiebern gefühlt ¾ aller Deutschen mit. Sobald diese Groß-Cups jedoch beendet sind, flacht das Interesse ab. Das ist ziemlich schade und auch ein Stück weit unverständlich. Denn diese Wettbewerbe sind nur die Spitze des Fußball-Eisbergs. Unsere Nationalelf wäre nie so gut, wenn die Spieler nicht in herausragende nationale Ligasysteme eingebunden wären.

Dazu gilt die alte Regel (Fans werden bestätigend nicken): Guter Fußball wird nicht nur bei den ganz großen Matches gespielt. Im Gegenteil, in der normalen Bundesliga gibt es Begegnungen, die fußballerisch als die besten aller Zeiten gelten.

Und dann muss man ja noch etwas bedenken: zwischen WM und EM stehen für den „Quartalsfan“ zwei Jahre Flaute an. Klar findet man dazwischen keine „WM-Pizza“ im Tiefkühlregal. Aber ansonsten ist beinahe alles vorhanden, was auch jetzt für die volle Fan-Leidenschaft verantwortlich ist.

Unterm Strich also: Wer zur WM gerne Fußball schaut, sich mit dem Spiel, den Regeln und dem Drumherum identifizieren kann, der wäre schlecht beraten, diese Leidenschaft erst wieder zur EM 2020 auszupacken. Denn auch der nationale deutsche Fußball ist keinen Deut schlechter, weniger spannend, weniger emotional. Im Gegenteil, er ist die Wurzeln von allem. 

1. Such dir ein Team

Als Deutscher und sofern man nicht gerade ausländische Wurzeln hat, ist die WM- und EM-Sachlage ziemlich eindeutig, da jubelt man unserer Nationalelf zu. Als „regulärer“ Fan hat man jedoch eine Unmenge mehr an Optionen. Glück für Münchner, denn mit dem FC Bayern München und 1860 München haben wir bereits zwei herausragende Vereine gleich vor der Haustüre – und das auch noch in unterschiedlichen Ligen. Der FC Bayern ist als Rekordmeister fest an der Spitze der ersten Bundesliga „einbetoniert“. 1860 hingegen wird in der Saison 2018/19 in der dritten Liga spielen und hatte just erst ein Testspiel gegen Freising – man kann als Münchner also zweigleisig fahren, ohne in innere Zwiespälte zu geraten. Und andere Teams? Klar gibt’s die – aber doch nicht für einen Münchner, oder?

2. Feier jedes Match

Was ist, mal abgesehen von den Spielen selbst, das tolle an der Fußball-WM? Doch wohl die Tatsache, dass man mit anderen seine Leidenschaft teilt. Das muss nicht mal in Münchens Public-Viewing-Arenen sein. Das kann auch einfach gemeinsames Fußballgucken zuhause mit ein paar Freunden, ein paar Snacks und kühlen Getränken sein.

Wer für sich entschließt, ein „echter“ Fußballfan zu werden, der bekommt das natürlich automatisch wesentlich öfter. Mit Ausnahme der kurzen Weihnachtspause läuft eine normale Fußballsaison vom Sommer bis ins späte Frühjahr – selbst wenn man nicht jedes Wochenende Party macht, schafft das doch eine sehr viel höhere „Stimmungsdichte“. 

Keine Lust, jedes Wochenende die Kumpels im Wohnzimmer zu beherbergen? Auch kein Problem, denn richtig gute Fußballstimmung, die sich kaum von der bei großen internationalen Matches unterscheidet, gibt es in München auch an normalen Wochenenden in sämtlichen Sportsbars und Fußball-fokussierten Kneipen. Das hat auch den Vorteil, dass man sich dabei das Abo für Fußball-TV spart – nicht jedes Spiel wird auf ARD, ZDF und Co. übertragen. 

3. Mach das Drumherum mit

Zur WM macht doch jeder irgendwie mit und sei es nur in Form eines Tippspiels im Kollegenkreis. Und warum macht man es? Weil es dem Ganzen noch ein wenig mehr Würze verleiht, wenn man dabei den einen oder anderen Euro abgreifen kann. Schon das lässt sich 1:1 mitnehmen. Denn praktisch keiner der Anbieter, die im Internet gelistet werden, bietet keine Bundesliga-Tippmöglichkeiten an. Und die Vorgehensweise ist dieselbe, als würde man gegen die Kollegen „antippen“ – inklusive Gewinn-Topf, nur eben viel häufiger. 

Doch Wetten sind nur ein Faktor des großen WM-Drumherums, den man mitnehmen kann. Der andere ist das Kulinarische: Jetzt gerade wimmelt das Web wieder vor unzähligen Rezepten für Chicken Wings und anderes Match-Fingerfood. Nach dem Endspiel versinken die Artikel wieder in der Versenkung. Dabei schmecken die ganzen Sachen auch bei jedem Ligaspiel gleich gut.

Der Dritte im Bunde sind die Informationen, die es rund ums Spiel gibt. Und da hat die WM sogar eigentlich die schlechteren Karten. Denn jetzt berichtet wirklich jedes Blatt, jede Sendung und Nachrichtenseite vom Ball – nicht immer mit viel Sachverstand. Im regulären Ligabetrieb hingegen berichten nur „Fachleute“ vom Fußball, stellen Thesen auf, erklären Hintergründe. Das macht das Filtern einfacher. Die „Pflicht-Medien“ für den Fußballfan lassen sich an einer Hand abzählen:

Damit ist man vollumfänglich sowohl mit nackten Statistik-Fakten versorgt wie dem ganzen fußballerischen Hintergrundwissen á la „das hören die Spieler in der Kabine“. 

Fazit 

Es gibt genug gute Gründe, die WM-Leidenschaft auch über das Ende des Cups hinaus mitzunehmen. Denn alles, was dieses Großereignis ausmacht, gibt es auch im normalen Liga-Alltag. Nicht kleiner, sondern eigentlich noch viel intensiver. Wer jetzt gerne Fußball schaut, der wird absolut keine Enttäuschung erleben, wenn er zum „richtigen“ Fan wird, sobald die Ligen später im Sommer wieder anfangen. Im Gegenteil, denn daraus lernt man auch die Hintergründe, die die nächste EM und WM noch viel interessanter werden lassen.

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