Zweideutige Szenen im ZDF

TV-Kritik: Hansi und die Fußball-Ferres

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tz-Kolumnist Jörg Heinrich findet: Hautnah rückt ZDF-Reporterin Kathrin Müller-Hohenstein hier Hansi Flick auf den Pelz.

München - Wird das was mit KMH (der Fußball-Ferres) und Hansi Flick im ZDF? Mit dieser Frage beschäftigt sich tz-Kolumnist Jörg Heinrich in seiner aktuellen TV-Kritik.

Schon die Schlagersängerin Manuela fragte sich 1963: „War’s der Mondenschein? Oder war’s der Wein? Kann das möglich sein?“ Und so geht es einem noch heute, wenn man im Fernsehen WM guckt. Der arme Bossa Nova kann unmöglich an allem schuld sein. Denn der Wahnsinn tobt über den Bildschirm. Es gibt schreckliche Momente, aber auch großartige. Zum Beispiel, wenn sich Oliver Welke erkundigt, was sein Experten-Titan früher an spielfreien Tagen gemacht hat: „Aus’m Fenster geguckt, Kinder erschreckt?“ Wir beantworten die neuesten Leserfragen.

Wird das was mit KMH und Hansi Flick? Die Chancen stehen prächtig. Denn die Fußball-Ferres vom Zweiten hat unter dem Motto „Tore und Amore“ ein Romantik-Interview mit dem Jogi-Vize geführt. Und das ging so: Hautnah rückt Cathy Müller-Hohenstein, wie wir sie fortan nennen wollen, dem Hansi auf den Pelz. Schmacht! Zunächst erkundigt sie sich, ob der fesche Co-Trainer am schwülen brasilianischen Morgen mal Zeit für sie hätte: „Was machen Sie eigentlich morgens so um 7, 8, halb 9?“ – „Verschiedene Dinge“, redet sich der bedrängte Flick raus, was alle Möglichkeiten offen lässt.

Hechel, lechz, wie ging’s weiter? Cathy legt mit einem Kompliment nach: „Bisschen in der Sonne? Sie haben ne tolle Farbe.“ Der Hansi, zunehmend verlegen: „Bauarbeiterbräune. Wenn ich hier was hochtue…“ Er nestelt am Gewand, der fordernde Blick von CMH (neues Kürzel) sagt uns: „Au ja, Hansi, tu hier was hoch!“ Später geht es um romantische Musik von Udo Jürgens, dem Lieblingssänger vom Jogi. Dann schalten die Kameras ab (pfui!), und wir können nur mit Heino spekulieren: „In der dritten Hütte hab ich ihn geküsst. Keiner weiß, was dann geschehen ist.“

Ist Poschi der Schlimmste von allen? Ach was, überhaupt nicht. Auf seine alten Tage hat sich Wolf-Dieter Poschmann (63) den Ruf eines Elder Schwätzman erquasselt. Er kann zwar partout keine Japaner unterscheiden und bringt den Ex-Löwen Osako konsequent mit dem Kollegen Okubo durcheinander – aber nur, weil die Japaner ja keine Südländer sind, sondern quasi Ostländer, wo die Leute alle gleich ausschauen. Kann Poschi ja nix für. Ansonsten hört man ihm zu, und denkt sich: Komisch, er redet ja sogar weniger Unfug als Steffen Simon. Das ist die Relativitätstheorie des Fußballkommentars. Bald wird es Poschi so gehen wie Helmut Schmidt und dem Orgelspieler Franz Lambert. Am Ende der Karriere wird man Kult, und die Menschen jubeln einem zu, außer man ist bei der CSU.

Wer ist der neue Poschi? Ganz eindeutig ZDF-Kollege Oliver Schmidt, erst 42, aber schon jetzt weniger aufgeweckt als, sagen wir, Ernst Huberty heute mit 87. Schmidt pflegt zu Goethes schöner deutscher Sprache das gleiche Verhältnis wie ein Einbeiniger zum Sambatanzen. Schon mal davon gehört, aber nur passiv. Der Sportschau-Chef kommentiert dermaßen unbeholfen – gegen ihn war Werner Lorant Konzepttrainer. Zu Belgien fallen Schmidt „Pommes und Schokolade“ ein, Algerier nennt er „Wüstenfüchse“. Typische Verbalaktion: „Das Hemd existiert den Assistenten.“ Beim England-Spiel reanimiert er den von Frank Buschmann schon vor Jahrzehnten begrabenen Uraltspruch vom coolen Suárez, der Eiswürfel pinkelt. Gähn! Klag! Und dass England noch nicht endgültig raus ist, muss ihm sein Assistent auch erst schonend beibringen. Beim dritten ZDF-Olli ist der Futschebol, wie der Brasilianer sagt, leider futschi.

Von Jörg Heinrich

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