Als Torwarttrainer in Bosnien

Kult-Keeper Piplica wohl bei der WM dabei

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Tomislav Piplica im Trikot von Energie Cottbus.

Zenica - Kultkeeper Tomislav Piplica (44) hat sein Ticket für die Fußball-WM so gut wie sicher - als Torwart-Trainer von Bosnien und Herzegowina.

Mit einem Heimsieg am Freitag in Zenica über Liechtenstein (20.00 Uhr) wäre die Qualifikation nahezu perfekt. Die Balkan-Republik führt die Gruppe G vor den punktgleichen Griechen an und hat das deutlich bessere Torverhältnis. Griechenland empfängt die Slowakei (20.45 Uhr).

„Die Stimmung ist gut. Jeder im Team weiß, was von uns erwartet wird“, sagte der langjährige Cottbuser Schlussmann (1998 bis 2009) dem Berliner Tagesspiegel. Mit dem Bosnier erlebten die Lausitzer die erfolgreichste Zeit ihrer Klubgeschichte mit den beiden Episoden in der Bundesliga (2000 bis 2003/2006 bis 2009). „Wir wollen jetzt noch sechs Punkte holen. Dann sind wir reif für die WM“, sagte Piplica.

Die Ausgangsposition ist für das kleine Land (rund vier Millionen Einwohner) denkbar gut, um erstmals bei einem großen Turnier dabei zu sein. Nach dem Spiel am Freitag steht vier Tage später das letzte Qualifikationsspiel in Litauen auf dem Programm.

Keeper-Klöpse! Legendäre Torhüter-Pannen in der Bundesliga

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Auch Klasse-Keepern passieren mal Fehler - wir haben hier einige unvergessene seit dem Jahr 2000 für Sie zusammengestellt © dpa
30. September 2000 (Hertha BSC - 1. FC Köln 4:2): Markus Prölls Kölner Mannschaftskollege Dirk Lottner hat soeben per Elfmeter das 2:0 erzielt. Der FC-Keeper wartet auf den Wiederanstoß. Weil Pröll zu weit vor seinem Tor steht, schießt der Berliner Alex Alves (r., hier in einer Jubelszene) direkt aufs Tor - und zirkelt den Ball in den Torwinkel. © Getty
3. März 2001 (Hansa Rostock - Bayern München 3:2): In den Schlussminuten stürmt Nationaltorhüter Oliver Kahn in den gegnerischen Strafraum und faustet den Ball nach einem Eckball ins Rostocker Tor. Der „Titan“ sieht die Gelb-Rote Karte wegen absichtlichen Handspiels, die Bayern verlieren die Begegnung. © Getty
6. April 2002 (Energie Cottbus - Borussia Mönchengladbach 3:3): Nach einem abgefälschtem Schuss von Gladbachs Marcel Witeczek bleibt Energie-Schlussmann Tomislav Piplica wie angewurzelt auf der Torlinie stehen. Der Ball fällt ihm auf den Kopf und von dort ins Tor. © dpa
17. April 2004 (Schalke 04 - Bayer Leverkusen 2:3): In der 76. Minute trifft Leverkusens Keeper Jörg Butt per Foulelfmeter zum 3:1 und lässt sich ausgiebig feiern. Als er ins eigene Gehäuse zurücktrabt, ist der Ball bereits unterwegs. Schütze war der Schalker Mike Hanke aus dem Anstoßkreis heraus. © Getty
19. Februar 2006 (1. FC Kaiserslautern - Arminia Bielefeld 2:0): Bielefelds Schlussmann Mathias Hain will eine Ecke verhindern und eine Rückgabe weiterleiten - und schaufelt den Ball direkt vor die Füße von Lauterns Boubacar Sanogo, der den Ball ungehindert einschießt. © Getty
4. April 2009 (VfL Bochum - VfB Stuttgart 1:2): Stuttgarts Keeper Jens Lehmann fängt eine Flanke des VfL ab und segelt mit dem Ball ins eigene Tor. © Getty
4. Oktober 2009 (Hertha BSC - Hamburger SV 1:3): Herthas Ersatzkeeper Sascha Burchert sorgt für einen „Trottel-Doppelpack“. Zweimal kommt der Blondschopf weit aus seinem Tor gelaufen, um per Flugkopfball zu klären. Der Ball landete jedoch vor den Füßen der Hamburger David Jarolim und Ze Roberto, die Burchert aus 25 bzw. 40 Metern überlupfen. © Getty
7. August 2011 (FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 2:0): Fabian Giefer im Tor der Mainzer will den Ball nach einer Rückgabe direkt weiterspielen - und baut einen Querschläger. Sami Allagui bedankt sich und schiebt den Ball ins Tor. © Getty
7. August 2011 (Bayern München - Borussia Mönchengladbach 0:1: Der neue Bayern-Keeper Manuel Neuer fliegt in seinem ersten Bundesligaspiel für den Rekordmeister nach einem langen Pass an der Strafraumgrenze an Ball und Gegner vorbei. Gladbachs Igor De Camargo trifft per Kopf. © Getty
19. Januar 2013 (Fortuna Düsseldorf - FC Augsburg 2:3): Nach einem langen Pass köpft der Düsseldorfer Juanan zu seinem Torhüter Fabian Giefer zurück, der den Ball jedoch durch die Beine rutschen lässt. Der Augsburger Sascha Mölders war Nutznießer beim 1:0 wie auch beim 3:0, als Giefer den FC-Stürmer anschießt und der Ball von dessen Hinterteil ins Tor trudelt. © Getty

Das Ziel sei nah. „Es wäre wie ein Licht für uns alle, für das ganze Land“, sagte Piplica. Immer wieder scheiterte das einst zu Jugoslawien gehörende Land kurz vor dem großen Ziel. Vor der EM 2004 und der WM 2006 wurde das Ticket jeweils am letzten Spieltag verspielt, die Teilnahme an der WM 2010 und an der EM 2012 vergab man in den Play-offs.

Doch nun scheint die Zeit der „Goldenen Lilien“ gekommen. Mit dem früheren Bundesliga-Torschützenkönig Edin Dzeko (Manchester City) liegt Bosnien und Herzegowina auf WM-Kurs. In acht Spielen erzielte das Team 25 Tore. Ex-Europameister Griechenland brachte es gerade mal auf neun Treffer.

Für den langjährigen Cottbuser Keeper wäre die WM ein weiteres Highlight in einer schillerden Karriere. 1987 wurde „Pipi“ vor dem Krieg in seiner Heimat mit Jugoslawien an der Seite von Spielern wie Robert Prosinecki, Davor Suker und Predrag Mijatovic U20-Weltmeister in Chile. Es folgten erfolgreiche Jahre als Profi unter anderem in Cottbus. In Erinnerung blieb er aber vor allem durch sein spektakuläres Eigentor in der Saison 2001/2002, als ihm der Ball nach einer harmlosen Bogenlampe auf den Hinterkopf prallte und von dort ins Tor flog. Zuletzt war er als Keeper des sächsischen Sechstligisten FC Eilenburg aktiv gewesen. Torwarttrainer für Bosnien und Herzegowina ist er seit 2009.

sid

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