Kult-Moderator nimmt EM-TV unter die Lupe

Buschmann: Harte Kritik an EM im ZDF

+
Frank Buschmann übt harte Kritik an der EM-Berichterstattung des ZDF.

München - Bei der EM ist auch er "nur" Fan, wie Millionen andere! Im tz-Interview nimmt er die EM-Berichterstattung unter die Lupe und erzählt er, warum ihn Usedom nervt und Mehmet Scholl Spaß macht.

Frank „Buschi“ Buschmann, Kultkommentator bei Basketball und Fußball, auf Sport1, bei Liga total und Schlag den Raab. Und wie Millionen anderer Zuschauer freut und ärgert sich Buschi übers EM-Fernsehen. Im Interview verrät er, warum ihn Usedom nervt, und warum ihm Scholl Spaß macht.

Hallo Herr Buschmann, wie haben Sie das Dänen-Spiel erlebt?

Buschmann: Mit mehr Genuss als die Spiele davor. Mehmet Scholl ist für mich bei der EM der beste und authentischste Experte. Und wenn er vom Wundliegen redet, ist das halt Mehmet. Das kann man gut finden, das kann man schlecht finden, aber es ist keinem egal. Experten, die einen einfach nur kalt lassen, haben wir genug. Über welchen Spruch von Oliver Kahn bei der EM haben Sie sich richtig gefreut oder richtig geärgert?

Nicht, dass ich wüsste. Was sagen Sie eigentlich zu Usedom?

Wie kann man’s besser machen?

Buschmann: Das hat das ZDF selbst gezeigt, 2006 in Berlin. Da hast du den Fußball gespürt, das hat gelebt. Aber da hattest du auch Klopp, Meier und Kerner. Jetzt hast du Kahn, Müller und Hohenstein. Und ich frag mich jedes Mal: Leben die Zuschauer noch in ihren Liegestühlen am Strand, sind sie noch unter uns? Dass man sich Sorgen um den Gesundheitszustand des Publikums macht, kann ja nicht der Sinn so einer EM-Übertragung sein.

Gewählt: Die beliebtesten Sport-Kommentatoren

Rund 2.500 Stimmen sind bei der Wahl zum beliebtesten Sport-Kommentator auf tz-online eingegangen. Klicken Sie sich durch die Top 15 (die fehlenden Prozentzahlen zu 100 % entfielen auf die fünf anderen von der Redaktion nominierten sowie auf andere Kommentatoren) © dpa
15. Steffen Simon 0,6 % © Getty
14. Jörg Dahlmann 0,7 % © Getty
13. Matthias Stach 0,8 % © Eurosport
12. Uwe Morawe 0,8 % © Sport1
11. Florian König 1,0 % © dapd
10. Ulli Potofski 1,4 % © Getty
9. Thomas Herrmann 1,5 % © Sport1
8. Tom Bayer 1,9 % © Getty
7. Hansi Küpper 2,8 % © LIGA total!
6. Tom Bartels 3,3 % © dapd
5. Kai Dittmann 5,3 % © Getty
4. Béla Réthy 6,4 % © Getty
3. Fritz von Thurn und Taxis 9,7 % © dpa
2. Marcel Reif 12,9 % © Getty
1. Wolff-Christoph Fuss 41,8 % © dapd

Müller-Hohenstein und Kahn haben die Kritik zurückgewiesen.

Buschmann: Als ich das gelesen habe, habe ich echt die Sinnkrise bekommen. Ich habe ja selber, Verzeihung, oft genug aufs Maul gekriegt. Aber dann denke ich zumindest drüber nach und nehme mir vor, beim nächsten Mal vielleicht drei Atü Druck aus meinem Kommentar rauszunehmen. Die müssen doch spüren, dass das ganze Konzept missraten ist. Und trotzdem stellen sie sich der berechtigten Kritik nicht, das ärgert mich.

ZDF-Sportchef Gruschwitz sagt, die Quoten zeigt, dass die Zuschauer zufrieden sind.

Buschmann: Das ist ja das Knallerargument schlechthin! Machen wir uns doch nichts vor: Solche Spiele kannst du auch Omma Erna von der Frittenbude moderieren lassen, und die Quoten stimmen. So viel kannst du auf Usedom gar nicht falsch machen, dass gegen Dänemark nicht 27 Millionen kucken. Die haben den einfachsten Job der Welt, eigentlich müssen die gar nix machen und trotzdem schalten 27 Millionen ein. Um die Quote unter 20 Millionen zu drücken, musst du während des Spiels das Testbild zeigen. Ich finde so eine Argumentation reichlich überheblich.

Wie gefallen Ihnen die Kommentatorenkollegen?

Buschmann: Ich fand Tom Bartels wunderbar, als er einfach nur die Iren singen ließ. Das war die große Kunst des Schweigens und der bisher emotionalste EM-Moment. Ansonsten würde ich gern mehr Freude und echte Begeisterung bei den Kommentatoren spüren, wobei ich nicht weiß, ob das bei ARD und ZDF überhaupt erlaubt ist. Aber wir nehmen uns eh zu wichtig. Wenn du eine Umfrage nach dem besten Kommentator der EM 2012 machst, antworten die meisten wahrscheinlich, „Harry Valérien und Gerd Rubenbauer“.

Interview: Jörg Heinrich

Auch interessant

Kommentare