Spektakulär und spannend

So geht Titelkampf, liebe Bundesliga! Herzschlag-Finale in Spanien - Ein Ex-Hoffenheimer ist mittendrin

Starkicker Lionel Messi und seine Herausforderer von Atletico Madrid: Spannung im Titelkampf von La Liga
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Starkicker Lionel Messi und seine Herausforderer von Atletico Madrid: Spannung im Titelkampf von La Liga.

In der Bundesliga steht der FC Bayern vor der neunten Meisterschaft in Folge. Spanische Fußballfans frohlocken derzeit über schon lange nicht mehr dagewesene Spannung im Titelkampf.

München - Nein, noch handelt es sich nicht um mathematische Gewissheit. Dass der FC Bayern in diesem Jahr seine neunte Schale in Serie einfährt, dürfte aber auch Verschwörungstheoretikern mittlerweile klar sein. Spannung? Hierzulande nach wie vor Fehlanzeige! Selbes gilt auch für die Ligen in England und Italien, wo Manchester City fast und Inter Mailand bereits als Meister feststehen. Immerhin stellen sie – anders als in der Bundesliga – nicht den Sieger aus dem Vorjahr. Das könnte auch in Frankreich passieren, wo Lille drei Spieltage vor Schluss einen Punkt vor Titelverteidiger PSG auf Platz eins liegt. Die Lage in Spanien dagegen lässt das Herz von Fußballfans wirklich höher schlagen. Noch vier Spieltage, noch vier Klubs im Rennen um die Krone in La Liga – so geht Titelkampf, Bundesliga!

La Liga: Heißer Vierkampf um die Meisterschaft - Drei Topfavoriten und ein Außenseiter

Vorne liegt Atlético Madrid mit 76 Punkten, dahinter Real und Barça mit jeweils 74 Zählern, auf Platz vier der FC Sevilla mit 70 Punkten. Aus denen hätten am Montagabend 73 werden können, doch die Andalusier verloren nach sechs Siegen in Folge zuhause gegen Bilbao mit 0:1. Zumindest theoretisch ist der Titel noch drin. Das Fünf-Sterne-Menü für den nächsten Spieltag: Barça empfängt Atlético, Sevilla gastiert bei Real. So eng war es in Spanien schon lange nicht mehr, was auch bei den Protagonisten selbst für Freude sorgt. „Das ist neu, kann für den spanischen Fußball aber nur gut sein“, erklärte Atlético-Cheftrainer Diego Pablo Simeone jüngst. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass dieses Viererduell an der Spitze ein Segen für die Wettbewerbsfähigkeit der Liga ist.“ Der Blick auf die europäischen Klubwettbewerbe gibt ihm recht: Sowohl in Champions als auch Europa League haben in Real Madrid und Villarreal weiterhin zwei spanische Vertreter Chancen auf den Finaleinzug. Deutsche Klubs? Sucht man vergebens! Übrigens: Der ehemalige Hoffenheim-Trainer Alfred Schreuder ist mit dem FC Barcelona mittendrin im Spanien-Wahnsinn:

Aufsehenerregend in Spanien ist insbesondere der Überraschungsaspirant aus Sevilla. Wie schafft es ein Verein, der vergangene Saison bei 80 Millionen Euro aus dem TV-Vermarktungspool gerade einmal fünf Millionen mehr einstreicht als der bereits abgestiegene FC Schalke 04, mit den drei Großen an der Spitze mitzuhalten? Die Antwort lautet: sportliches Geschick! Wer sich keinen Antoine Griezmann für 120 Millionen leisten kann, muss ihn eben selbst entwickeln. Spieler wie Jules Koundé, der für 25 Millionen aus Bordeaux kam und Manchester City nun 60 Millionen wert sein soll, zeigen, dass gutes Scouting ein probates Mittel gegen die Geldverbrennungsanlagen aus Barcelona und Madrid sein kann. Der FC Sevilla wurde belächelt, als es vergangenen Sommer irrsinnige 20 Millionen in Leganés’ No-name-Stürmer Youssef En-Nesyri investierte, nach 23 Saisontoren ist das Gelächter aber mittlerweile verstummt.

La Liga ungemein spannend - Warum die FC-Bayern-Dominanz nicht nur am Geld liegt

Die Andalusier sind gerade in Zeiten elitärer Super-League-Dystopien leuchtendes Beispiel dafür, dass in der kontemporären Fußballwelt der Scheichs und Oligarchen auch weiterhin ein Wettbewerb möglich ist, wenn er denn zugelassen wird. Und sie sollten folglich Vorbild für jene Bundesligavereine sein, die seit nunmehr fast einem Jahrzehnt im Schatten des FC Bayern leben. „Und das wird sich nächstes Jahr nicht ändern“, meinte Trainerlegende Felix Magath jüngst. „Als Fußballinteressierter wäre ich an Wettbewerb interessiert. Aber einen solchen Wettbewerb sehe ich kaum noch in der Bundesliga.“ Auch dieser Satz spiegelt keine mathematische Gewissheit wider. Eine mindestens so hohe Wahrscheinlichkeit wie Bayern Münchens neunter Meistertitel in Serie aber allemal. Und die Erklärung dafür liegt – siehe Spanien – eben nicht nur am Geld.

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