Rückkehrer, Problemzonen, sportliche Bedeutung?

Darum geht es für Löw und seine Spieler

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Für Bundestrainer Joachim Löw gibt es bei der Länderspielpause einige Baustellen, die er bearbeiten muss.

Frankfurt/Main - Gegen Australien und Georgien beginnt für das DFB-Team das Jahr 2015. Bundestrainer Joachim Löw darf sich besonders auf einige prominente Rückkehrer freuen. Ein Ausblick.

Update vom 24. März 2015: Das erste Länderspiel des Jahres steht an: Deutschland muss gegen Australien ran. In unserer Übersicht lesen Sie, wo Sie das Spiel im TV und im Stream verfolgen können.

Nach vier Monaten Winterpause versammelt Joachim Löw die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erstmals im neuen Jahr wieder um sich. 23 Akteure hat der Bundestrainer am Montag nach Frankfurt am Main eingeladen. Noch 16 Weltmeister stehen im Aufgebot für die ersten Länderspiele 2015 am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) in Kaiserslautern gegen Australien sowie vier Tage später in der EM-Qualifikation gegen Georgien. Die zweite Partie am Sonntag (18.00 Uhr) in Tiflis genießt dabei Priorität. Ein Ausblick auf einige wichtige Fragen der anstehenden Länderspiel-Woche.

Die sportliche Bedeutung der beiden Länderspiele

„Weltmeister gegen Asienmeister - das ist ein schöner Auftakt ins Länderspieljahr“, sagte Löw. Die ungleich wichtigere Partie aber ist die in Georgien. Denn in Gruppe D belegt Weltmeister Deutschland nach vier Spielen nur Platz drei hinter Polen und Irland. Das würde nicht reichen für das direkte Ticket zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich. „Es heißt, die nächsten Spiele gegen Georgien und im Sommer gegen Gibraltar zu gewinnen. Dann beginnt ein heißer Herbst mit den Spielen in Irland und Schottland und zu Hause gegen Polen. Ich bin natürlich völlig überzeugt, dass wir das schaffen“, sagte Löw.

Rückkehrer Schweinsteiger, Badstuber, Gündogan, Özil im Blickpunkt

Erstmals seit dem WM-Finale kann Bastian Schweinsteiger das deutsche Team als Kapitän anführen. „Ihn wieder dabei zu haben, ist ein großer Gewinn“, sagte Löw zum Comeback des 30 Jahre alten Münchners. Noch viel länger fehlten Bayern-Profi Holger Badstuber und der Dortmunder Ilkay Gündogan. Das Duo verpasste wegen schwerer Verletzungen auch die WM in Brasilien. „Ich freue mich, dass Holger und Ilkay wieder dabei sind. Das waren vor ihren Verletzungen Stützen unserer Mannschaft“, erklärte Löw. Im Testspiel gegen Australien könnten beide ein Comeback feiern. Auch Mesut Özil kehrt nach einer Verletzungspause zurück. Der Arsenal-Profi hat wie Schweinsteiger zuletzt im WM-Finale für Deutschland gespielt.

Problemzone Außenverteidiger und Mittelstürmer

Die größten Problemzonen sind auch beim Neustart die beiden Außenverteidigerposten sowie die Mittelstürmerposition. Hier haben die Weltmeister Philipp Lahm und Miroslav Klose nach ihren Rücktritten große Lücken hinterlassen. „Die nahe Zukunft ist nicht so einfach“, bekannte Löw. In dem Kölner Jonas Hector (1 Länderspiel) steht nur ein echter Außenverteidiger im aktuellen DFB-Kader, dazu für die rechte Seite der Hoffenheimer Mittelfeldspieler Sebastian Rudy. In der Rubrik Stürmer hat der DFB Mario Götze und den Gladbacher Max Kruse aufgeführt, beides eher spielende Angreifer.

Keine personellen Experimente auf der Torhüterposition

Zum Jahresauftakt setzt Löw weiterhin auf das WM-Trio Manuel Neuer, Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler. Aber das muss noch nichts heißen Richtung EM 2016. Nur Neuer hat seinen Status als Nummer 1 sicher. „Es kommen viele junge Torhüter nach“, sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke. Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), der Leverkusener Bernd Leno oder Timo Horn vom 1. FC Köln sollen sich aber vorerst bei der U21-Auswahl für höhere Aufgaben empfehlen. Die U21 bestreitet im Sommer ein EM-Turnier.

Löws neuer Vertrag bis zur WM 2018 in Russland

Mit der langfristigen Bindung der Sportlichen Leitung um Löw bis zur WM 2018 in Russland hat der Deutsche Fußball-Bund gerade nach außen für Ruhe gesorgt. „Die wollen wir natürlich auch vor dem nächsten Turnier haben“, bestätigte Löw. Man solle aber nicht zu viel Wind um die Ausweitung der Zusammenarbeit machen. „Es ist schon ein überschaubarere Zeitraum, es sind keine Lichtjahre. Verbände und Nationaltrainer denken in Zyklen von zwei oder vier Jahren, weil dann immer ein Turnier ansteht“, erläuterte Löw. Er habe Spaß an seinem Job, der EM-Titel 2016 reizt. Aber Löw weiß auch als Weltmeister: „Unantastbar ist man nie als Trainer.“

Die weiteren Termine des DFB-Teams 2015 im Überblick:

25. März: Deutschland - Australien in Kaiserslautern (20.30 Uhr/ZDF)

29. März, EM-Quali: Georgien - Deutschland in Tiflis (18.00/RTL)

10. Juni: Deutschland - USA in Köln (20.45 Uhr/ARD)

13. Juni, EM-Quali: Gibraltar - Deutschland in Faro (20.45/RTL)

4. September, EM-Quali: Deutschland - Polen in Frankfurt/Main (20.45/RTL)

7. September, EM-Quali: Schottland - Deutschland in Glasgow (20. 45/RTL)

8. Oktober, EM-Quali: Irland - Deutschland in Dublin (20.45/RTL)

11. Oktober, EM-Quali: Deutschland - Georgien in Leipzig (20. 45/RTL)

17. November: Deutschland - Niederlande in Hannover - Anstoßzeit und TV-Sender noch offen

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw. © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“ © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden. © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle. © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg. © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008. © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause. © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort. © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer. © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere. © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team. © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben. © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler. © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer. © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht. © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis. © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit. © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit. © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus. © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell. © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien. © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel. © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge. © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs. © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien. © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft. © dpa

dpa/sid

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