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Die Nerven liegen blank: Bayern-Block nicht mehr unantastbar, Flick sitzt auf DFB-Pulverfass

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Der Schock sitzt den DFB-Akteuren noch in den Knochen. Am Tag nach der Niederlage gegen Japan sucht man nach Erklärungen. Ist das Team noch eine Einheit?

Doha - Die digitale Pressekonferenz am Tag nach der 1:2-Pleite zum Auftakt der WM 2022 gegen Japan erklärte Bundestrainer Hansi Flick (57) zur Chefsache. Ursprünglich war angedacht, dass an den Tagen nach den Spielen die Co-Trainer der Nationalmannschaft vor die Medien treten.

Doch die Niederlage am Mittwoch hat alles durcheinandergewirbelt – auf und neben dem Platz. Der Bundestrainer wirkte angefasst und bisweilen dünnhäutig, als er eine knappe Viertelstunde mit Fragen gelöchert wurde.

Trainiert Flick noch eine geschlossene Einheit oder fällt das DFB-Team gerade auseinander?

Das bestimmende Thema: Die medial wirksam geäußerte Kritik von Ilkay Gündogan (32) an der Abwehr („Gerade das zweite Tor, ich weiß nicht, ob jemals bei einer WM ein einfacheres Tor erzielt wurde, das darf nicht passieren. Wir sind hier bei der WM“) und am Angriff („Es fehlte so ein bisschen die Überzeugung mit dem Ball – von hinten raus. Dass man den Ball hält, dass man sich bewegt, dass man sich anbietet“).

Aussagen, zu denen der Manchester-City-Star steht und die er nach tz-Informationen erneut tätigen würde, um das Team wachzurütteln. Stellt sich die Frage: Trainiert Flick noch eine geschlossene Einheit? Oder fällt das DFB-Team gerade auseinander? (Spielplan der WM 2022 in Katar)

Deutschland-Pleite gegen Japan: Flick sitzt auf einem Pulverfass

„Es ist okay, dass er das sagt. Wir wollen keinem Spieler irgendetwas vorgeben. Er hat es auf den Punkt gebracht“, sagte Flick über Gündogan als neuen internen Chefkritiker. Wohl wissend, dass er auf einem Pulverfass sitzt und solche Aussagen intern für Explosionsgefahr sorgen.

Der Menschenfänger Flick merkt, dass die ohnehin schon großen Egos seiner Spieler während dieser Weltmeisterschaft auf ungeahnte Dimensionen anwachsen. Die Entscheidung, Gündogan den Vorzug gegenüber Leon Goretzka (27) zu geben, hatte in den Augen von ARD-Experte Bastian Schweinsteiger fatale Auswirkungen auf die Leistung des Bayern-Spielers: „Beim Ausgleichstreffer ist mir als Erstes in den Kopf gekommen: Oh, der war enttäuscht, dass er heute nicht von Anfang an gespielt hat.“

Hansi Flick gibt am Tag nach dem 1:2 gegen Japan eine Pressekonferenz.
Die Laune war schon mal besser: Hansi Flick gibt am Tag nach dem 1:2 gegen Japan eine Pressekonferenz. © eu-images/imago

Goretzka nach der Japan-Pleite: „Wer mich kennt weiß, dass ich immer von Anfang an spielen möchte“

Goretzka sagte nach der Partie: „Wer mich kennt weiß, dass ich immer von Anfang an spielen möchte. Wäre ich nicht frustriert, wäre ich der Falsche in meinem Job.“

Zum Problem wird das allerdings, wenn die Frustration sich negativ auf das Mannschaftsklima auswirkt. Auch Verteidiger Thilo Kehrer (26) hatte sich einen Stammplatz erhofft. (Einzelkritik gegen Japan)

Bayern-Block gilt innerhalb der Mannschaft nicht mehr als komplett unantastbar

Ohnehin soll der Bayern-Block innerhalb der Mannschaft nicht mehr als komplett unantastbar gelten. Wählte Ur-Bayer Thomas Müller (32) deswegen nach Abpfiff in den Katakomben bewusst versöhnliche Worte? „Manchmal ist es nicht ganz leicht nach Niederlagen mit den Gefühlen. Ich würde das alles emotional nicht überbewerten“, sagte er. Natürlich hatte der Münchner die Kritik von Gündogan zu diesem Zeitpunkt bereits mitbekommen – Offensivmann Müller dürfte sich ebenfalls angesprochen gefühlt haben.

Genau wie Kai Havertz (23). Der Chelsea-Star signalisierte mit seinem Auftritt deutlich, dass er nur bedingt Lust auf die Ergänzungsrolle als Sturmspitze hatte. Ähnlich ist auch der Auftritt von Flügelstürmer Serge Gnabry (27) zu bewerten, der unter der Woche noch vollmundig ankündigte: „Ich agiere am liebsten hinter der Spitze, fühle mich aber auch auf den Außen wohl. Vorne drin wäre für mich auch eine Option, bevor ich auf der Bank sitze.“ Doch der Bankplatz ist für Gnabry und seine Offensivkollegen nicht mehr auszuschließen. Manuel Bonke, Philipp Kessler

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