Georgien gegen Deutschland

Kobiaschwili: "Es liegt an uns selbst!"

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Lewan Kobiaschwili arbeitet als Jugendcoach in Berlin.

Tiflis - Lewan Kobiaschwili (37) ist mit 100 Länderspielen georgischer Rekordnationalspieler. Das tz-Interview mit dem ehemaligen Bundesliga-Profi (Schalke, Hertha Freiburg).

Herr Kobiaschwili, steht Georgien vor dem Spiel des Jahres?

Lewan Kobiaschwili: Ja, das wird etwas ganz Besonderes. Da kommt der Weltmeister, da freut sich das ganze Land auf diesen Tag. Das haben wir nicht alle zwei Monate!

Gibt es eine realistische Chance, etwas zu holen?

Lewan Kobiaschwili: Ich glaube, dass es immer eine Chance gibt, ganz gleich gegen wen. Auch wenn es in Prozent ausgedrückt in diesem Fall eher gegen null geht. Deutschland ist im Moment die beste Mannschaft der Welt. Aber es liegt sehr viel an uns selbst. Wir müssen es der deutschen Mannschaft schwer machen.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass es klappt?

Lewan Kobiaschwili: Es gibt Spieler mit besonderen Qualitäten, aber nicht den einen, der den Unterschied ausmacht. In Spielen wie gegen Deutschland geht es nur um die Mannschaftsleistung. Die Geschlossenheit ist die Stärke, das muss jedem Spieler klar sein. Jeder muss bereit sein, über die Grenze zu gehen und das beste Spiel seines Lebens zu machen. Damit es dann im Kollektiv funktioniert, das ist die Aufgabe unseres neuen Trainers Kakhaber Tskhadadze.

Das Duell Deutschland gegen Georgien gab es nicht allzu häufig, bislang schlug sich der Außenseiter immer recht achtbar. Ist Georgien ein unangenehmer Gegner?

Lewan Kobiaschwili: Es gibt nicht die große Geschichte zwischen unseren Ländern. Aber es gibt diesen schönen Zufall, dass wir genau vor 20 Jahren unsere erste Begegnung hatten. Damals, am 29. März 1995, saß ich auf der Tribüne in Tiflis und habe gesehen, wie Jürgen Klinsmann zwei Tore gegen Georgien geschossen hat. Und ja, gegen eine überragende deutsche Mannschaft hatten wir nur 0:2 verloren. Trotzdem: Das war eine andere Situation. Wir wünschen uns alle, unangenehm sein zu können. Aber ob es klappt, wir werden sehen. Fakt ist: Bis auf das 0:4 gegen Polen waren es zuletzt meist sehr knappe Niederlagen. Wir wurden selten so richtig überrollt.

Sie haben über 350 Bundesligaspiele gemacht, in Deutschland erinnert man sich außerdem sehr gut an Alexander Iashvili oder auch an Levan Tskitishvili. Warum schafft es im Moment kein Spieler aus Ihrer Heimat in die höchste deutsche Spielklasse?

Lewan Kobiaschwili: Das ist ein allgemeines Problem seit Jahren. Es ist nicht nur so, dass es kein Spieler in die Bundesliga schafft, generell haben wir keinen Profi in einer der europäischen Topligen. Das würde uns sehr helfen! Es gibt aber immerhin einige vielversprechende Talente in der belgischen Liga, in Holland oder Russland. Die machen einen guten Job.

Wie fußballbegeistert ist Ihr Land generell?

Lewan Kobiaschwili: Wir sind fußballverrückt, der Fußball ist immer ein Thema. Das Stadion wird natürlich auch ausverkauft sein. Aber ein wenig wandert die Begeisterung auch in Richtung Rugby oder Basketball. Da werden zurzeit tolle Erfolge gefeiert, das macht sich bemerkbar in der Beliebtheit. Aber der Fußball hat immer einen besonderen Stellenwert, auch wenn es derzeit einige Probleme gibt.

Sie selbst haben sich vorgenommen, diese Probleme anzugehen: Sie wollen Verbandspräsident werden.

Lewan Kobiaschwili: Das ist richtig, ich werde mich für die diesjährige Wahl aufstellen lassen. Ich will etwas bewegen, neue Strukturen aufbauen. Ich will die Erfahrungen, die ich über Jahre vor allem in Deutschland gesammelt habe, genau dort einbringen. Ich will meine Kontakte nutzen! Wir werden sehen, ich bin bereit. Meiner Meinung nach müssen neue, frische Ideen eingebracht werden, ob im Jugendbereich oder an anderer Stelle.

Im Moment kümmern Sie sich um Herthas Nachwuchs.

Lewan Kobiaschwili: Berlin ist seit Jahren meine Heimat. Für die neue Aufgabe, sollte es klappen, werde ich nach Georgien zurückgehen.

Interview:Michael Knippenkötter

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