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Liga-Platzhirsch HSV: Walter-Ball und Vorstandsstreit

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Hamburger SV
Bemerkenswert beim HSV: neue Saison, alter Trainer: Tim Walter (vorn) beim Trainingsauftakt. © Georg Wendt/dpa

Die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg beim HSV ist verflogen. Die Vorbereitung läuft bisher gut, die Verstärkungen passen, die Bundesliga-Aufstiegsträume reifen. Zum fünften Mal.

Hamburg - Schalke weg, Werder weg - wer also soll den Hamburger SV auf seinem Weg zurück in die Bundesliga stoppen? Auf dem Papier ist vor dem Start der 2. Fußball-Bundesliga am Wochenende alles klar.

Nach vier Jahren Unterhaus hat der Dauer-Aufstiegskandidat diesmal wirklich gute Aussichten. Außerdem: dreimal Vierter, zuletzt Dritter - der Trend der Hamburger macht den erfolgshungrigen Fans Mut.

„Ball flach halten“

Wenn doch alles so einfach wäre, sagt Trainer Tim Walter und findet einen prominenten Fürsprecher. „Ball flach halten. Gegen Braunschweig sieht das ein bisschen anders aus“, prophezeit HSV-Kultfan „Helm-Peter“ den Profis einen zähen Auftakt am Sonntag. „Da werden wir wieder diese Arie sehen: Zehn Mann hinten drin und vorne hilft der liebe Gott Braunschweig.“

Der 76-Jährige macht den Profis auf seinem Facebook- und Youtube-Kanal aber auch Mut. „Das sah nach Fußball aus“, lobt er die Mannschaft nach dem 5:1 im letzten Testspiel der Vorbereitung beim Schweizer Vizemeister FC Basel und präsentiert stolz sein nagelneues T-Shirt mit dem Aufdruck: „Zurück in die 1. Liga.“

Walters zweites Jahr beim HSV - erstmals in seiner Trainer-Karriere ist ihm das bei einem Proficlub gelungen - soll die Vollendung des offensiven und aggressiven Ballbesitz-Fußballs bringen. „Zum ersten Mal nach längerer Zeit können wir in eine zweite Saison gehen, wo wir wissen, was wir machen, da wir die Idee kennen“, sagt Kapitän Sebastian Schonlau. Vor einem Jahr hatte der Innenverteidiger gestöhnt, weil er zwei Wochen brauchte, um im neuen Walter-System hinten und vorne zu unterscheiden. Diesmal reichte die kürzeste Saisonvorbereitung seit 2005 für ein neues Level. „Die Jungs haben die Spielidee weiter verfeinert“, lobt Walter.

„Wir wollen aus dieser Liga raus!“

Bemerkenswert beim HSV: neue Saison, alter Trainer. Mehr als eine einjährige Dienstzeit schaffte zuletzt Markus Gisdol - von September 2016 bis Januar 2018. Danach war Kurzarbeit für Hollerbach, Titz, Wolf, Hecking, Thioune, Hrubesch angesagt - und immer neue Ideen.

Anders als zuletzt geht der Verein diesmal mit seinen Ambitionen um. „Ganz klar, dass wir die Herausforderung Aufstieg annehmen“, sagt Sportvorstand Jonas Boldt und gesteht: „Wir wollen aus dieser Liga raus!“ Durch die Vorsaison hatten sich die Verantwortlichen mit Verbalakrobatik gehangelt. „Entwicklung des Teams“, hieß die Angelegenheit. „Es wäre nicht mehr glaubwürdig, wenn wir jetzt tiefstapeln würden, nachdem wir in der Vorsaison so knapp gescheitert sind“, sagt Schonlau.

Klare Kante in der Ansage wird vermutlich aber nicht reichen. „Die beste 2. Liga aller Zeiten“, wie die Vorsaison hofiert wurde, ist nach dem Abgang von Schalke und Werder auf Normalmaß gestutzt worden. Spannend wie in der vergangenen Spielzeit kann es dennoch werden. Die Teams 1. FC Nürnberg, Hannover 96, Darmstadt 98, Fortuna Düsseldorf, Greuther Fürth, Arminia Bielefeld, 1. FC Heidenheim und SC Paderborn sind auch gut für den Aufstieg.

Nächster Vorteil HSV: Der Kern der Truppe ist beisammengeblieben. Der Abgang der Talente Josha Vagnoman (VfB Stuttgart) und Faride Alidou (Eintracht Frankfurt) schmerzt zwar. Von den Neuen wie Laszlo Benes, mit 1,5 Millionen Euro bislang teuerster Zweitliga-Transfer, Ransford Königsdörfer (1,2) und Filip Bilbija (ablösefrei) verspricht sich der Club aber einiges.

Hauen und Stechen in der Führungsetage

Unklar ist aber, wie sich das Hauen und Stechen in der Führungsetage auswirkt. Da kann der eine nicht mit dem anderen. Sportvorstand Boldt hat Sportchef Michael Mutzel degradiert. Transfers ausführen darf er noch, mit dem Team und der Öffentlichkeit reden darf er nicht mehr. „Wenn ich das in aller Öffentlichkeit mache, dann ist das ein fatales Zeichen für die Kommunikationskultur innerhalb eines Clubs“, moniert der einstige St.-Pauli-Coach Ewald Lienen Boldts Führungsstil.

Nicht grün sind sich zudem Boldt und sein für Finanzen zuständiger Vorstandskollege Thomas Wüstefeld. Was dieser will, lehnt jener ab. Der Aufsichtsrat sprach ein verhaltenes Basta: Reißt euch zusammen und macht weiter! Pikant: Boldt ist Walters Vertrauter. Noch ist der Trainervertrag (bis 30. Juni 2023) nicht verlängert. Geht Boldt, geht dann auch Walter? dpa

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